Shining [Nor] - International Blackjazz Society

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VÖ: 23.10.2015
Bandinfo: Shining [Nor]
Genre: Experimental Metal
Label: Spinefarm Records
Lineup  |  Trackliste

Längst ist klar, dass Holzblasinstrumente auch im Black Metal ihren Platz haben. Auf dem siebten Studioalbum der Black-Jazzer SHINING, zeigen die Norweger einmal mehr, wie düster ein Tenor-Sax klingen kann.

 

Wenn „One, One, One“ (2013) SHININGs Beitrag zum Thema Rock’n’Roll war (‚You won’t forget’), ist das vorliegende Werk die jazzige Antwort auf 90s Industrial. Improvisationen zwischen Speakeasy und Weltuntergang (‚House of Warship’) sind auf "International Blackjazz Society" keine Seltenheit. Multiinstrumentalist Jørgen Munkeby beweist dabei nicht nur gesangliche Flexibilität zwischen Growls und Geflüster, sondern zeigt sich auch im Songwriting erfinderisch und vor allem experimentell.

 

Während sich einige Nummern erst beim zweiten Hör-Durchlauf als bahnbrechend herausstellen (‚House of Control’), trumpfen andere sofort mit Eingängigkeit und vor allem Groove auf. ‚The Last Stand’, zum Beispiel, kommt als Trend-Reznor-esker Jazz Hit daher und ‘Last Day’ bringt eine ordentliche Portion Synths mit ins Spiel. Vor ‚Burn It All’ sollte man nochmal tief, tief Luft holen – hier wird’s ganz schön heftig und zwar an allen Instrumentalfronten. Trotz aller Verspieltheit und Virtuosität büßt das Album aber nichts an Durschlagkraft ein – die tosenden Drums und das Gitarren-Riffing im Tritonus tun dazu ihr Übriges.

 

Das durchgehend eingesetzte Saxophon vereint Harmonie mit Dissonanz und lässt die Grenzen zwischen technischer Genauigkeit und Improvisation zerfließen. Was bleibt ist der Eindruck, dass hier talentierte Musiker am Werk sind, die nicht nur den einem genreübergreifenden Trend entgegenstreben, sondern diesen von Beginn an selbst mitgeformt haben.

 

Kaum zu glauben, dass SHINING eigentlich als akustisches Jazz Quartett an der Norwegian Academy of Music startete. Seit dem Debüt 2001 und dem „Blackjazz“ Durchburch 2010 haben sich die Norweger nämlich zu einem Metal Projekt der Sonderklasse etabliert - wenn nicht sogar zu einem eigenen Genre.

 


Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Eva Thalhammer (24.10.2015)

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