Tau Cross - Tau Cross

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VÖ: 00.05.2015
Bandinfo: TAU CROSS
Genre: Crust Punk
Label: Relapse Records
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Lineup  |  Trackliste

Mit sogenannten "All-Star"-Bands ist es so eine Sache. Häufig kommen am Ende solcher Zusammenkünfte mehr oder weniger unausgegorene Alben raus, über die hinterher kein Mensch mehr spricht.

Anders in diesem Fall.

Bei TAU CROSS handelt es sich um eine Art AMEBIX Ableger, da die Crust-Veteranen nach dem 2011er Über-Album "Sonic Mass" leider das Handtuch werfen mussten. So kam es, dass sich Rob "The Baron" Miller, Sänger und Bassist von AMEBIX, mit niemand geringerem als Michael "Away" Langevin von den kanadischen kult Thrashern VOIVOD zusammen schloss. Komplettiert wurde das Line-Up schließlich von Andy Lefton und Jon Misery. Natürlich hört man dem Debut-Album "Tau Cross" zu jeder Sekunde an, wer das musikalische Sagen hat, dennoch kann vor allem Michael "Away" Langevin mit seinem großartigen Spiel wichtige Akzente setzen.

Die grundsätzliche Stoßrichtung vom 2011er AMEBIX Abschiedsalbum "Sonic Mass" ist geblieben. Crustig-punkige Stücke wechseln sich ab mit Thrash-lastigen Granaten, Post-Punk Elementen und keltischen Folk Elementen. Allerdings wurden die Elemente hier deutlicher heraus gearbeitet und konsequenter verfolgt. War Roy Mayorgas Spiel eher zurückhaltend, lotet Michael Langevin alle Extreme aus, die die Songs spieltechnisch hergeben, ohne sich jedoch in der Vordergrund zu Spielen. So kommen neben Military-Drums wie in der grandiosen Halb-Ballade "We Control The Fear", übrigens mich echten Geigen unterlegt, auch Doublebass Gewitter zum Zuge.

Eröffnet wird das Album vom hymnisch-knackigen Brecher "Lazarus", der stellenweise seine Verwandtschaft zum AMEBIX Stück "Arise" nicht verleugnen kann, vor allem, wenn man es mit der Neueinspielung vergleicht. Ähnlich geht es mit "Fire In The Sky" weiter. Dezenter Doublebass Einsatz gekoppelt mit KILLING JOKE Gitarren. Eine echte Thrash-Metal-Nummer folgt mit "Stonecracker". Hier gibt es richtig auf die Zwölf, Michael lässt es richtig krachen und fährt neben ordentlich Doublebass auch fette Uffta-Old-school-Thrash-Beats auf, während "The Baron" Gift und Galle spuckt. Die episch angelegte Post-Punk Nummer "Midsummer" hätte so auch auf "Sonic Mass" stehen können.

Ein Höhepunkt des Albums ist die unfassbar große Nummer "Hangman´s Hyll". Rebellischer Post-Punk mit eindringlichen Vocals und Text, der durch Mark und Bein geht. Vor allem stimmlich eine der besten Leistungen vom "Baron" überhaupt. Passend dazu der Übergang zur tieftraurigen, bereits oben erwähnten Halb-Ballade "We Control The Fear". Gänsehaut pur! "You People" ist ein typischer AMEBIX-Stampfer mit elektronischen Spielereien, während das flotte "Prison" mit seinen Gangshouts und hymnenhaften Chrorus an diverse Punk-Klassiker erinnert und wie ein Schlachtruf wirkt. "Sons Of The Soul" klingt durch seinen prägnanten Basslauf wie die Eröffnungsnummer von "Sonic Mass", "Days". "The Lie" und "Our Day" bieten wieder hymnenhaften, leicht angethrashten Metal. Diesen Spagat zwischen Post-Punk und Thrash muss man gehört haben. Beendet wird das Album von der Ballade "The Devil Knows His Own". Wieder wunderschön vorgetragen vom "Baron". Dieser Stimme muss man einfach zu hören.

"Tau Cross" ist für mich persönlich so etwas wie das bessere "Sonic Mass", was vor allem an der konsequenteren Auslotung der verschiedenen stilistischen Elemente liegt, die vom bekannten Post-/Crust-Punk über Thrash bis hin zu den folkloristischen Elementen reicht. Allerdings hat "Sonic Mass" mit "Knights Of The Black Sun" DEN Hit, gegen den auch TAU CROSS mit all ihren großen Melodien und Hymnenhaftigkeit nicht ankommen. Somit ein knapper Ausgleich.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Alex M. (28.06.2015)

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