ARENA - The Unquiet Sky

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VÖ: 27.04.2015
Bandinfo: ARENA
Genre: Progressive Rock
Label: Plastic Head Music
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Lineup  |  Trackliste

Schenkt man den allgemeinen Kritiken Glauben (und bildet sich selber natürlich eine vergleichende Meinung), dann war "Seventh Degree Of Separation" (2011) nicht gerade das Über-Album im ARENA-Katalog. Chefdenker Clive Nolan hat sich die Kritik anscheinend zu Herzen genommen und auf "The Unquiet Sky" nicht den Fehler gemacht, sich nochmals auf Kompromisse einzulassen. Sattdessen ist die britische Prog-Truppe ein Stückchen zurück gerudert, denn das neue Material lehnt sich eher an das großartige "Peppers Ghost" und an "Contagion" an. Für Sänger Paul Manzi ist es das zweite Album, und auch er kann diesmal endlich seine Zuckerseiten präsentieren, was auf dem durchwachsenen Vorgänger ja noch relativ schwierig war - die Performance hier lässt ihn endgültig als den rechtmäßigen und alleinigen Inhaber des goldenen ARENA-Mikros auf den Thron steigen.

Warum dem so ist, macht etwa das sanft-dunkle "How Did It Come To This?" deutlich, denn hier wirkt zwar alles ein wenig zurückgenommen, gerade dadurch aber unheimlich intensiv. Durch die vielen eingestreuten orchestralen Arrangements lässt sich auch nicht abstreiten, dass hier Teile von Nolan's Sideproject SHADOWLAND und seiner Musical-Arbeit mit eingeflossen sind. Das verleiht Tracks wie dem bombastischen Opener "The Demon Strikes" oder dem großartigen "Traveller Beware" schon beinahe ein episches Soundtrack-Feeling. Und hier lag auch immer schon die Stärke von ARENA, egal in welcher Besetzung: mit relativ simplen Mitteln und eingängigen, markanten Melodien Geschichten zu erzählen. Auch wenn "The Unquiet Sky" kein reines Konzeptalbum ist, so zieht sich doch eine bedrohliche, düstere Grundstimmung durch die zwölf Songs, und manche Themen kehren in abgeänderten Variationen wieder.

Bass-Neuzugang Kylan Amos debütiert souverän, auch wenn er ein eher unbeschriebenes Blatt ist und bislang als Session-Musiker seine Brötchen verdient hat - er rundet das insgesamt achte ARENA-Line-Up (auf dem achten Album!) perfekt ab, und hat auch noch gleich das gesamte Artwork übernommen. Es mag wenige Bands geben, in denen die Mitglieder nebenbei noch umtriebiger mit irgendwelchen Bands und Projekten sind wie bei ARENA, aber in dieser Zusammensetzung finden alle fünf zu ihrer wahren Stärke. Das zeigen vor allem die etwas kantigeren Songs: das großartige, relativ harte "The Bishop Of Lufford" steuert harschen Schrittes auf einen dramatischen Klimax zu, der absolut zugängliche Titelsong zeigt seine kleinen feinen Facetten erst nach mehrmaligem Ohrengeschmeichel, der Midtempo-Klopfer "Time Runs Out" vereint zusammen mit "Returning The Curse" das, was für die Briten essenziell ist - wohl dosierter Bombast-Prog, der zu Gehirnreisen einlädt.

Die Protagonisten bedienen sich dabei aber gerne in ihrer eigenen Mottenkiste, und so mag so manche Passage in ihrer moog'schen Wehmut antiquiert klingen, und es scheint so manch schmachtendes  Solo aus einer fernen Zeit stammen. Solange ARENA aber - wie hier - kreuzgut wissen, dass sie uns damit gekonnt um den Finger wickeln können, passt diese Mischung perfekt, und alle haben sich lieb. "The Unquiet Sky" kann ganz dem Titel entsprechend vielleicht manchmal ein wenig ruppig und unbequem sein, aber bei näherer Beschäftigung hat man in diesem knapp einstündigen Werk bald einen guten Freund gefunden.
 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (05.10.2015)

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