Cattle Decapitation - The Anthropocene Extinction

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VÖ: 07.08.2015
Bandinfo: CATTLE DECAPITATION
Genre: Grind Core
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Die Entwicklung des San-Diego-Grind-Kollektivs CATTLE DECAPITATION ist tatsächlich unglaublich. Während andere Bands ihr kreatives Feuer nur allzu schnell verschießen, scheinen die Kalifornier – ähnlich gutem Wein – von Jahr zu Jahr besser und ausgeklügelter vorzugehen. Das schlägt sich nicht nur in den Texten nieder (vom humorigen Veganertum hin zu exakten Beobachtern weltpolitischer Schieflagen), sondern auch in der Musik. Wurde früher noch auf Teufel komm raus durch die Gehörgänge gerumpelt, markierte vor allem der 2012er Output „Monolith Of Inhumanity“ eine markante Wandlung im Bandkosmos. Plötzlich war Platz für Melodien, plötzlich versuchte man sich am Black Metal, plötzlich wurden die Fans von Travis Ryans erweiterter Stimmvariabilität beglückt.

Kein radikaler Stilbruch, aber eine immense Weiterentwicklung, die sich auch durch den mittlerweile siebenten Studiorundling „The Anthropocene Extinction“ zieht. Bereits der vorab veröffentlichte Opener „Manfactured Extinct“ wusste mit seiner epischen Ausrichtung und den markant-nasalen Clean(?)-Vocals von Ryan zu überzeugen. Diese Note hat sich mittlerweile endgültig zu einer Band-Trademark entwickelt und wird auch in anderen Songs wie dem nackenzerberstenden „Circo Inhumanitas“ eingesetzt. Auch wenn Songs wie „Mammals in Babylon“ oder „Mutual Assured Destruction“ nur allzu gerne kompromisslos durch die Botanik schlachten, finden CATTLE DECAPITATION anno 2015 immer den nötigen Break, um aus dem Gemetzel einen richtig wuchtigen Song zu formen.

Thematisch heben sich die Knüppel-Vegetarier einmal mehr vom typischen Genre-Einerlei ab und betrachtet die Welt nach einer ökologischen Katastrophe, wobei sich Ryan größtenteils auf den Pazifik konzentriert. „Das Anthropozän ist das Zeitalter der Menschheit und das Album dreht sich darum wie wir es schaffen, diese Ära zu beenden. Unsere Spuren in den Weltmeeren belaufen sich auf Müll und Plastik jeglicher Form, was nicht ohne Auswirkungen bleibt, denn der Zusammenbruch eines Ökosystems erweist sich als Dominoeffekt, der uns eines Tages zum Verhängnis wird“, so Ryan. Da passt das – einmal mehr – grandios-verstörende Cover-Artwork mit menschlichen Leichen, aus deren Torsos Plastikmüll quillt, wie die Faust aufs Auge. „Damit beziehen wir uns auf die Albatrosse, die jahrelang auf Midway angespült wurden. Sie halten Plastik für Krill, fressen es und stürzen tot ins Wasser. Wenn sie verwesen, bleibt nur der Kunststoff zurück.“

Den Bildungsauftrag erfüllen CATTLE DECAPITATION aber nicht nur textlich, denn das gut 45-minütige Werk kann getrost als bisheriges Karriere-Highlight bezeichnet werden, da sich nicht ein erkennbarer Filler auf dem wütenden Hassbrocken verirrt hat. Neben Ryans unmenschlicher Vocal-Range (hört auch einfach die Vielseitigkeit auf „Apex Blasphemy“ an), ist auch die Instrumentenfraktion über alle Zweifel erhaben und knüppelknarzt sich unwiderstehlich brachial (die Drums!!) durch die unter die Haut gehenden Katastrophen-Kapitel.

Vergleiche mit DECAPITATED, älteren JOB FOR A COWBOY oder auch GOJIRA müssen CATTLE DECAPITATION Stand halten, auch wenn ihre Auffassung von Death-Grind so innovativ und durchdacht ist, wie derzeit nichts anders. Dass man mit PANTERA-Brüllwürfel Phil Anselmo („The Prophets Of Loss“) und BETHLEHEM-Legende Jürgen Bartsch (spricht auf dem grandiosen Closer „Pacific Grim“ deutsch) zwei absolut kultige Gäste im Boot hat, soll hier nur abschließend erwähnt werden – das Name-Dropping haben die Westküsten-Kracher nämlich zu keiner Sekunde nötig. Drum merket Kinder: Gore, not Core!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (31.07.2015)

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