Def Leppard - Def Leppard

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VÖ: 30.10.2015
Bandinfo: Def Leppard
Genre: Melodic Hardrock
Label: earMusic
Lineup  |  Trackliste

Als eine meiner frühen musikalischen Lieben und Hauptdarsteller meines ersten Livekonzerts einer großen Band ("Hysteria"-Worldtour) ist es mir Ehre und Bedürfnis zugleich, mich dieser Hardrock-Institution auch reviewtechnisch anzunehmen. Vor allem weil dies das erste Studioalbum seit gezählten sieben Jahren ist, das konventionellere "Songs From The Sparkle Lounge" erschien schließlich schon 2008. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Die Albumpause ist den legendären Multiplatinsellern aus England äußerst gut bekommen, live waren sie ja auch in diesem Zeitraum präsent (vor allem in den USA, wo sie mit einigen namhaften Rockgrößen die Bühne teilten), auch zwei Livealben wurde zwischenzeitlich veröffentlicht, zudem hatte Gitarrist Vivian Campbell mit seinem Krebsleiden zu kämpfen.

Aber gleich der Auftakt des elften, selbstbetitelten Studioalbums erfolgt wie erhofft, der Opener geht nämlich schlichtweg sofort in´s Ohr. Fühlt sich irgendwie wie Radfahren an, das man - einmal perfektioniert - nie verlernt. "Let´s Go" konnte man bereits im Vorfeld belauschen und mußte den Song trotz aller Selbstzitate einfach (oder gerade deshalb) für gut befinden. Und auch der folgende, melodische Uptempo-Hochkaräter "Dangerous" ist - ebenso wie etwa "Broke 'N' Brokenhearted" - DEF LEPPARD durch und durch. Dafür liebt man die Band aus England, hängt an Joe Elliott´s Lippen, wenn die großen Refrains förmlich zu explodieren zu scheinen, einen ein wahrer Wonneschauer überkommt und sich das Leppard´sche-Gute-Laune-Feeling einstellt.

Doch versteht es der Fünfer auch, seinen Hörern akustische Streicheleinheiten anderer Art zu verpassen. Etwa beim funkigen, von einer lässigen Bassline getragenen "Man Enough", während "Battle Of My Own" für bluesiges Unplugged-Feeling sorgt. Hinter "Forever Young" möchte man vom Titel her eine Schmalzballade vermuten. Doch weit gefehlt, der Song tönt recht rau und läßt den knackigen Riff (plus Gitarrensolo) sprechen, die Ballade folgt aber auf dem Fuße mit "Last Dance". "We Belong" klingt vom Soundbild her doch recht poliert klingt, das hätte auf manchen Titeln ruhig ein bißchen eckiger und kantiger ausfallen können, von Begriffen wie Dreck und Rotz reden wir im Kontext mit den Königen der Geschmeidigkeit und melodischen Wonne ohnehin nicht!

"Sea Of Love" ist beim Refrain ein bißchen schwülstig (erinnert nicht umsonst an TEARS FOR FEARS´ Hit "Sowing The Seeds Of Love" und gegen Ende hin an KID ROCK´s "All Summer Long") und "Energized" wird seinem Titel nicht gerecht, denn auch wenn´s ausladend daherkommt, so klingt alles recht schaumgebremst und wattegebauscht. Doch wird die Politur etwa von der flotten Uptempo-Nummer "Invincible", das einmal mehr zeigt, dass die Veteranen ihr Handwerk gleichsam blind wie perfekt verstehen und auch der kernige Riff regieren kann, abgelöst. "All Time High" pariert die überbordende Bauschpackung ebenfalls und sorgt mit seinen Chören im Refrain wieder für dieses unbändige DEF LEPPARD-Komfortfeeling. Das starke "Wings Of An Angel" läßt anfänglich Schwülstigkeit vermuten, schwillt im Chorus allerdings wohltuend an. Das eher ruhige "Blind Faith" wurde als Rausschmeißer gewählt und beendet ein facettenreiches, den Blick gen Achtziger/Frühneunziger gerichtetes Album.

Das Jahr 2015 markiert das gelungene Studio-Comeback einer großen Band, in der das Feuer immer noch hörbar lodert und die den 1992 verlorenen Faden wiedergefunden und aufgegriffen hat. Am Songmaterial gibt´s nichts zu mäkeln, eine derartig runde Packung voller Melodic Hardrock-Perlen, die das Stadionrock- und Hit-Gen in jedem Hardrockfan, der vor Göttergaben wie "Pyromania" und "Hysteria" kniet, stimulieren, bekommt man selten derartig hochklassig serviert. Gekonnt ist eben gekonnt, die Klassiker bleiben zwar unerreicht, aber in deren Windschatten folgt das neue Album dicht dahinter, das vieles auf den letzten Alben Veröffentlichte (und oftmals eher an BRYAN ADAMS & Co. Erinnernde) mit Links wegkickt. Die Leoparden haben unüberhörbar und meisterlich gebrüllt und dürfen zu einem weiteren Höhenflug starten, der sie hoffentlich auf die großen Bühnen des Festivaljahres führen wird!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (29.10.2015)

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