Virgin Steele - Nocturnes Of Hellfire & Damnation

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VÖ: 22.06.2015
Bandinfo: VIRGIN STEELE
Genre: Progressive Power Metal
Label: SPV / Steamhammer
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Lineup  |  Trackliste

Mit den ersten Lieblingsbands ist es ein bisschen wie mit der ersten Liebe: egal was kommt, man behält sie doch immer irgendwie in guter Erinnerung. Diesem Rezensenten geht's mit VIRGIN STEELE etwa so - die Band rund um Charismatiker David DeFeis war eine meiner ersten metallischen Entdeckungen im zarten Jugendalter, und Alben wie die beiden "Marriage Of Heaven And Hell"-Teile, "Invictus" und "House Of Atreus" haben mich über viele Jahre hinweg begleitet. Nach der Jahrtausendwende bzw. nach "House Of Atreus" wurde es jedoch ruhiger um die Mannen aus Long Island, NY, und nach dem "Best Of"-Album "Hymns To Victory" bemerkte man eine doch deutliche Veränderung im Stil: Das 2006er-Werk "Visions Of Eden" wurde erstmals komplett von Mastermind David DeFeis im eigenen Homestudio aufgenommen und produziert, und leider merkte man dies auch am von vielen Fans und Kritikern gleichermaßen bemängelten Sound: Elektronische Drums, drucklose Gitarren, zu laut gemischte Vocals - irgendwie fehlte den immer noch guten Songs von David DeFeis plötzlich einfach der nötige Biss.

Hinzu kam, dass das Songwriting auf "Visions Of Eden" und noch viel deutlicher auf dem Folgewerk "The Black Light Bacchanalia" immer mehr und mehr ins Progressiv-Experimentelle abdriftete, und so einerseits Fans der alten, klassischen Epic-Metal-Tradition, für die VIRGIN STEELE dereinst standen, vergraulte, aber auf Grund der dünnen Produktion und sperrigen Songstrukturen auch kaum neue Fans erschließen konnte.

Fünf Jahre mussten wir nun warten, doch 2015 liegt mit "Nocturnes Of Hellfire & Damnation" nun endlich wieder ein neues VIRGIN STEELE-Langeisen vor - und es hat sich einiges getan, wenngleich auch noch nicht alle Probleme ausgebügelt sind.

Zunächst ist aber positiv anzumerken dass sich Maestro DeFeis in Punkto Songwriting wieder mehr auf alte Tugenden besinnt, und bei Tracks wie "Lucifer's Hammer", "Queen Of The Dead" und dem Album-Highlight "Persephone" wirklich mal wieder von "Metal-Songs" gesprochen werden kann - komplett mit nachvollziehbaren Songstrukturen, knackigen Riffs und den VIRGIN STEELE-typischen schönen und ungewöhnlichen Harmonien. Auch die kurzen Interludien, für die die Band in vergangenen Tagen bekannt war, feiern beispielsweise mit "To Darkness Eternal" ein Comeback. Erfrischend sind auch die gelegentlichen Ausflüge in bluesige Rock-Gefilde, die VIRGIN STEELE dereinst vornehmlich auf dem von Fans oft geschmähten, tatsächlich aber unterbewerteten "Life Among The Ruins"-Album beackert hatten, wie in "Demolition Queen" .

Gleichzeitig hat natürlich auch David DeFeis seine Handwerkskünste im Studio verfeinern können, und so klingen nun die Gitarren auch wieder mehr wie Gitarren, allerdings müssen wir immer noch mit sehr künstlich klingenden elektronischen Drums Vorlieb nehmen; und auch der Mix fällt unausgewogen aus: Zu sehr stehen die vielschichtigen Vocals von David DeFeis stets im Vordergrund und drücken das instrumentale Grundgerüst gnadenlos zu Boden, und die steten Schreie, Kreischer und Grunzer, die Maestro DeFeis immer schon gerne mal angebracht hat, werden nunmehr fast zum Erbrechen überstrapaziert (und was soll dieses Husten(?) oder Niesen (?) am Beginn von "Fallen Angels"?!). Das müsste alles nicht sein, und mit etwas mehr Geradlinigkeit und vielleicht einem externen Producer, der die kreativen Energien von Maestro DeFeis in kontrolliertere Kanäle lenkt, könnte man aus dem an sich guten Songmaterial auf "Nocturnes Of Hellfire & Damnation" nämlich wirklich ein amtliches, starkes Metal-Album zaubern.

So aber bleibt für jeden kompositorisch starken Song der Marke "Black Sun - Black Mass" auch ein Ausfall wie "Devilhead" oder "The Plague And The Fire" zu verzeichnen, und unterm Strich ein zwar gutklassiges und für Fans sicher unterhaltsames Stück VIRGIN STEELE-Geschichte, das der notwendige und lange erhoffte Befreiungsschlag der Band aber leider wieder nicht ist. "Nocturnes Of Hellfire & Damnation" ist zwar sicherlich das deutlich bessere Album im Vergleich zum direkten Vorgänger, für einen richtigen Kracher fehlt aber einfach eine solide Produktion und etwas mehr Fokus auf die essentiellen Elemente der einzelnen Songs.

Und auch wenn man die erste Liebe oft auch rückwirkend durch eine rosarote Brile sieht, so muss man sagen, dass hier letztlich leider nur eine nach besserer Demoaufnahme klingende Ansammlung von guten Ideen bleibt, in denen man leider vor allem viel vergebenes Potenzial ausmachen kann, die aber letztlich unausgereizt versickern und das Album aus der Durchschnittlichkeit nicht herauszuheben vermögen.

Es wäre dennoch schön zu sehen, was VIRGIN STEELE auch dieser Tage noch leisten könnten, wenn nur das Material in fokussiertere Form gegossen werden könnte.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Dragonslayer (23.06.2015)

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