VREID - Sólverv

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VÖ: 09.10.2015
Bandinfo: VREID
Genre: Black´n´Roll
Label: Indie Recordings
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Nach sechs Alben in neun Jahren darf die Kreativität durchaus mal flöten gehen. Die reanimierte WINDIR-Combo VREID rückte mit den letzten beiden Alben „V“ und „Welcome Farewell“ aufgrund gediegen-angenehmer Songs zwar immer stärker in den Fokus der Mainstream-Metal-Hörerschaft, verlor dabei im musikalischen Sinn aber auch stark an Biss und Ideenreichtum. Bassist und Mastermind Hváll entschied sich daher vor gut zwei Jahren, eine längere Tourpause einzulegen, um in aller Ruhe und Konzentration nach der nötigen Kreativität zu suchen, die der Band offensichtlich abhandenkam. Der Versuch in allen Ehren, wird aber das im üblich-hochgestochenen Promowisch-Verkaufsjargon als „Meilenstein“ bezeichnete Siebtwerk kaum einen Freund norwegischer Schwarzmetallklänge vor den Ofen locken.

Warum dem so ist? Dafür gibt es mehrere Gründe, auch wenn sich diverse Änderungen und Neuerungen auf dem Papier ganz nett lesen. Etwa, dass die Jungs das gesamte Album in ihrem Heimatdialekt Sognamål eingesungen haben oder sehr viel Wert auf Epik legen. Gab es bei den früheren Songs nur seltene Ausreißer, läuft auf „Sólverv“ keine Nummer unter der Fünf-Minuten-Grenze ins Ziel. Leider hapert es aber gewaltig an der Umsetzung, denn gerade nach mehreren Durchläufen im Langzeittest wird dem Hörer offensichtlich gewahr, dass sich VREID heuer lieber hinter einer glasklaren Produktion und einem wirklich gelungenen Cover-Artwork verstecken, als in die Offensive zu gehen und mit wirklich starken Songs aufzutrumpfen.

So ist schon der Opener „Haust“ eine anfänglich hinreißende Up-Tempo-Black’n‘-Roll-Nummer mit instrumentalen BEHEMOTH-Zitaten, die sich aber relativ schnell abnützt. Auf dem Titeltrack versuchen VREID mit monotonen Eisriffs die Vorzüge ihrer schwarzwurzeligen Heimat in den Vordergrund zu stellen, fadisieren auf langer Strecke aber mit dem fehlenden Punch, der die Nummer zu etwas Herausragendem machen könnte. SATYRICON zu kopieren alleine reicht eben doch nicht. Die stärkste Phase des Albums befindet sich dann im zweiten Drittel. „Geitaskadl“ beginnt zwar etwas verschroben, entwickelt sich mit Fortdauer aber zu einem einprägsamen Ohrwurm, der durch Doublebass-Orgien und militärischem Drumming getragen wird und die richtige Mischung aus kaltem Black Metal und umschmeichelnden Rockzitaten findet. Auch „Ætti sitt fjedl“ ist mit seiner eher depressiven Instrumentierung auf dem richtigen Weg, bevor sich die letzten Songs des Albums noch einmal in repetitiven, redundanten Auswüchsen verirren.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass sich VREID auf „Sólverv“ so stark wie nie zuvor auf ihre WINDIR-Wurzeln besinnen und dabei leider klar Schiffbruch erleiden. Es mangelt im Direktvergleich mit der eigenen Vergangenheit nicht nur an der nötigen Atmosphäre und dem fehlenden Kultfaktor, sondern vor allem am zwingenden Songwriting und der nötigen Abwechslung. Meist rattern die zudem unnötig in die Länge gezogenen Kompositionen seelenlos durch den Äther, versprühen bei einem markanten Riff oder dem Gekrächze von Frontmann Sture zwar hie und da das Feeling der ganz Großen aus den ewigen Fjorden der heimatlichen Umgebung, vermögen aber nicht auf volle Länge zu fesseln. So ist „Sólverv“ eine nette Sammlungskomplettierung, wird aber nicht über die Funktion des Staubfängers hinauskommen. Quo vadis, VREID?



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (28.12.2015)

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