Chastain - We Bleed Metal

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VÖ: 06.11.2015
Bandinfo: CHASTAIN
Genre: Heavy Metal
Label: Pure Steel Records
Lineup  |  Trackliste

Als ich letztens, in Anbetracht des drohenden Wintereinbruches, die Winterketten auf den Panzerkampfwagen aufzog, geschah es – das Antriebsrad war mal wieder abgewetzt und man schnitt sich an der Kante die Hände blutig, das Blut floss in Strömen und auch ein echter Metal-Warrior weint hin und wieder beim Anblick der roten Lache. CHAISTAIN haben diese Probleme nicht, sind sie doch seit 1984 stahlhart, unverwundbar und sollte der Schnitt doch einmal durch die Panzerung bis aufs Fleisch gehen, dann bluten sie flüssigen Stahl. Dieser, einem Nibelungen-Siegfried gleichende, Status wird mit „We Bleed Metal“ auch gnadenlos untermauert und Leather Leone, als Dirigentin des stahlgeschwängerten US-Heavy-Power-Metal Infernos, kann es immer noch. War Kate French bei „In An Outrage“ doch eher optischer Aufputz und keinesfalls ein Ersatz für die Female-Voice-Legende, so lässt es die Grande-Dame des Trvekeepertums seit der 2013er Langrille „Surrender To No One“ wieder ordentlich krachen. Vorweg - CHASTAIN sind zwar sicher immer noch nicht für eine breite Masse geeignet, sollen sie aber auch nicht, es wird dem Spirit der goldenen Zeiten noch einmal zu Hochglanz verholfen und das ohne eine Persiflage von sich selbst zu präsentieren – was ja in letzter Zeit bei Legenden von ganz anderem Kaliber gerade hip zu sein scheint… Hust, eiserne Jungfrau, Hust!

Wärend jetzt wohl ziemlich viele Leser zu Eddie beten und um Auslöschung des Verfassers bitten, hämmert gleich der Titeltrack los… Scream for me, Leone! Die enthusiastische Predigt des 1980er US-Metal-Riffs hat man seit langer Zeit nicht mehr so geil in Erinnerung, das fährt richtig tief ins Mark und erinnert doch stark an „Ruler Of The Wasteland“. Eine der Überscheiben des Ami-Metals, der bis heute viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird – zumindest so meine subjektive Meinung als unbedeutender Semi-Musikexperte (an dieser Stelle ein großer Dank an den Schaffer dieses wunderbaren Neologismus - das Blechschild für meinen Briefkasten ist schon in Fertigung). Schwächen zeigt man relativ wenige, weder im Songwritting, welches sich als äußerst abwechslungsreich präsentiert und alle Facetten des Bandschaffens behandelt - kurz und bündig ausgedrückt: CHASTAIN sind immer noch eine majestätische Band – „All Hail The King“! So gelingt es nicht nur. eine Allegorie zwischen den Anfangszeiten und dem Hier und Jetzt zu schaffen, man geht auch durchaus neue Pfade und versteckt sich nicht hinter ausgelutschter Wiederholung – die Homologation gelingt durch die komplexe Erschaffung eines Bogentragwerkes, welches die Kämpferfundamente aus „Mystery Of Illusion“ und gegenständlichem Longplayer über einen Scheitel aus „The Voice Of The Cult“, „The 7th of Never“ und schon angebeteter Glanzscheibe aus den Ödlanden in einem homogenen Guss vereint. Knallhart schlagend wird die Essenz dieser grazilen und doch tragsicheren Konstruktion bei Highlights wie „I Am A Warrior“ oder „Evolution Of Terror“, welche die ganze Klasse einer druckvollen US-Power-Watschen ausspielen und klarstellen, warum Frauen hinterm Metal-Mikro alles andere als eine feministische Wahnvorstellung sind. „The Last Ones Alive“ bildet dann noch vom schnulzigen Intro (yes, Kuschelrock vom Feinsten) über seinen hymnischen Abschluss einen Eargasm für kuschelbedürftige Kuttenträger, bevor man nach „Secrets“ unweigerlich den Repeat-Knopf drückt.

„We Bleed Metal“ ist ein ganz großer Wurf, und das nicht nur, weil man hier einem Urgestein die Ehre erweisen möchte, nein, hier wird stählerne Qualität auf handwerklich höchster Basis geboten und so ein grandioses Album abgeliefert, das auch nicht bei der Old-School-Inquisition anecken wird, welche normalerweise alles ab dem zweiten Demotape einer altgedienten Band verteufelt… I rule the badlands, you dare not refuse, I am a warrior, I´ll fight till the end!

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Laichster (08.11.2015)

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