SALTATIO MORTIS - Zirkus Zeitgeist (Limitierte Fanbox)

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VÖ: 14.08.2015
Bandinfo: SALTATIO MORTIS
Genre: Mittelalter Rock
Label: Universal Music Austria
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Lineup  |  Trackliste

Bereits Album Nummer zehn ist es, das SALTATIO MORTIS mit "Zirkus Zeitgeist" abliefern. Die Wege, die die Spielleute auf dem Vorgänger "Das Schwarze Einmaleins" begonnen haben zu beschreiten, werden nun auf "Zirkus Zeitgeist" konsequent weitergeführt. Vielleicht sogar ein wenig zu konsequent, beginnt man doch streckenweise, trotz stets gegebener Eingängigkeit, die Leichtigkeit zu vermissen, die SALTATIO MORTIS noch auf ihrem 2007er-Silberling "Aus der Asche" versprühten.

Ein gerüttelt Maß an Sozialkritik ist man von SALTATIO MORTIS inzwischen ja schon gewöhnt und der ultra-eingängige Opener "Wo sind die Clowns" mit seinem coolen Video macht auch Hoffnung auf ein gutes Album. Beim folgenden tatsächlich ziemlich witzigen und treffenden "Willkommen in der Weihnachtszeit" bedienen sich die Spielleute an dem Klassiker "In der Weihnachtsbäckerei" und auch "Nachts weinen die Soldaten" mit seinem kritischen Text kommt noch sehr gut.

Doch spätestens mit "Des Bänkers neue Kleider" beginnt das Album abzufallen. Es wimmelt von Songs, die schwer an simple Mitschunkelsongs der Marke BÖHSE ONKELZ denken lassen ("Wir sind Papst", "Trinklied" und Bonus "Gossenpoet"), und sogar ein Kirchenlied ("Maria durch ein Dornwald ging" bei "Maria") wird in SaMo-Manier verwurstet. Bei der an und für sich guten Halbballade "Augen zu" wird im Text auch noch die Anti-Nazi-Keule ausgepackt - das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Dafür entschädigt das recht heavy geratene "Todesengel", das mit einem gewissen SABATON-Vibe einher kommt. Vollkommen überflüssig dafür "Geradeaus", das wie eine lustige Kurzbiografie der Band klingen soll, aber im Verein mit der erneuten simplen ONKELZ-Melodie ("Lieber stehend sterben", anyone?!) auf seltsame Weise mehr arrogant als witzig rüberkommt. Einzig "Rattenfänger" mit seiner prägnanten mittelalterlichen Instrumentierung kommt ein wenig klassischer daher und erinnert an die Trademarks, die SALTATIO MORTIS zu ihrer Größe verholfen haben.

"Zirkus Zeitgeist" wird funktionieren, keine Frage. Es hat alles, was ein Erfolgsalbum braucht, Melodien, die sich ins Ohr fräsen und dort bleiben und auch der in letzter Zeit für den Erfolg anscheinend unabdingbare gesellschaftskritische Anstrich ist vorhanden. Und auch der Charteinstieg auf Platz eins gibt den Spielleuten recht - dennoch wird man häufig das Gefühl nicht los, dass man es mit einem Album zu tun hat, das am Reißbrett konstruiert wurde, um entgegen seinem kritischen Aspekt möglichst vielen Leuten zu gefallen und dabei möglichst wenigen wehzutun. Unterm Strich ist "Zirkus Zeitgeist" eine persönliche Enttäuschung und für den kritischen Fan womöglich sogar ein Grund der Gruppe den Rücken zu kehren. Wer sich nicht an Widersprüchlichkeiten stört und den Vibe von BÖHSE ONKELZ auf Dudelsack-Exkursion mag, der kann hier durchaus ein Album des Jahres sehen.

 

Nach dem Standard-Album nun zu den Bonusdiscs der limitierten Fan-Edition - hier gibt es eine komplette CD voll Coverversionen, in denen sich andere Bands an SALTATIO MORTIS-Songs austoben und diese in ihrem eigenen Stil interpretieren. Hier gibt es einige höchst hörenswerte Interpretationen, für die es sich tatsächlich lohnt sich die Fanbox zuzulegen und auch einige wirklich schräg-witzige Versionen kommen mit.

Besonders hervorzuheben die SUBWAY TO SALLY-Interpretation des Titels "IX", die äußerst gelungen ist. Hörenswert ebenfalls "Habgier und Tod" von OST+FRONT, die den Song mit einem tollen Duett sehr gekonnt in den Gothic-Bereich versetzen, ähnlich wie LORD OF THE LOST, die "Satans Fall" ebenfalls in ähnlichem Stil interpretieren. Extrem schräg die MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN-Version von "Prometheus", sowie die Interpretation von "Uns gehört die Welt" von BERLINSKIBEAT feat. CORVUS CORAX - wirklich klasse, auf was für Varianten man die Songs interpretieren kann! "My Bonny Mary" von FIDDLER'S GREEN fährt so richtig ins Tanzbein und BETONTOD's "Spiel mit dem Feuer" fährt ordentlich derb aus den Boxen. Lediglich die DORO-Variante von "Nichts bleibt mehr" bleibt ein wenig blass, da hätte es mehr Potenzial gehabt. Eine wirklich schräge, aber höchst hörenswerte Mischung, die da auf der Bonusdisc einher kommt!

Auf der Bonus-DVD sind weiters noch ein Making-Of des Albums enthalten, sowie eine Track-by-Track-Analyse der kompletten "Zirkus Zeitgeist". In dieser beschreiben die Spielleute das Album in ihren eigenen Worten, wodurch man so einige interessante Fakten serviert bekommt. Sehenswert auch die ebenfalls enthaltene Doku "15 Jahre Saltatio Mortis", die sowohl für den wirklich treuen Anhänger als auch für Neulinge interessant ist. Die wertigen Zugaben zu einem eher durchschnittlichen Scheibchen werten die Veröffentlichung ordentlich auf und sorgen unterm Strich für eine schlussendlich doch gute Bewertung.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (08.09.2015)

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