Queensrÿche - Condition Hüman

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VÖ: 02.10.2015
Bandinfo: QUEENSRÿCHE
Genre: Progressive Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

War "Queensryche" (2013) noch geprägt von den Vibes der Frühwerke "Warning" und "Queen Of The Reich", so findet man sich auf "Condition Hüman" (ja, mit ü!) irgendwie in einer wohligen Zwischenwelt aus "Rage For Order" und "Empire" wieder, mit gelegentlichen Ausreißern mal vorwärts, mal rückwärts in der Bandhistory. Ob das nun alles Teil eines großen, göttlichen Plans ist oder rein zufällig so passiert, ist dabei eher zweitrangig. Fakt ist: QUEENSRYCHE anno 2015 sind wieder die Band, die Songs für die Ewigkeit aus dem Ärmel schüttelt, die Melodien für Millionen aus den Boxen bläst und bei der - nicht zuletzt dank Sänger Todd LaTorre und Gitarrenyoungster Parker Lundgren, die das Werkl sprichwörtlich durchölen - alles wieder wunderbar flutscht und gleitet.

Das Songwriter-Gespann Wilton/Jackson kann diesmal den ungemein kühnen Spagat vollziehen, "Condition Hüman" sowohl glaubhaft in der Vergangenheit zu verankern, als auch gleichzeitig visionär in die eigene, rosige Zukunft zu orakeln, dem Album ein fragiles Gleichgewicht aus Atmosphäre, Druck und Eleganz zu geben - als wären die Vergehen "Operation: Mindcrime 2" oder "Y2K" niemals passiert. Sofort einprägsame, dennoch zu keinem Zeitpunkt zu geradlinige Songdenkmäler werden flankiert von gediegenen, zurückgenommenen Halbballaden, ohne dass der rote Faden dabei verloren geht. Denn selbst wenn die Herren aus Seattle elegant bei sich selber klauen, so tun sie dies immer im Bewusstsein, die Fans verstünden es ohnehin. Und das tun sie, denke ich, auch.

Der finale Titeltrack beispielsweise klingt wie ein Hybrid aus "Anybody Listening" und "Suite Sister Mary". Die von akustischen Gitarren dominierte Halbballade "Just Us" hätte auch auf "Promised Land" stehen können. Und dann ist da das absolut gottgleiche Triumvirat aus "Guardian" (für mich einer der besten Songs seit "Rage For Order"-Zeiten; da ist die Zeile "Revolution Calling" dann wohl mehr augenzwinkernder Seitenhieb), dem hymnischen "Eye9" und dem Up-Tempo-Hookmonster "All There Was" - alleine diese drei Songs sind so endlos genial, dass man sofort drauf hängen bleibt - dreimal Refrain für die Ewigkeit und endlich wieder diese Leads und Breaks, an denen man QUEENSRYCHE immer so schön festmachen konnte und für welche man die Band immer geliebt hat. Endlich wieder etwas, auf das man sich freuen kann, wenn man sich die Stereo-Stöpsel ins Gehör hängt. 

Und so frisst es sich unaufhörlich durchs Trommelfell, beinahe das gesamte Album. Einzig das anfangs etwas sperrige "Hourglass" und der (für's US-Radio?) etwas zu glattgebügelte Kommerzausflug "Selfish Lives" brauchen ein wenig Vorlaufzeit, sind aber immer noch oberste Güteklasse, selbst im Langzeit-Vergleich mit dem eigenen Back-Katalog. Mit "Toxic Remedy", dem bereits live präsentierten "Arrow Of Time" und dem mysteriös daherdräuenden "Hellfire" stehen dann noch drei Songs am Start, die sich zwar erst relativ spät voll entfalten - dann aber ordentlich, mein lieber Scholli! Das Teil hört sich am Stück locker dreimal durch (ich komme jetzt schon nicht mehr los davon) und gleitet wie ein Zäpfchen ins Gehirn. QUEENSRYCHE sind wieder hungrig, sie haben immer noch das Feuer und überraschen mit diesem Zwölftracker wahrscheinlich sogar Hardcore-Fans, die die Burschen beim letzten Album vor zwei Jahren schon abgeschrieben hatten. Man sollte halt den Tag nicht vor dem Abend loben. Ach ja, wer war jetzt gleich nochmal dieser Herr Tate...?



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (28.09.2015)

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