TRIVIUM - Silence In The Snow

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VÖ: 02.10.2015
Bandinfo: TRIVIUM
Genre: Thrash Metal
Label: Roadrunner Records
Lineup  |  Trackliste

Was ist denn da passiert? TRIVIUM entfernen sich von ihrem Grundsound? Keine Screams mehr? Keine Shouts? Keine Growls oder Ähnliches? Nein, nein und nochmals nein! Welch Schreck mag da den ein oder anderen alteingesessenen TRIVIUM Fanatiker überkommen, wenn er wahrnimmt, dass sich seine über alles geliebte Band mal an einen ganz neuen Schritt heranwagt? Eigentlich ist genau das aber schon zu viel gesagt. Ja, die Jungs von TRIVIUM haben sich neben Drummer Nick Augusto auch von Screams in jeglicher Form verabschiedet. Ich will ehrlich sein, genau dieser Schritt kündigte sich bereits größtenteils auf dem vergangenen Werk "Vengeance Falls" an, wo man mit harschen Vocals nur noch ins Geschehen eingriff, um einen gewissen Impact zu erzeugen. Es wurde deutlich, dass sich die Mannen um Matt Heafy immer mehr der melodischen Komponente hergeben würden und in den sozialen Medien sorgte bereits die erste Single "Silence In The Snow" für einen verhältnismäßig großen Aufschrei. Aussagen wie "Was ist das denn? Das ist kein TRIVIUM mehr!" oder "Was für ein generischer Bullshit, wo ist eure Härte geblieben?" waren da noch die harmloseren Exemplare. Schön fand ich allerdings den sehr offenen Umgang, den die Band mit solchen Kommentaren pflegte. Man respektierte die Aussagen diverser Fans, verlangte im Gegenzug aber ebenso Respekt für das, was man musikalisch nun anpacken würde. Um es mal klar auf den Punkt zu bringen: Diese lineare, in eine Richtung denkende, Grundeinstellung ist Schwachsinn. Es wird über den stereotypen 08/15 Bullshit in den Charts gejammert und gleichzeitig schmeißt man seinen Plattenspieler aus dem Fenster, wenn TRIVIUM mal eine Note anders intonieren als zuvor. Falsche Moral? Ich habe mich in der Vergangenheit selbst oft genug dabei ertappt, wie ich angeekelt einem neuen Album einer meiner favorisierten Bands lauschte, weil dies vom Klang her mal was neues ausprobieren wollte. Was war die Moral von der Geschicht'? Ich hab mir den Stock aus'm Arsch gezogen und fand im Endeffekt doch Gefallen daran. Legt dieses eindimensionale festgefahrene Denken ab, damit erweist ihr euch und dem Musikgeschäft einen Bärendienst! Muss einem dadurch zwangsweise dann alles besser gefallen? Natürlich nicht! Euch wird immer noch haufenweise Musik über den Weg laufen, die qualitativen Müll verkörpert. Dennoch macht euch diese neue Herangehensweise das Leben ein stückweit leichter.

Nun wollen wir die Thematik dieser Rezension aber nicht außen vor lassen: "Silence In The Snow" nennt sich die frische TRIVIUM Platte und wie bereits angekündigt, weist das Teil als Gesamtmasse einen deutlich melodischeren Sound auf als seine Vorgänger. Das wunderschöne, symphonisch gehaltene Intro (aus der Feder von EMPEROR-Fronter Ihsahn) gibt noch verhältnismäßig wenig Aufschluss darüber, was den Hörer im Folgenden erwarten wird, zeichnet sich aber vorab schon als nette Anspielung auf die weitaus melodischere Komponente ab. Der Titeltrack selbst stampft relativ gemächlich voran, verdeutlicht aber bereits während der ersten Strophe, dass der gute Mr. Heafy seine Stimme in weicheren Tönen wiegen möchte. Dennoch offenbart der Herr eine unfassbar beeindruckende Variabilität, die insbesondere im Chorus zu bestaunen ist. Gar nicht so weit weg von dem, was TRIVIUM in der Vergangenheit so aufbereitet haben, ist das nach vorn marschierende "Blind Leading The Blind", das auch in Sachen Härtegrad ordentlich anzieht. Man erwischt sich während der ersten paar Sekunden vielleicht zwar immer mal wieder dabei, wie man gleich einsetzende Screams erwartet, doch legt sich selbst das mit der Zeit von ganz allein. TRIVIUM hüllen ihren Sound schlichtweg in ein etwas anderes Gewand, sie covern ja nicht plötzlich HELENE FISCHER...Man muss da auch einfach mal den Ball flach halten. Das Grundgerüst klingt nämlich nachwievor nach 110% TRIVIUM, nicht mehr und nicht weniger. Gerade das technisch versierte Riffing, das aber auch in vorangegangenen Zeiten immer eine Säule war, die eine gewisse Härte im Sound eingepflanzt hat, übernimmt hier eine noch tragendere Rolle. Das wird vor allem beim mit reichlich Tempowechseln ausgestatteten "Dead And Gone" deutlich. Melodischere Vocals öffnen einer Band gleichzeitig neue Türen, die man hier zweifelsohne auch betreten möchte. Die Harmonie zwischen den Saiten und Matt's Vocals wirkt noch einheitlicher und wertet allein durch dieses Merkmal den ganzen Sound merklich auf. Im Nachgang muss ich nämlich zugeben, dass ich trotz des relativ positiven Reviews zum Vorgänger "Vengeance Falls" mit genau jener Platte zwei Jahre später nicht mehr viel anfangen kann. Wenn ich die Scheibe heute durchlaufen lasse, überkommt mich das Gefühl, als seien TRIVIUM damals total ausgebrannt gewesen, müde an neuen Ideen.

Dieser Faktor tritt bei "Silence In The Snow" zu keiner Sekunde ein, der Klang wirkt erfrischend anders und umhüllt den Hörer dennoch immer wieder mit einer vertrauten Sicherheit. Wo die US-Amerikaner allerdings mal einen völlig neuen Schritt wagen, ist bei dem Stück "Pull Me From The Void". Die Strophen offenbaren hier fast schon eine powermetallische Soundkulisse wohingegen der Chorus einen Matt Heafy zeigt, der seine "neu" hinzugewonnene Stimme vollends auskosten möchte. Genau solche Musikstücke sind der Grund, warum es sich lohnt, Alben immer wieder zu entdecken und nicht stumpfsinnig in eine Ecke drücken zu wollen, in die sie definitiv nicht gehören. Meine zwei Highlights folgen sogleich mit dem leicht hymnisch angehauchtem "Rise Above The Tides" und dem fulminant nach vorn preschendem "The Thing That's Killing Me". Was der Mann hinterm Mikro hier aus seinen Stimmbändern rausholt, ist wirklich sagenhaft. Da entflieht einem sogar ganz schnell die Tatsache, dass eine Band wie TRIVIUM jemals mit Screams oder ähnlichem in Verbindung zu bringen war. Ihr werdet gemerkt haben, dass das neue Album anders ist und dann doch irgendwie wieder nicht. Es ist TRIVIUM, aber es ist anders... Wenn ihr euch auf dieses unfassbar kreative Werk einlasst, werdet ihr mit wunderbar spielfreudiger Musik beschenkt, die euch vergessen lässt, warum ihr überhaupt auf den Hatetrain aufgesprungen seid. Wenn ihr nachwievor den festgefahrenen Karren im Dreck verkörpern wollt, dann legt euch auf die Couch, zieht die Hose runter und lasst euch von Mutti ein Zäpfchen in den Arsch schieben.

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (07.10.2015)

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