Grave Digger - Exhumation - The Early Years

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VÖ: 23.10.2015
Bandinfo: Grave Digger
Genre: Heavy Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste


Ähnlich wie kürzlich SINNER (zum „Touch Of Sin 2“-Review“) hat sich auch die deutsche Heavy Metal-Fregatte GRAVE DIGGER dazu hinreißen lassen, ihr Achtziger-Vermächtnis gebührend zu würdigen und alte, längst nicht mehr auf regulären Tonträgermarkt erhältliche Nummern von den alten, „Out-Of-Print“-Alben in aktueller Bandbesetzung neu einzuzimmern. Dass sich die Deutschen in Top-Verfassung befinden, davon zeugte das letzte Langholz „Return Of The Reaper”. Das aktuelle "Exhumation - The Early Years” schürft tief in den Achtzigern und fördert eine Auswahl von Bandklassikern und Mitbrüllern vom Debut 1984er "Heavy Metal Breakdown" (4 Titel), „Witch Hunter“ (1985, 3 Songs) und dem 1986er „War Games“ (4) zutage, die allesamt neu eingespielt wurden. Unter der Ägide des einzig übrigen Bandmitglieds aus jenen Zeiten, Kapitän Chris Boltendahl, erstrahlen geile Smasher wie „Shoot Her Down“ (von der gleichnamigen 84er EP), „Witch Hunter“ oder "Tyrant" in neuem, druckvollen Glanz. Von GD-Standards wie dem zackigen “Headbanging Man” oder der Hymne „Heavy Metal Breakdown“ nicht zu reden.

GRAVE DIGGER waren schon seinerzeit ein zugkräftiges Pferd im Noise Rec.-Stall und wurden mit anderen aufstrebenden Combos wie HELLOWEEN auf Tour geschickt. Kaum zu glauben, dass die Band dieser Tage ihr 35jähriges Gründungsjubiläum feiert! Nach der Frühphase zeichneten vor allem die Titel von „War Games“ soundmäßig den bald eingeschlagenen Weg der Band. „Fire In Your Eyes“, „(Enola Gay) Drop The Bomb“ oder „Paradise“ setzten mächtig auf Melodie und den Mitsingfaktor und stellten in puncto melodischer Geschmeidigkeit, Refrains, Riffs und Wortwahl kleine Blaupausen für viele Teutonen-Hardrock/Metal-Combos dar. Auch mit der endgültigen musikalischen Neuausrichtung samt Namensänderung in "DIGGER" hält die Band nicht hinterm Berg. „Stand Up And Rock“ vom 86er „Stronger Than Ever“-Album (dem einzigen unter dem DIGGER-Banner) zeugt vom finalen Versuch, die Band endgültig in eine Kommerzrichtung zu manövrieren. Neben der Namensverkürzung und Schriftzugänderung sprach auch die Covergestaltung eine eindeutige Sprache.

Mit einem spacig-verchromten Donald Duck-Verschnitt sagten sich die Nordrhein-Westfalen endgültig von den früheren, grottigen Metal-Covers ab, traten dabei aber gleich ins Fettnäpfchen und legten eine Bauchlandung hin. Der Rest ist Geschichte, es folgte die Bandauflösung wegen Erfolglosigkeit. Dass Meister Boltendahl die Fregatte später wieder schnittig auf Kurs bringen konnte, zählt wiederum zu den Erfolgsgeschichten des Metal. Diese Quasi-Best-Of-Frühwerke-Compilation sollte jedenfalls dazu anregen, entweder die alten Scheiben wieder mal rauszukramen oder die Achtziger-Phase der Reaper-Fans zu entdecken. Puristen und Altfans werden sich ohnehin an den Neueinspielungen stoßen und den verhallt-rumpeligen Charme der Originalalben vermissen, alle anderen dürfen sich dem Spaß der zeitgemäßen Neuinterpretationen von 80er-Teutonen-Metal-Perlen hingeben.

Die den limitierten Digipaks beigefügten Bonustracks („My Private Morning Hell“ & „Yound And Dangerous") sind die ersten neuen Aufnahmen seit dem letzten Album und künden vom neuen Studiodreher, lagen aber leider nicht zur Besprechung vor!



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (19.10.2015)

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