Gorgoroth - Instinctus Bestialis

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VÖ: 08.06.2015
Bandinfo: Gorgoroth
Genre: Black Metal
Label: Soulseller Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Der einst mächtige Schlachtkreuzer GORGOROTH war ja im Laufe der Jahre mächtig ins Trudeln gekommen. Skandale, Sensationen & Skurrilitäten prägten die Berichterstattung über das einstige Black Metal-Oberliga-Kommando. Der Aufspaltung und Namensstreitigkeiten folgten schließlich „Quantos Possunt Ad Satanitatem Trahunt“ (2009) sowie die Neueinspielung des 1997er Albums "Under The Sign Of Hell“ (2011). Weitere Zeit verstrich, bevor die Fans nach gezählten sechs Jahren Wartezeit auf neues Studiomaterial nun in den Genuß des "Instinctus Bestialis", GORGOROTH-style, kommen. Die erste Neuerung folgt auf dem Fuße. Nach Regain und Malicious sind die Norweger nun bei Soulseller unter Vertrag. Ein weiteres Novum ergibt sich auf der Position des Vokalisten. Die letzten beiden Releases keifte ja noch der mittlerweile geschaßte Pest ein, auf den Bühnen durfte man sich zuletzt noch den kontroversen TAAKE-Fronter Hoest am Mikro zu Gemüte führen (zum Livereport). Nun verpflichteten die norwegischen BM-Veteranen für die neue vertonte Verwüstung den Serben Atterigner (zuvor bei TRIUMFALL), der sich perfekt in den schwarzen Soundorkan aus dem hohen Norden einfügt und den Wechsel am Mikro auch hörbar werden läßt.

"Radix Malorum" fällt gleich eingangs mit der Tür ins Haus und besticht mit einem Eröffnungsblast sowie äußerst melodischer Gitarrenarbeit, welche den Hörer in ihrer sägenden Konstanz durch das ganze Album begleiten wird. Nach diesem fulminanten Start zeigt sich, dass Bandleader Infernus (der letzte Verbliebene aus dem Original Line-Up) die verstrichenen sechs Jahre dazu genutzt hat, dem zehnten Studiodreher zu einem interessanten und guten Biest werden zu lassen. Titel wie das abwechslungsreiche "Ad Omnipotens Aeterne Diabolus", das mit seinem "Hail Satan"-Gebrülle im Ohr bleibt (der Gehörnte taugt auch nach Ewigkeiten immer noch als lyrischer Ideengeber und dominiert das Album) oder der Midtempo-Brecher "Come Night" überzeugen ebenso wie "Dionysian Rite", ein feiner Stakkato-Klopfer, der aufgrund der eingangs erwähnten Gitarrenarbeit ins Gedächtnis kriecht. Womit auch mit einem Stampfer wie "Burn In His Light" bewiesen ist, dass es die Band noch kann. Zwar findet der Überraschungs- und Begeisterungsfaktor nicht in jedem Song Eingang, "Rage" fließt ein wenig an einem vorbei wie auch "Kala Brahman" bzw. "Awakening" bei den ersten Hördurchgängen.

Doch kaum hat man die Klasse auch dieser beiden Stücke erfaßt, ist der akustische Spuk nach 31 Minuten auch schon wieder vorbei. Dennoch nicht schlecht, weil so auf die andere Alben so zäh machenden Füller verzichtet wurde. Die alles verschlingende Infernis bricht auf "Instinctus Bestialis" zwar nicht flächendeckend los, das Album sorgt aber für fesselnde und überraschende Momente, die Black Metal-Puristen aufgrund des melodischen, tödlich-rockigen Hauchs nicht gefallen werden. Vergleiche mit Genreklassikern sind ohnehin unangebracht, meine Hoffnung beruht darauf, dass Infernus nach dieser atmosphärisch dichten und dynamischen, im mächtigem Midtempo wütende "Aufwärmrunde" (samt Hiernonymus Bosch-mäßigem Albumcover und druckvoll-bauchigen Sounds) weiter zu neuen Höchstformen auflaufen können wird, eine entsprechende Punktewertung sollte als Anfeuerung dienen! Sechs weitere Jahre sollte er sich jedoch nicht Zeit lassen, um den Schlachtkreuzer in sichere Gewässer zu steuern, zu mächtig und tosend tobt der Sturm der jungen Wilden, welche die dunkle See mächtig schäumen und aufbrausen lassen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (08.06.2015)

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