Amandas Nadel - Sticht

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VÖ: 12.06.2015
Bandinfo: Amandas Nadel
Genre: NDH (Neue Deutsche Härte)
Label: Echozone
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Lineup  |  Trackliste

Für den Auftakt der Sektionen im Monat August wurde wieder einmal österreichisches Liedgut gewählt. AMANDAS NADEL "Sticht" muss sich auf dem Plattenteller beweisen, und sorgt gleich einmal für Wortspielalarm. Etwas platt vielleicht, aber zumindest naheliegend. Hinter AMANDAS NADEL verbirgt sich der gleichnamige Mastermind der Band, der sich als Studiomusiker bereits einen Namen gemacht hat und als Livemusiker schon die Bühne mit Szenegrößen aus dem Gothic-Bereich teilte. Und selbiger hat nun mit "Sticht" sein eigenes Baby aus der Taufe gehoben, bei dem er nicht nur einige Instrumente bedient, sondern überdies auch noch seine Stimme erklingen lässt.

Und genau hier ist auch gleich der Knackpunkt des Albums: Amandas klingt über weite Strecken des Albums stilistisch komplett überzeichnet. Der Versuch möglichst klingend und prägnant zu singen endet in einer Art Gebell, die irgendwie an HERBERT GRÖNEMEYER erinnert, der gerade auf dem Gothic-Rock-Trip ist. Wer auf diese Art von Stimme abfährt bekommt mit "Sticht" ein gutes Album zu hören - wem sich aber schon bei oben genanntem Vergleich die Fußnägel aufrollen, der muss bei der Konsumierung von AMANDAS NADEL schon zum musikalischen Masochismus neigen.

Musikalisch kann man dem Album dafür kein wirklich schlechtes Zeugnis ausstellen, aber wirkliche Brecher sucht man vergebens. Zwar sind Titel wie der Opener "Grinsekatze" mit seinem Ohrwurmrefrain, oder "Die Wahrheit" mit toller Basslinie gut zu hören, aber im Verlauf der Spielzeit des Albums holpert es einfach an zu vielen Ecken und Enden. Seien das nun das ultrakitschige Dosenkeyboard bei "Vampir", der Versuch Tiefgründigkeit in die Texte zu bringen ("Wie Du Willst") oder auch nur die Tatsache, dass Musik und Gesang über weite Strecken komplett aneinander vorbei agieren. Vor allem den Versuch bewusste Dissonanz bei männlichen und weiblichen Vocals (ja, letztere gibt es auch ab und an zu hören) stimmungsvoll in Szene zu setzen hat beispielsweise die deutsche Elektropop/Gohic-Formation ILLUMINATE längst viel besser umgesetzt - auch lateinische (?) Beschwörungsformeln reißen es da nicht mehr raus.

"Männertränen" klingt wie ein Zusammenschnitt aus RAINHARD FENDRICHs "Männersache" und GRÖNEMEYERs "Männer", einmal durch den Fleischwolf gedreht und anschließend in kuschlige Gothic-Rock-Melodien gepackt. Ein ganz guter, nachdenklicher Song, der aber von vokalen Experimenten wie dem "bla bla bla" in "Hey Danke", bei dem sich männlicher und weiblicher Part nicht wirklich zusammenfinden, in den Hintergrund gedrängt wird. Hinten raus gibt es dann noch zwei elektrolastige Dance-Remixe, sowie einen schrägen Bonustrack namens "Fritz, die Maus".

Was man von dem Album halten soll erschließt sich einem nicht sofort. Zum einen ist schon die Stilbezeichnung NDH ("Dark Overdrive" - Neue Deutsche Härte, neu interpretiert, heißt es dazu im Promozettel) gründlich irreführend, sind doch die erwarteten pfeffrigen Gitarren eher dünn gesät - dafür gibt es viele Anleihen an alte Schlager-Heuler zu entdecken, die das Ganze dann eher in die Richtung Pop/Rock mit Gothic-Schlagseite schubsen. Im Verein mit gesanglicher Überzeichnung, versuchten Prog-Einschüben und etwas holprigen deutschen Texten ergibt sich so ein Album, dem man zwar die großen Ambitionen anhört, das es aber trotz sehr guter Produktion nicht wirklich schafft zum Hörer vorzudringen. Zu sehr verzetteln sich AMANDAS NADEL in teils nicht songrelevanten Details und bleiben trotzdem musikalisch eher unscheinbar.

AMANDAS NADEL "Sticht" leider nicht wirklich. Etwas stumpf ist sie und könnte noch ein wenig Schliff vertragen.



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (15.08.2015)

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