Death Angel - A Thrashumentary

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VÖ: 17.07.2015
Bandinfo: DEATH ANGEL
Genre: (nicht klassifizierbar)
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Nach mehr als 30 Jahren im Business nahm sich Regisseur Tommy Jones der History dieser Oberliga-Thrash-Band an. Neben den Big 4 zählen DEATH ANGEL mit TESTAMENT, OVERKILL, FLOTSAM & JETSAM und EXODUS zu den Top-10-Thrash-Metal-Bands aller Zeiten (die Teutonen-Thrasher und SEPULTURA natürlich unberücksichtigt). Ursprünglich 2010 nur für einen Videoclip angeheuert, reifte bald die Idee, die Geschichte der Thrash-Veteranen zu verewigen. Die grob in zwei Teilen angelegte Dokumentation beginnt mit einem tiefen Graben in alten Erinnerungen, welche bis hin zu den Anfängen der fünf blutjungen Philippino-(Groß-)Cousins, welche im Zuge der prosperierenden Bay-Area-Szene die Thrash-Welt mitgestalten sollten, reichen. In Interviews mit Fronter Mark Osegueda und Gitarrero Rob Cavestany (den einzig verbliebenen Urmitgliedern) werden alte Anekdoten aus den Bay-Area-Anfängen erzählt, vom ersten Konzert mit dem erst später in die Band integrierten Mark Osegueda gemeinsam mit MEGADETH im San-Francisco-Club "The Stone" über den ersten Gig an der US-Ostküste mit SLAYER und OVERKILL, wo die Band aufgrund des von Kirk Hammett produzierten Demos bereits auf eine ansehnliche Fanbase bauen durfte. Vom grandiosen Debütalbum an werden die Erfolge und das Scheitern der Thrasher für das Filmdokument nachvollzogen. Die erste, dank des ursprünglich nur als Joke gedachten Songs "Bored", erzielte Aufmerksamkeit außerhalb der Thrash-Szene markiert dabei ebenso einen Meilenstein wie die mit "Act III" (auch dank "Seemingly Endless Time" und "Room With A View") gefeierten Erfolge oder der Geffen-Major-Deal.

Doch auch die Schicksalsschläge werden nicht ausgespart. Der tragische Busunfall auf dem Weg zu einem Gig in Las Vegas 1990 (in Folge dessen Drummer Andy Galeon schwer verletzt wurde) sowie das spätere Auseinanderbrechen der Band, die darauf folgende Zeit des Backens kleinerer Brötchen als THE ORGANIZATION usw. zeigen auch die dunklen Seiten der Bandgeschichte. Man darf die Höhen und Tiefen der Band hautnah und aus erster Hand erzählt miterleben. Die Interviewsequenzen werden aufgelockert durch rare Fotos und Livesequenzen (auch aus den tiefen Achtzigern), die Lust auf mehr machen, aber leider sehr kurz gehalten sind. Gastkommentare zu DEATH ANGEL steuern Szenegrößen wie Chuck Billy, Gary Holt, Andreas Kisser, Scott Ian, Jeff Walker oder Michael Amott bei. Mit der Reunion auf der "Thrash Of The Titans"-Show zugunsten des krebskranken Chuck Billy und dem Einstieg von Ted Aguilar (statt Gus Pepa) wird die Thrashumentary dann fortgesetzt, man lässt weitere wichtige Eckpunkte der Bandgeschichte Revue passieren (etwa das "The Art Of Dying"-Comebackalbum bei Nuclear Blast sowie "Killing Season"). Eine weitere Zäsur erfolgte schließlich 2008 mit dem Ausstieg der Rhythmussektion Andy Galeon und Dennis Pepa, denen wohl die Belastung Touring/Familie etc. zuviel wurde und dem Einstieg der aktuell immer noch druckvoll agierenden Rhythmussektion.

War der erste Teil für alle Thrash-Interessierten von historischer Bedeutung, so wird die Doku ab ca. 70 Minuten Laufzeit zunehmend für wahre Fans interessant. Interviews mit allen fünf Bandmitgliedern und Produzent Jason Suecof, viel Studiofilmerei, Behind-The-Scenes-Footage, Gastkommentare, Spaß und Gelaber sind eher nur für DA-Die-Hards interessant. Der Bogen spannt sich dabei vom "Relentless Retribution"-Album bis hin zu den Studioaufnahmen zu "The Dream Calls For Blood" und hält ebenfalls massig Snippets von (Festival-)Liveauftritten bereit. Alles in allem ist dieses Package eine runde, interessante, amüsante und kurzweilige Angelegenheit, Teil eins hält Historie für alle Thrash-Lunatics bereit, Teil zwei fokussiert sich eher auf die Fans, denen ein tieferer Einblick hinter die Kulissen ihrer Helden gegeben wird. Die zahlreichen Live-Footage-Schnipsel machen regelmäßig Hunger auf mehr, der jedoch leider nicht befriedigt wird, wenngleich es mit "Thrown To The Wolves" (und dem Extra "Mistress Of Pain") endlich auch einen in voller Länge gespielten Liveclip zu sehen gibt. Doch für weitere (wenn auch nur teilweise) Abhilfe ist gesorgt. "A Thrashumentary" stellt nämlich nur den Hauptteil der neuen Veröffentlichung dieser großartigen Band dar. Gemeinsam mit dem als Bonus dazugepackten Livealbum "The Bay Calls For Blood - Live In San Francisco" (zum Review) stellt das Paket eine hochwertige Anschaffung dar, wenngleich der Hunger nach mehr und vollständigen Liveaufnahmen von neueren und alten Thrash-Classics mit einem Live-Doppeldecker noch besser gestillt hätte werden können!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (10.07.2015)

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