FUCK THE FACTS - Desire Will Rot

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VÖ: 21.08.2015
Bandinfo: FUCK THE FACTS
Genre: Sludge Metal
Label: Noise Salvation
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Lineup  |  Trackliste

Es ist schon beeindruckend, mit welcher Vehemenz und Nachhaltigkeit das kanadische Abrisskommando FUCK THE FACTS seit Jahren ans Werk geht. In bester DIY- und Underground-Attitüde holzen die Ahornblätter rund um die zuckersüß aussehende, aber alles andere als zuckersüß klingende Sängerin Mel Mongeon Jahr für Jahr ihre EPs ein, fördern die Grind-Underground mit Splits mit LENG TCH’E, FISTFUCK, S.M.E.S. oder CAKEWET, haben dabei auch noch genug Zeit für knackige Full-Length-Alben und – um diese Schnellzusammenfassung würzig zu beenden – sind sogar desinteressiert an den gängigen Normen des Musikgeschäfts, dass man für das brandneue Album „Desire Will Rot“ die etablierte Rüpel-Schmiede Relapse Records verlassen hat, um mit dem eigenen Label Noise Salvation endgültig völlig autark ans Werk gehen zu können.

Wer nach diesem tatsächlich furchtbaren Schachtelsatz noch Lust hat weiterzulesen, dem sei nun alles Weitere erklärt: Es ist im Prinzip nur eine logische Rückbesinnung auf die ganz frühen Tage der Band, wo die anarchisch-selbstständige Grundhaltung der Band einen wesentlich Teil des frühen Erfolges ausmachte. Vier lange Jahre Wartezeit zwischen zwei ganzen Alben sind tatsächlich nicht so wenig, aber die Pläne waren ohnehin andere. Die Kanadier wollten das Album schon vor zwei Jahren veröffentlichen, zeigten sich aber nicht vollends zufrieden und haben die EP „Amer“ vorgeschossen, die im Prinzip die B-Sides dieses Albums enthält. Dass Kenner der Band „Desire Will Rot“ klanglich also eher mit eben genannter EP und nicht mit der später erschienenen „Abandoned“-EP gleichsetzen können, ist nur recht und logisch. Das bedeutet im weiteren Verlauf, dass die Musik hier eher dem 2008er Spitzenwerk „Disgorge Mexico“ ähnelt, als dem nicht minder schlechten, aber musikalisch doch anders verorteten, direkten Vorgänger „Die Miserable“.

Das bedeutet, dass sich das Quebec-Quintett einmal mehr mit beneidenswerter Passion kopfüber in ein brachiales Grind-/Math-Gebräu stürzt und, dort gelandet, voller Freude zum hemmungslosen Mosh in der Brühe lädt. Interessanterweise haben Moregon und Co. das Album dieses Mal in zwei klangliche Kapitel eingeteilt. Die ersten zwei Drittel des Albums holzen gewohnt punkig und hardcoreig durchs Gebälk, überzeugen mal vollends („Everywhere Yet Nowhere“), mal sehr gut („La Mort I“ und „La Mort II“) und mal sensationell („Storm Of Silence“), im hinteren Teil lässt Bandboss und Gitarrist Topon Das plötzlich alle Schranken fallen und experimentiert sich mit seiner Band in Trance. „False Of Hope“ startet erwartungsgemäß als Prügelorgie, verwandelt sich dann aber in ein atmosphärisches Slow-Tempo-Stück, wo einem Mongeons leidende Vocals die Gehörgänge zerberstet.

Das fast achtminütige „Circle“ könnte direkt einem B-Horror-Movie entlehnt sein und erinnert mit seiner unheilvollen Atmosphäre und der maschinell-industriellen Darbietung an die Vertonung eines verstörenden Albtraums. So mancher wird „lästiges Füllmaterial“ schimpfen, lässt man sich das gute Stück aber im Gesamtkontext via Kopfhörer durchs Hirn zieht, macht die ganze Chose durchaus Sinn. Abgeschlossen wird der wilde Hybrid aus Sludge, Death Metal, Hardcore, Punk, Grind und Mathcore schlussendlich mit dem destruktiv betitelten „Nothing Changes“, das sich düster kriechend und mit nebulös-memorablen Gitarren-Licks federnd in Szene setzt. FUCK THE FACTS liefern auf „Desire Will Rot“ einmal mehr nichts anderes als den vertonten Wahnsinn, der sich weder vor Stilgrenzen fürchtet, noch auch nur ein „Fuck“ auf andere Meinungen gibt. Wer sich bei seinem Grind nicht vor Cello, Pianos und Liebe zur Dissonanz fürchtet, der greife bitte zu. Gerne auch auf die obertrve Kassetten-Variante, die auf 100 limitierte Stück begrenzt ist.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (13.08.2015)

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