Nile - What Should Not Be Unearthed

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VÖ: 28.08.2015
Bandinfo: Nile
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Fans des gediegenen Geballers dürften bereits mehrere kalte Entzüge hinter sich gebracht haben, schließlich setzten NILE vor vier Jahren mit "At The Gate Of Sethu" ihr letztes Krawall-Manifest in die Musiklandschaft. Nur wenige Bands und Alben verhießen in jener langen Durststrecke Linderung für die fiebirg-albtraumhaften Visionen der Entzugsphase. Zeit, dass die Meister selbst für Abhilfe sorgen. Und wie das mächtige Trio hilft! Keine wohldosierten Painkiller kommen zum Einsatz, nein, NILE pumpen von Beginn an volles Programm. Schmerzlinderung war gestern, hier wird der mächtige Narkosehammer geschwungen. "Call To Destruction" ballert gleich eingangs alles nieder, was für eine fulminante Eröffnung! Und weiter geht der Reigen aus drückender Härte, die alles in die Knie zwingt und filigraner Technik, die aber nicht nur Musiker in Verzückung versetzt.

Der fast beiläufige, songdienliche Einsatz des musikalischen Könnens der Ägypten-Fanaten vermag auch auf "What Should Not Be Unearthed" zu begeistern. Karl Sanders und besonders Drum-Machine GEORGE KOLLIAS, der sich kürzlich auf seinem "Invictus"-Soloalbum abseits von NILE verwirklichte, bürgen für große, anspruchsvolle Tonkunst und drücken einem gleichzeitig die kompromisslose Dampframme mitten in die Visage. Und genau diese Dualität zieht sich auch durch das neue Album. Gequälte Gitarrensaiten ("Evil To Cast Out Evil") schaffen morbide Atmosphäre, feistes Geblaste sorgt für Druck nach vorne ("Rape Of The Black Earth"), dazwischen ein Intro (im starken "In The Name Of Amun"), ein orientalisches Interludium ("Ushabti Reanimator") oder ein MORBID ANGEL-Kriechteil (etwa das langsame "Age Of Famine"), fertig ist die neue, abgedrehte wie mächtige akustische Wundertüte! Seinen Abschluss findet das heurige Referenzwerk in Sachen technisch-brutaler Death Metal im mächtig daherstapfenden Rausschmeißer "To Walk Forth From Flames Unscathed".

Fertig ist die neue Hämmerorgie, eine huldigende Ode an alte Zeiten, antike Kulturen, dargebracht von einer erhaben und groß aufspielenden Band, die keine Wünsche offen lässt und ihr neues, immerhin achtes Werk voller wahnwitziger Abfahrten und hemmungslos klingender, gleichzeitig kontrollierter Aggression explodieren läßt. "Kompromisslos" ist ein in solchen Zusammenhang gern gebräuchliches Adjektiv. Eine wie die Faust aufs Auge passende Bezeichnung, welche einen Longplayer beschreibt, der wesentlich stringenter und somit auch besser als der Vorgänger ist und ein absolutes Highlight im technischen Death Metal des heurigen Jahres darstellt. Sanders darf sich einmal mehr in Sachen Musik und Lyrik verwirklichen, hat in seinen Mitmusikern geeignete und fähige Mitstreiter gefunden, seine Vision mit den Fans rund um den Erdball zu teilen, die nicht nur vor den Bühnen abschädeln dürfen, sondern sich gleichfalls vor den heimischen Boxen in die NILEsche musikalische Magie, tiefgehende Schwere und brachiale Wucht fallen lassen dürfen.





Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (21.08.2015)

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