CATHEDRAL - In Memoriam

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VÖ: 17.07.2015
Bandinfo: CATHEDRAL
Genre: Doom Metal
Label: Rise Above Records
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Lineup  |  Trackliste

Der letzte Studiodreher "The Last Spire" markierte nach der Farewell-Show und einem Livedreher den (vorläufigen?) Schlussstrich unter die knapp ein Vierteljahrhundert dauernde Karriere CATHEDRALs, während der Lee Dorrian und seine Jünger die Geschichte des Doom maßgeblich mit- und umgeschrieben haben und (obwohl selbst als Epigonen gestartet) schlussendlich zahlreiche nachfolgende Bands beeinflusst hatten. Begonnen hatte die Ära der UK-Doomster jedoch mit vorliegender Veröffentlichung. Düstergott Lee Dorian war zwar gerade erst raus aus NAPALM DEATH, er konnte jedoch nicht lange still halten. So scharte er alsbald eine Band um sich (allen voran Gaz Jennings, der vormals bei den Thrashern ACID REIGN klampfte) und doomte an zwei Tagen im Oktober 1990 (gleichsam als Antithese zu den Grinder-Metzlern) das langsame "In Memorium"-Demotape ein, welches nunmehr über das Dorian-hauseigene Label neu auf den Markt kommt. Obwohl vom Earache-Deal damals noch ein Stückchen entfernt, ergoss sich bereits mit dieser Demo die schwarz schimmernde Lava grollend aus den Boxen. Auf den vier schleppenden Songs kroch die Ultra-Grabesstimme von Lee Dorian aus der tiefsten Gruft empor, der mit dem typischen Inselmief getünchte Slo-Mo-Underground-Stuff (man erinnere sich vom Feeling her an die ungefähr zeitgleich agierenden PARADISE LOST oder MY DYING BRIDE, welche allerdings eher dem Gothic/Death zugerechnet werden müssen) zog seine Bahnen in den einschlägigen Doom-Kultistenkreisen jener Tage.

Besonders beeindruckend die Frühversion des Ultra-Doomers "Ebony Tears", bei dem sich aus jedem Ton tiefste Trauer und abgrundtiefe Verzweiflung quetscht. Auch mehr als 20 Jahre später dreht sich die Welt beim Hören dieses Zeitdokuments gefühlte drei Mal langsamer, denn außer der kurzen Up-Tempo-Passage in "Mourning Of A New Day" ging man äußerst zäh und schleppend zu Werke. Ansonsten huldigte der Nachwuchs, der damals noch nicht seine eigene, später unverkennbare Identität gefunden hatte, den bekannten Großmeistern (SAINT VITUS, TROUBLE & Co.) des Genres. Folgerichtig befand sich mit "All Your Sins" auch ein Cover der Meister PENTAGRAM auf dem Demo, das vor allem auch aufgrund der Stimme von Dorian eine eigene Note bekam. "March" beschloss dieses erste Lebenszeichen der neuen Band mit dem titelgebenden, marschartigen Getrommel, wummerndem Bass und schweren Riffwalzen. Seinerzeit grammatikalisch falsch betitelt, wurde diesem ReRelease nun das richtige "In Memoriam" sowie ein gepimptes Booklet verpasst. Fünf Livetracks (darunter auch die damals neuen "Comiserating The Celebration" und "Neophytes Of The Serpent Eve", bei drei verschiedenen Gigs mitgeschnitten und mit erstaunlich gutem und voluminösem Sound versehen) stocken das Vier-Track-Demo zu einem Longplayer auf, zur CD wird noch eine DVD (mit Videoaufnahmen aus dem holländischen Groningen von 1991) draufgepackt, die zur Rezension allerdings nicht vorlag.

Da ich das Glück hatte, die Edel-Doomster auf der legendären "Gods Of Grind"-Tour im März 1992 (mit ENTOMBED und CARCASS) live sehen zu können, bereitet mir das Hören und Rezensieren dieses Albums einen sehr authentischen und erinnerungswürdigen Backflash, da mich in der damals grassierenden Death-Metal-Hochphase der Doom des damals auf MTV's Headbangers Ball immer wieder zum TV-Einsatz gekommenen "Ebony Tears" wegwuchtete und auch das rumpelig-rockige "Soul Sacrifice" umgehend zündete. Das nächste Demo besiegelte mit dem darauf folgenden Albumdeal das Schicksal der Band, die über viele Jahre ihre Kreise ziehen sollte und zudem das eng gesteckte Genre mit Psychedelic/Seventies-Sounds teilweise auch ein wenig aufweichen/öffnen sollte. Der Rest ist Geschichte, die bekannt sein sollte. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Sargdeckel nicht endgültig geschlossen hat und dass ihn CATHEDRAL eines glorreichen Tages wieder öffnen werden. Und zwar langsam, gaaanz langsam!



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (09.07.2015)

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