Lord of the Lost - Full Metal Whore

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VÖ: 31.07.2015
Bandinfo: LORD OF THE LOST
Genre: Gothic Metal
Label: Out of Line
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Lineup  |  Trackliste

Die Hamburger LORD OF THE LOST haben wieder mal eine Überraschung für uns parat. Schon interessant, welche Sprünge sie mit ihren Alben in den letzten Jahren gemacht haben. In ihren Anfängen eher nett mit Gothic unterwegs, gab es erste heftigere Anflüge mit Industrial-Kick in Songs à la „Sex On Legs“, dann wieder ruhigere Gothic-Sachen namens „Blood For Blood“ und Steigerungen wie „La Bomba“.
Der nächste 180-Grad-Schwenk wurde im März geliefert als sie „Swan Songs“ vorstellten. Mit den Streichern und orchestralen Klängen beschritten sie neue Pfade, die man ihnen bisher nicht zugetraut hätte.
Detto geschieht nun mit dem neuen Album „Full Metal Whore“. Wiederum ein Quantensprung in neue Sphären, diesmal namens Industrial, Metalcore und Dancefloor. Ihr denkt euch, „eine krasse, fast unmögliche Mischung“? Ja. Und Nein. Weil es geht. Und wie es geht, hört man auf allen neun Songs dieses Albums, vor allem jedoch beim Opener und den letzten vier.

„Make Love, Make War... Full Metal Whore!“ Mit diesem Schlachtruf bzw. Refrain geht einem der Titeltrack lange nicht aus Ohr und Kopf. Chris Harms und seine Männer lassen gleich mit der Nummer eins eine rasante Industrial-Nummer auf die Hörerschaft los, die es in sich hat. Mit diesem brutalen und soundtechnisch ausgefeilten Stück zeigen sie, dass sie inzwischen sehr hart und erwachsen geworden sind. Hier wird nicht Standard-Musik geliefert, sondern das knarrt und knirscht und kreischt, wie man es nur selten hört. Ein absolutes Hammer-Stück für alle, die es so richtig intensiv mögen - unbedingt reinhören.

„Love & Hate“ – düstere Texte wie gewohnt, wieder die harten Industrial-Einflüsse, die aus der ehemals schnuckeligen Gothic-Band eine wilde Gang macht. So gesehen denke ich mir, die Jungs wären genau richtig, einen Soundtrack für „Fifty Shades Of Grey“ zu machen – aber für eine Erwachsenen-Version ohne Studentinnen-Kram und mit umgekehrten Vorzeichen.

„Born In Slavery“ hat noch ein paar dezente Gothic-Passagen wie früher, aber der Elektro-Gothic-Anteil überwiegt. Ich will nicht sagen, dass sie ein wenig nach RAMMSTEIN klingen, weil ich mag Bands nicht vergleichen, sondern sehe lieber deren Eigenständigkeit. Aber es gibt eben bei diesem Stück Anlehnungen, die man hier und dort heraus hört.
Eigenständig ist auf jeden Fall die Kombination Engelsstimmchen, Screams und Gegröle. Das geht ja fast schon in Richtung Melodic Death Metal. Eine sehr interessante Mischung. Besonders die melodiös-harte Grundmelodie hat es mir angetan.

„Pretty Dead Dead Boy“ – was? Gibt's jetzt schon zweimal tot sein? Geiles Riff zu Beginn. Und nein, ich will nicht schon wieder mit Vergleichen anfangen, obwohl ich hier auch was höre. Da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Insgesamt ist diese Nummer etwas langsamer gehalten, mit starkem Bass und Schlagzeug, also kommt die düstere Stimmung besser an als wenn es fetzen würde.

Der fünfte Song ist die letzte „neue“ Nummer auf diesem Album. „We’re All Created Evil“ startet mit harten Riffs, einem Bass/Drums-Rhythmus, der Punch hat, und Gesang (?) der mit diversen technischen Spielereien verschönert wurde. Insofern ist es teilweise echt schwierig, das Gekreische noch als Gesang zu bezeichnen. Eine songschreibtechnisch interessante Kombination sind die immer wieder zum Refrain einsetzenden sanften Streicher und Keyboard-Takte, wo auch ganz ruhig gesungen wird. Und das nur, um heftiger in Text und Melodie weiter zu machen.

“Gespensterhure” ist die erste Bearbeitung des Titeltracks. Die Basis-Melodie bleibt, der Text wird in Deutsch gesungen und ist ein wenig adaptiert. Dies, eine Art Duett und mehrere bearbeitete musikalische Passagen machen einen neuen Song aus dem Original „Full Metal Whore“. Verantwortlich für den Mix aus NDH, etwas Gothic, Electro und Industrial sind die Mitstreiter von EDEN WEINT IM GRAB. Besonders cool die Sängerin, die Dame klingt für mich sehr stark nach NINA HAGEN und insofern ist sie ein Garant für echt schräge Musik.

Nach dem deutschen Teil folgen drei Remixes, Nummer eins von DOPE STARS INC., Nummer zwei von NOIZE CORP und Nummer drei ein Darkflower-Dancefloor-Remix.
Hier kann sich jeder das rauspicken, was ihm am besten gefällt. Für mich persönlich sind sowohl die Version von NOIZE CORP als auch der Dancefloor-Remix der absolute Hammer. Nicht dass ich auf diese Art von Musik stehe, aber beide Stücke haben was, das fährt absolut ab. Diese Songs laut im Auto aufgedreht ergeben einen Gasfuß par excellence. Also aufpassen, wenn ihr das Ding beim Fahren laufen habt. Ach ja, nicht zu vergessen: Fenster zu, wir wollen doch nicht, dass euch irgendjemand beim Grölen des Refrains hört.

Insgesamt: „Full Metal Whore“ ist ein Album, das die Läger spalten wird. Die einen werden es hassen, die anderen lieben. Ich glaube, dass es eine Menge Leute neu ansprechen wird. Vor allem die, für die es in der Musik nicht viele bzw. keine Grenzen gibt und die auch mit „Metal Meets Dancefloor“ was anfangen können. Insofern hoffe ich, die Jungs bleiben bei diesem Stil bzw. den krassen Mischungen, weil 08/15-Sound-Einheitsbrei wird eh viel zu oft geliefert.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (24.08.2015)

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