Unherz - Jetzt Oder Nie

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VÖ: 30.10.2015
Bandinfo: UNHERZ
Genre: Rock
Label: Massacre Records
Lineup  |  Trackliste

Als eine gewisse kontroverse und polarisierende Frankfurter Band im Jahre 2005 anscheinend für immer das Handtuch warf, hinterließ sie bei den trauernden Fans eine riesengroße Lücke. Eine Lücke, welche in den folgenden Jahren von unzähligen Tribute Bands und solchen, welche im Stile der Originale unter eigenem Banner weiterkomponierten, gefüllt werden sollte. Ein Unterfangen, welches zahllose belanglose Rumpelbands hervorbrachte, die ihren Idolen keinen Tribut zollten, sondern sie schlicht und einfach plagiierten und kopierten, und damit in die Belanglosigkeit stürzten. UNHERZ zählten noch mit ihrem letzten Album "Sturm & Drang" genau zu dieser Ausschussware. Um so freudiger ist es, sagen zu dürfen, dass "Jetzt oder nie" endlich das vorhandene Potential nutzt und man anfängt, gute Songs zu schreiben
 
Mit "Jetzt oder nie" definieren sich die Mörstädter keineswegs neu, es markiert auch keine Abkehr vom früheren Sound. Vielmehr öffnet man sich neben den ONKELZ eben ganz verstärkt anderen Bands und Einflüssen, sei es Rock'n'Roll, Hard Rock, Blues, oder auch handfestem Heavy Metal. So zeigen der Opener und Titelstück, das nachfolgende "Das Leben ist so wie es ist" und das spätere "Nie allein" Anleihen bei ACCEPT und HAMMERFALL, ohne auf die gewohnte Eingängigkeit zu verzichten. "Alles wird gut" und "Damoklesschwert" sind bierschwere Rock'n'Roller mit schöner AC/DC, MOTÖRHEAD und OHRENFEINDT Kante, während "Ich sing ein Lied" auch in das Repertoire eines gewissen TOM ANGELRIPPER passen würde. Das alles gewinnt sicher keinen Innovationspreis, ist handwerklich aber grundsolide und macht einfach Spaß. Und wenn man echte Highlights wie das saucoole "Ronny" im Gepäck hat, erwischt man sich häufig mit einem Grinsen im Gesicht.
 
Nicht jeder Song ist indes geglückt, was vor allem die Balladen betrifft. "Mann gegen Mann" ist zwar im Grunde recht unkitschig geraten, lässt thematisch allerdings eher kalt. Komplett gegensätlich dann der abschließende Schmachtfetzen "Seite an Seite", welches dermaßen pathetisch und kitschig geraten ist, dass man unweigerlich ins Schmunzeln verfällt. Als Lowlight gilt allerdings das schwülstige und absolut unnötige "Never Walk Alone", welches mit immergleichen lyrischen Plattitüden nervt ("Wir stehen zusammen, Mann für Mann") und so klingt, als müsse man "schnell-schnell-ganz-dringend noch" etwas für die ONKELZ Fraktion draufpacken. Hymnen hat man doch auch ohne solche Plattwürste genug, und im angenehm Rock'n'Rolligen Gewand sticht dann ein einfacher Mitgröhler wie "Schrot und Korn" um so mehr nach oben heraus.
 
Fazit: "Jetzt oder nie" zeigt die Band weiterentwickelt und gereift, was dringend nötig war. Durch die vermehrt Bluesigen und Rock'n'Rolligen Einflüsse wirkt die Band authentisch, leicht dreckig, und kann endlich ernst genommen werden. Zwar gibt es immernoch die eine oder andere ONKELZ Gedächtnis Nummer, aber im Großen und Ganzen zeigt man sich gelöst, humorvoll, abwechslungsreich und einfach kurzweilig!


Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (25.11.2015)

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