The 3rd Attempt - Born in Thorns

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VÖ: 25.09.2015
Bandinfo: The 3rd Attempt
Genre: Black Metal
Label: Dark Essence Records
Lineup  |  Trackliste

Das letzte CARPATHIAN FOREST-Album "Fuck You All!!! [blablabla]" hat nächstes Jahr zehn Lenze auf dem Buckel. Und, seien wir mal ganz ehrlich, das war auch schon nicht das Filetstück schlechthin. Seitdem hat die ehemals renommierte Band, immerhin Miterfinder eines Black'n'Roll-Trademark-Sounds, sich konstant heruntergewirtschaftet und machte zuletzt lediglich durch vereinzelte Liveshows auf sich aufmerksam. Die waren allerdings auch eher aufgrund der peinlichen Tollpatschigkeit Nattefrosts unterhaltsam, mit gutem Black Metal hatte das schon lange nichts mehr zu tun.

Da hätte ich als Musiker mit ernsthaften Ambitionen auch die Schnauze voll. Die beiden (jetzt ehemaligen) CF-Gitarristen Tchort und Blood Pervertor haben vermutlich aus genau diesen Gründen Konsequenzen gezogen und mit THE 3RD ATTEMPT vor etwa zwei Jahren eine neue Band gestartet, die durch den recht unbeleckten Sänger Ødemark und den von z.B. DEN SAAKALDTE mehr oder minder bekannten Drummer Tybalt komplettiert wird. Ein erster Blick auf das Coverartwork offenbart, was hier zu erwarten ist: Irgendwas zwischen dreistem Image-, Logo- und Optikklau und einem motivierten Neustart mit Debütalbumflair.

Tja, und genau das ist "Born in Thorns" dann auch. Die ersten drei Tracks der Platte sind alles in allem nichts anderes als ein unverhohlener Stil-Rip-Off der CARPATHIAN FOREST-Ära Ende der 90er/Anfang der 2000er. Bis hin zur von Endre Kirkesola (schau an! CARPATHIAN FOREST- und URGEHAL-Produzent!) zusammengedrehten Produktion sind "Torment Nation", "Dark Vision" und "Art Of Domination" (schau an! Sogar die S/M-Nummer wird wieder rausgekramt!) Songs in der Tradition von "Strange Old Brew", also ein kurzweiliges Gebräu irgendwo zwischen schmissigen Rockriffs, groovigem Black Metal und giftigem Gekeife. Und sogar welche, denen man die Spielfreude wirklich anhört.

Erst ab der Hälfte der Platte werden THE 3RD ATTEMPT mutiger und damit eigener - leider aber auch weniger überzeugend. Da wird mal ein böllerndes Death- oder Thrash-Riff dazwischengeschoben, die Arrangements werden ein Stück komplexer, die Strukturen offener, die Stimmung diverser. Ein gutes Beispiel ist sicherlich der Titeltrack, der mit seiner im Mid-Tempo verankerten rituellen Atmosphäre und einer ungeahnten stimmlichen Vielfalt überrascht. Auch die klassischeren Black-Metal-Tracks ("Beast Within" oder "Nekrogrammaton") sind in die hintere Hälfte der Platte verschoben. Ganz experimentell, aber durchaus auch als Reminiszenz an CARPATHIAN FOREST zu verstehen, endet die Scheibe dann mit dem elektronisch geprägten "Anti-Self".

Die Intention hinter "Born In Thorns", so verständlich sie ist, ist auch kritisch zu sehen. THE 3RD ATTEMPT bedienen sich einerseits funktionierender Elemente ihrer eigenen Vergangenheit und tun das so offensichtlich, dass man es nur als dreist interpretieren kann. Andererseits machen sie weder einen Hehl daraus, noch ihre Sache schlecht. Das Album ist alles in allem kurzweilig und für alle, die seit 2006 vergeblich darauf warten, mal wieder ordentlich von einem unter Substanzen stehenden Giftzwerg beschimpft zu werden, sicher das Reinhören wert. Objektiv qualitativ ist "Born In Thorns" aber nichts, was man zwingend gehört haben muss.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Florian Dammasch (18.09.2015)

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