Deceased - Cadaver Traditions

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VÖ: 11.09.2015
Bandinfo: Deceased
Genre: Death / Thrash Metal
Label: Hells Headbangers
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Lineup  |  Trackliste

Coveralben sind im Prinzip so wie Splits, All-Star-Projekte, Livealben etc. - man mag sie oder halt eben nicht. Ähnlich verhält es sich mit dem fetten Cover-Paket, mit dem die Virginia-Metaller DECEASED aufwarten. Der Großteil der hier vertretenen Titel wird den einschlägig informierten und ausgestatteten Fans ohnehin bekannt sein, bilden doch die 2002 bzw. 2004 veröffentlichten Coveralben "Zombie Hymns" (Thrash/Metal) und "Rotten To The Core" (Punk/Hardcore) sowie die "Inject The Ugliness"-EP den Kern dieser Veröffentlichung, die nun als Doppeldecker um die Ecke kommt. Aufgefettet um weitere, schwer erhältliche Coverversionen und zwei neuere Eigenkompositionen der Multi-Veröffentlichungskönige wird das Ganze fein abgerundet. Irgendwo zwischen Nachwuchsband-Contest-Charme, ernsthafter Würdigung und Huldigung der großen Helden und purem Partyspaß angesiedelt, klingt und wirkt das Gemisch soundtechnisch dann folgendermaßen: Die Bands und Titel, die dem chaotisch-kaputten Aspekt der Band um King Fowley am Nähesten kommen (also alle Thrash Metal und Hardcore-Acts/Titel a la RAVEN, ANTHRAX, D.R.I., EXCITER oder die deutschen Thrasher KREATOR, TANKARD und SODOM) sind allesamt spritzig, stimmig und fetzig umgesetzt. Vor allem Combos wie VENOM schmeicheln dem schrottig-schrammeligen Charme des US-Fünfers.

Haariger wird es bei der Fraktion der traditionell altbackeneren Acts a la IRON MAIDEN, SAXON, RUNNING WILD oder jenen Truppen, bei denen es vor allem auf den Sänger ankommt (AGENT STEEL, DIO, OZZY OSBOURNE oder METAL CHURCH), so klingt KROKUS´ "Headhunter" im Handumdrehen wie ein VENOM-Track. Hier ist der Pferdefuß klarerweise bei Brüllwüterich und Frontsau King Fowley himself zu suchen, der in Bezug auf die Wunderstimmen in keinster Weise mithalten kann und oftmals eher hysterisch herumbrüllt oder alles simpel rauskotzt (VOIVOD etc.), komplett ausfreakt (beim RAW POWER-Track), hysterisch-irre rausrotzt (IMPETIGO-Cover) oder im Gegenzug etwa bei MOTÖRHEAD´s "Stay Clean" zu wenig dreckig und fast verhalten-langweilig klingt. Trotzdem muß King Fowley absolut zu Gute gehalten werden, dass er ausgerechnet die beiden schwierigen MERCYFUL FATE-Tracks bewunderswert gut meistert und auch die vorher angesprochenen, konventionellen Heavy Metal-Titel mit ihrem neuen, wenn auch kaputten Fowley-Charme bestechen.

Auch die Auswahl der Titel sei gewürdigt, "The Ballad Of Harry Warden" (vom Soundtrack zum Horrorstreifen "My Bloody Valentine") fällt dabei komplett aus dem Rahmen, aber auch der DEAD KENNEDYS- und der DOORS-Titel (Jim würde sich wie zuvor schon Ronnie DIO im Grabe umdrehen) hören und fühlen sich recht befremdlich an. Ein wenig störend sind zudem die Soundunterschiede auf der Compilation. Bedingt durch die unterschiedlichen Aufnahmedaten ist das über die ganze Länge inhomogene Soundbild zu beklagen. Abgerundet wird das Ganze noch von den zwei neuen, speedig shreddernden Eigenkompositionen "Luck Of The Corpse" und "Torn Apart By Werewolves". "Cadaver Traditions" ist wie geschaffen als Beschallung der nächsten, versifft-versoffenen Metalfete, die Anspruch auf kultige und attitudetriefende Hintergrundbeschallung hat. Denn eines ist vorliegende Zusammenstellung allemal, nämlich ein gelungenes und gekonntes Potpourri aus Bands und Songs, die Covers sind bis auf wenige Ausnahmen wahrlich gekonnt und stilsicher ausgewählt.



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (05.10.2015)

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