NORDJEVEL - Nordjevel

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VÖ: 29.01.2016
Bandinfo: NORDJEVEL
Genre: Melodic Black Metal
Label: Osmose Productions
Lineup  |  Trackliste

Das Cover von NORDJEVELs erster Platte täuscht. Es handelt sich hier nicht um Viking Metal mit unbeholfener "Game Of Thrones"-Romantik. Aus dem Norden - von weit jenseits der Mauer quasi - kommt das Quartett trotzdem. Neben Sänger Doedsadmiral (aha.) und Gitarrist Nord (aha, aha.), zwei im Black-Metal-Zirkus weniger in Erscheinung getretenen norwegischen Figuren, finden sich im Line-Up der erst in diesem Jahr gegründeten Band mit dem Schweden Frederik Widigs (also MARDUKs aktuellem Drummer) und RAGNAROK-Basser DeceptiCunt (aha, aha, soso.) auch zwei etwas bekanntere Figuren.

Das Konglomerat aus schwedischen und norwegischen Einflüssen prägt dann auch das in Windeseile zusammengebaute Debüt der Truppe, das auf den ersten Blick noch eher unspektakulär durch die Boxen ballert. Viel nordische Kühle gibt es da zu bestaunen, die aus sehr dynamischen, melodischen Gitarren eindeutig schwedischer Spielart gebastelt und mit einem fast permanent am oberen Geschwindigkeitslimit agierenden Schlagzeug unterlegt ist, das auch eindeutig das Rückgrat der Tracks bildet. Einflüsse diverser Szenengrößen gehören da schon zum guten Ton. So ist der über den Hörer hereinbrechende Opener "The Shadows Of Morbid Hunger" eindeutig ein Song, der auch gut von DARK FUNERAL oder den alten MARDUK stammen könnte. "Sing For Devastation" geht rockiger zu Werke und offenbart gleichzeitig eine der ganz großen Stärken des Songwritings: Unglaublich gute Hooks und Melodien, wie sie KEEP OF KALESSIN perfektioniert haben (siehe auch "Djevelen I Nord", "Nar Noen Andre Dør"), eingebettet in ein flüssiges, schlüssiges Arrangement, das weder emotionale noch aggressive, rockige Komponenten vernachlässigt. Das ist eine Mischung, die Bands wie MANEGARM oder CARPATHIAN FOREST gut zu Gesicht stünde, die jeweils nur das eine oder das andere können.

So verstecken sich in dem Gewitter aus übrigens verdammt kräftig produzierten neun Songs eine ganze Menge ungeahnter Perlen zwischen den ansonsten gelegentlich zu bekannt oder beliebig wirkenden Riffs. Neben den schon genannten Tracks ist da vor allem das überlange Schlusswerk "Norges Sorte Himel" zu nennen, das noch einmal Bilder von eisiger nordischer Weite, von Sonnenstrahlen auf Schneelandschaften und majestätischer Natur zeichnet. NORDJEVEL packen noch einmal alles aus, was skandinavischen Black Metal ausmacht: Kitschiges Intro, fast schon folkige Riffs, tränentreibende Leadgitarren, großartig keifender Gesang und erstmals auch weise eingesetzte Keyboards im "Stormblast"-Stil. Das ist sicher nicht die Neuerfindung des Rades, aber immerhin eines, das bestens rollt.

Kurzum: Würde mich wundern, wenn man von der Band nicht noch hören wird. "Nordjevel" ist (wenn auch überraschend) eine der besten Veröffentlichung im nordischen Black Metal in diesem Jahr. Und da gab's einige.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Florian Dammasch (14.01.2016)

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