Cryptopsy - The Book Of Suffering - Tome 1

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VÖ: 30.10.2015
Bandinfo: CRYPTOPSY
Genre: Death Metal
Label: Eigenproduktion
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Zu den letzten Jahren der CRYPTOPSY-Historie muss man höchstwahrscheinlich nicht mehr viel erzählen. Auch wenn "Cryptopsy", das selbstbetitelte Album aus dem Jahre 2012, die Wogen einigermaßen geglättet und den eigenen Anhängern die Hoffnung zurückgegeben hat, hat das kanadische Tech-Death-Quartett augenscheinlich immer noch an den Nachwirkungen des unausgesprochenen Königs, dem Diskografie-Tiefpunkt zu knabbern. Zumindest lässt folgende Aussage aus der EP-Ankündigung von "Tome I - The Book Of Suffering" ordentlich Interpretationsspielraum was die jüngere, nicht wirklich erfolgreiche Vergangenheit betrifft: "This time, rather than a full album, Cryptopsy will release a series of EPs entitled The Book of Suffering. This new approach will allow Cryptopsy to put out new music more often while remaining true to their standards of quality".

Definitiv sagen kann man hingegen, dass CRYPTOPSY mit "Tome I" den Selbstreinigungsprozess, den Kollege Reini in seiner Rezension zum Selftitled-Brecher bereits richtig vermerkt hat, vorantreiben und sich schrittweise mühsam dorthin zurückkämpfen, wohin sie eigentlich jahrelang gehörten: zu den internationalen Top-Acts des brutalen, technischen Death Metal.

Warum sie sich zurecht unter jenen wähnen durften, beweisen Flo Mounier und Olivier Pinard, vor allem aber auch die vielgescholtenen Matt McGachy (Vocals) und Chris Donaldson (Gitarre) im Opener "Detritus (The One They Kept)", der für die hohe Qualität der CRYTOPSY-Rhythmussektion bürgt und gleichzeitig Werbung für die nicht mehr ganz so neuen Mitglieder macht, die seit "The Unspoken King" immer wieder - häufig zu Unrecht - Prügel beziehen mussten. Auch wenn Herr McGachy kein Vocals'n'Lyrics-Rundum-Sorglospaket wie ein Lord Worm ist, liefert er auf "Tome I" eine mehr als amtliche Leistung ab, die ihren Höhepunkt im Groovemonster "The Knife, The Head and What Remains" findet. Gleiches gilt auch für Gitarrero Chris Donaldson, der den erneuten Wegfall von CRYPTOPSY-Urgestein Jon Levasseur zwar nicht hunderprozentig wettmachen, trotzdem aber mit einigen Reminszenzen aus den Anfangszeiten der Band aufwarten kann. Grundsätzlich bedienen CRYPTOPSY die meisten ihren bisherigen Phasen, verzichten dabei aber darauf, sich aus Wiedergutmachungszwecken selbst zu kopieren. So findet man auch als langjähriger Begleiter der Kanadier Neues auf "Tome I", wobei sich das eher auf Kleinigkeiten wie die Melodien in "Halothane Glow" (inkl. geiler Taktwechsel im Mittelteil) oder die angeschwärzten Riffattacken im abschließenden "Framed By Blood" beläuft.

Bleibt zu hoffen, dass CRYPTOPSY diesen Qualitätsstandard auch in Zukunft beibehalten werden. "The Book Of Suffering" jedenfalls eröffnet den Reigen der EP-Serie nahezu tadellos und umgeht geschickt den Vorwurf der Berechenbarkeit, indem es genügend Trademarks der Band beinhaltet, den frischen Anstrich aber zu keiner Zeit scheut. Flo Mounier plus Mitstreiter scheinen also endlich wieder zu einer Force to reckon with erwachsen zu sein und so sollte spätestens jetzt ein fairer Umgang mit dem kanadischen Tech-Death-Ensemble wieder Pflicht sein.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (04.11.2015)

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