My Dying Bride - Feel the Misery

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VÖ: 18.09.2015
Bandinfo: My Dying Bride
Genre: Doom Metal
Label: Peaceville Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ähnlich wie PARADISE LOST auf „The Plaque Within“ (zum Review) ziehen auch deren britische Landsleute von MY DYING BRIDE auf ihrem neuesten Output, dem insgesamt zwölften der Bandkarriere, deutlich härtere Seiten auf. Bandleader Aaron Stainthorpe hat schon seit Ewigkeiten nicht mehr derart aggressiv geklungen und so darf man sich auch nicht wundern, wenn der Frontmann zum 25-jährigen Bandjubiläum vollmundig verkündet, „Feel The Misery“ sei mit das Härteste und Dunkelste Werk der kompletten Bandgeschichte.

Ob diese Tatsache allein der Rückkehr von Gründungsmitglied Calvin Robertshaw, der bereits von '90 bis '99 die MY DYING BRIDE-Gitarre bediente, geschuldet ist sei dahingestellt aber man hört schon deutlich, dass Andrew Craighan, neben Stainthorpe einzig verbliebenes Ur-Member, es zu genießen scheint seinen alten Spezi wieder zur Seite zu haben. Eine weitere Rückbesinnung ist auch die wieder gewonnene Hingebung zum alten Lieblingsaufnahmeplatz der Truppe, das ehrwürdige Academy Studio in Dewsbury/West Yorkshire, wo gerade die Frühphase von MY DYING BRIDE samt dem auch heute noch bahnbrechenden Debütwerk „As the Flower Withers“ entstanden ist, wurde erneut auserkoren um das Grundgerüst für mehr als 60 Minuten von feinstem Death/Doom zu legen.

Dabei ist der Opener „And My Father Left Forever“  trotz seines todtraurigen Titels, ähnlich wie der „The Manuscript“-EP (zum Review) Beitrag „Var Gud Over“, angenehm kraftvoll, zeitweise gar Double-Bass unterstützt und nicht selten fernab von der 100%igen doomigen Behäbigkeit angesiedelt. Natürlich hat Aaron Stainthorpe seinen emotionalen Gesang auf „Feel the Misery“ nicht komplett ad acta gelegt, dennoch, derart abartig böse Growls wie zu Beginn von „To Shiver In Empty Halls“ hat man von MDB und Stainthorpe schon länger nicht mehr vernommen. Der mittlerweile (fast) glatzköpfige Brite kann aber nach wie vor Leiden wie eine Trauerweide und gerade wenn er – wie in „A Cold New Curse“ – auf sphärisch-beklemmenden Sprechgesang setzt, ist die Gänsehaut nicht mehr aufzuhalten. Darüber hinaus kullerte dem Autor bei „I Celebrate Your Skin“ eine dezente Peter Steele-Gedächtnisträne über die Wange, so nahe am TYPE O-Depressionslevel hat in der jüngeren Vergangenheit selten eine Band gekratzt.

Aber auch die obligatorische, selbstredend zu höchst depressive Liebeserklärung – „I Almost Loved You“ auf das Nötigste, nämlich Geige, Piano und Stimme reduziert – drückt Beklemmung pur aus und wird sodann vom abschließenden, in epische Regionen vordringenden „Within A Sleeping Forest“ abgelöst, das über mehr als zehn Minuten hinweg noch einmal den Death/Doom in all seiner Erhabenheit zelebriert.

All dies und das erneute kongeniale Verknüpfen von sphärischen, manchmal gar sperrigen Elementen, dieser Todesgeschmack, den Stainthorpe in seiner Stimme wieder entdeckte, und die gesteigerte Härte machen aus „Feel the Misery“ erneut einen über jegliche Zweifel erhabenen Pflichtstoff für alle (dieses Mal auch) Death- und Doomheads.

Majestic & Crushing Epic Death-Doom



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Reini (15.09.2015)

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