HEIMDALLS WACHT - Ut de graute olle Tied - Deel Twee (Land der Nebel)

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VÖ: 09.10.2015
Bandinfo: HEIMDALLS WACHT
Genre: Black Metal
Label: Black Skull Records
Lineup  |  Trackliste

Sanftmütige Akustik-Gitarren und ein Gemenge aus beschwörendem Schlagwerk und epischen Gesängen verraten mir in "Indiculus Paganiarum" schnell, um welche Band, die ich lange Zeit kläglich vernachlässigt habe, es sich handelt: HEIMDALLS WACHT. Deren "Ut de graute olle Tied - Deel I" war in seinem Erscheinungsjahr 2008 eines der absoluten Favoriten meiner Gehörgänge, aber irgendwie verlor man sich dann doch aus den Augen. Wie das geschehen konnte, werde ich euch und noch weniger mir selbst vernünftig erklären können, denn auch heute noch weiß der Drittling der Pagan-Schwarzmetaller mit seinem einzigartigen und stimmungsreichen Black Metal von vorne bis hinten zu begeistern. Gut, dass in wenigen Tagen "Ut de graute olle Tied - Deel Twee (Land der Nebel)" erwacht und mit seiner Promoerscheinung vor kurzem diese großartigen Künstler wieder in mein Gedächtnis rief.

Wie schon in der Einleitung bereits vermerkt, hat sich bei HEIMDALLS WACHT in diesen sieben Jahren wenig verändert, weswegen man sie im Intro und dem anknüpfenden "Die fallenden Blätter der Irminsul" ohne jeden Zweifel identifizieren und sich dadurch sofort heimisch fühlen kann. Dabei fallen die Elemente auf, die die Ahlener schon zu Zeiten des Pagan-Metal-Hypes damals von stumpfen Vertretern à la RIGER oder MINAS MORGUL abhob: Erstklassige Gitarrenharmonien (die in diesem Fall an TAAKEs "Nattestid ser porten vid"-Opener erinnern), variable Gesangseinlagen, die sich von klaren, über hoch kreischenden bis hin zu tief growlenden Tonlagen erstrecken und natürlich die aufkommende Atmosphäre, die HEIMDALLS WACHT zum Mittelteil mit Wasserrauschen, flüsternden , unverzerrten Gitarren und hingabevollen, epischen Chorälen verstärken.

Leider offenbart dieser Übertritt nach einiger Zeit auch eine der Schwächen, die im weiteren Albumverlauf immer wieder in Erscheinung treten werden und aus "Ut de graute olle Tied - Deel Twee (Land der Nebel)"  letztlich eine manchmal zwiespältige Angelegenheit machen: Die Längen, die sich mehrmalig mit den eigentlich formidablen Songideen im Konflikt verlieren. Besonders hevorstechend im zwölfminütigen Eingangsstück und den beiden Schlussakkorden "Seelenstaub" und "Des Wolfes zottiges Fell", die jeweils nach gelungenem Auftakt wie auch Überleitung qualitativ abflachen und zuweilen strapaziös anmuten können. So festigt sich der Eindruck, dass HEIMDALLS WACHT an manch einer Stelle etwas übereifrig arrangiert haben.

Diese teils unnatürlichen Songentwicklungen plagen erfreulicherweise aber nicht das komplette Werk, weswegen "Conspiratio Barbarica", "Schwarzmondritual" (so sollte melodischer Black Metal klingen) und besonders das hymnenhafte "Auf roter Erde erblüht... (Ursprung Teil I)" beispielsweise mit weit homogenerem Songwriting zu echten Prachtstücken reifen und die Stärken der Band voll ausloten.

Womöglich liest sich diese Kritik am Ende also negativer, als sie eigentlich gemeint ist, denn im Kern ist "Ut de graute olle Tied - Deel Twee (Land der Nebel)" ein weit überdurchschnittliches Album, das sich seiner Vielseitigkeit durchaus bewusst ist und sich in seiner einstündigen Spielzeit für zusammengerechnet zehn bis zwölf Minuten den ein oder anderen Lapsus leistet. Vice versa zeigen HEIMDALLS WACHT aber auch klar auf, warum sie sowohl die Hochzeit als auch den "Untergang" (wenn man's so nennen mag) des deutschen Pagan Metal erfolgreich überstanden haben. Denn auch wenn ihnen ihre Klasse zeitweilig mal ein Bein stellt, sind sie immer noch ein Garant für bedeutsamen, westfälischen Schlachtenlärm, der nur leider nicht ganz am ersten Teil anknüpfen kann.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (07.10.2015)

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