Kylesa - Exhausting Fire

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VÖ: 02.10.2015
Bandinfo: Kylesa
Genre: Sludge Metal
Label: Season of Mist
Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

KYLESA sind schon seit ihren ersten Japsern anno 2001 so etwas wie die gegen alles gesträubte Wundertüte der erweiterten Metalszene. Wobei der Terminus „Metalszene“ ohnehin gefährlich gewählt ist, denn die Truppe rund um das Gesangsduo Laura Pleasants und Phillip Cope hat sich auf den ersten sechs Studioalben mit großem Erfolg und noch mehr verdientem Respekt aus sämtlichen Schubladen und Nischen geschält, sodass sie zuletzt sogar die ohnehin schon schwer fassbaren MASTODON oder BLACK TUSK relativ mühelos zu einfach zu konsumierenden Regelbefolgern degradierten. Ganz anders hingegen KYLESA, deren kleinster gemeinsamer Nenner offensichtlich die undurchsichtige Verschrobenheit ist, mit der sie sich eine kleine, aber dafür sehr feine Fanbase rund um den Globus geschaffen haben.

Drei Bands zum Preis von einer
Wer mit einem Song wie „Crusher“ in das bunte Treiben startet, der hat schon einmal per se gewonnen. Wenn ihr euch jetzt aber einen unbeeindruckten Monolithen der viehischen Aggressivität vorstellt, dann liegt ihr unendlich weit daneben. Viel mehr schälen sich KYLESA in einem drogenumnebelten Psychedelic-/Trip-Zustand samt Pleasants eindringlichem Stimmtimbre durch die hellwachen Gehörgänge. Zwischendurch blitzt sogar eleganter 80s-New-Wave auf und beweist eindrucksvoll, dass dem quietschfidelen Trio das überraschende Springen zwischen den Genres immer noch das liebste Hobby ist. Auch „Moving Day“ paralysiert die Hirnsynapsen durchgehend und lässt Cope’s klagende Vocals über einen Teppich aus JOY DIVSION-Gedächtnismomenten laufen, bevor die Band in das anfangs trippige, danach bleischwere Sludge-Monster „Lost And Confused“ weiterleitet. Schon nach knapp der Hälfte wird somit klar – hier kriegt man zumindest drei Bands zum Preis von einer.

KYLESA denken aber gar nicht daran, sich im weiteren Verlauf auf den hart verdienten Lorbeeren auszuruhen, sondern schieben mit „Shaping The Southern Sky“ ein psychedelisch-angerocktes Riffmonster nach, das BARONESS bis heute noch nicht auf die Reihe gekriegt haben. Dass der Song gleichzeitig noch einer der zugänglichsten ist, sollte alle Easy-Listening-Schema-F-Hörer endgültig vergraulen oder – formulieren wir es doch konsumentenfreundlicher – zumindest warnen. Doch Obacht! Gegen Ende hin finden KYLESA offensichtlich etwas Frieden mit sich und der Welt, denn das in Ambient-Sphären dümpelnde „Falling“ und auch das dissonante „Night Drive“ wabern im Experimental-60s-Feld und beginnen im Vergleich zur A-Seite leider etwas zu langweilen.

Siegestor nach Geplänkel
Gottseidank zieht dann der „Blood Moon“ am finsteren Firmament auf und ganz dem Songtitel entsprechend, lassen Pleasants und Cope die Gitarren innerhalb des allumfassenden Sludge-Mantels sogar klirrend-black-metallisch klingen. Das ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, macht nach mehrmaligem Durchlauf aber auch irgendwie süchtig. Mit dem abschließenden „Out Of My Mind“ entschädigen die Mädels und Jungs aus Savannah für die eher biedere zweite Halbzeit mit einem schönen Siegestor. Hier rollen die Riffs noch einmal unwiderstehlich aus dem Äther und halten das Versprechen, dass die Band etwa 40 Minuten davor vollmundig gegeben hat.

„Exhausting Fire“ ist im Endeffekt sicher das vielseitigste, vielleicht auch spannendste Werk der bisherigen Bandkarriere. Neben den zahlreichen musikalischen Experimenten sei auch noch einmal der textliche Unterbau gelobt, denn nachdem KYLESA auf „Spiral Shadow“ das Thema Distanz und auf „Ultraviolet“ das Thema Verlust in Angriff nahm, dreht sich hier alles um den Wiederaufbau. Am Ende wird eben alles gut, auch wenn’s für das biedere Finish Abzüge in der B-Note gibt. Spannend und eigen bleiben KYLESA allemal und das ist ein bekanntermaßen seltenes Gut. Nach der ausufernden Herbsttournee in den USA bleibt jetzt also die Hoffnung für ein paar Europa-Gigs 2016. Alleine schon wegen der zwei Live-Schlagzeuger immer wieder sehenswert.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (29.09.2015)

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