RESURRECTURIS - Nazienda

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VÖ: 00.08.2015
Bandinfo: RESURRECTURIS
Genre: Metal
Label: Mighty Music
Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

RESURRECTURIS waren eine der frühen Death-Metal-Hoffnungen aus dem italienischen Untergrund. Mitte der 90er-Jahre passte man genau in diese Schublade: Robust und brachial klangen die Italiener rund um Carlo Strappa und erinnerten mitunter an die Vertreter der amerikanischen Death-Metal-Riege. Doch wie bei so vielen Bands aus dieser Ära veränderte sich der Fokus mit dem natürlichen Prozess des Alterns (nicht nur) in musikalischer Hinsicht. Diese Entwicklung findet nun in “Nazienda“ ihren vermeintlichen Höhepunkt, der für manche Fans der früheren Ausrichtung der Band einen Supergau darstellen wird.

Denn “Nazienda“ ist ein Konzeptalbum. Und um es noch schlimmer zu machen für die Death-Metal-Freunde muss man noch dazu feststellen, dass die Thematik zu allem Übel die Antithese des Metalklischees darstellt. Denn hier wird nicht das Leben als rebellisches Individuum einer Subkultur, sondern der Büroalltag eines gestressten und frustrierten Arbeitnehmers thematisiert. Prinzipiell kann dies auch für viele Metalheads relevant sein, doch auch die musikalische Umsetzung dieser Thematik hat in diesem Fall nichts mit wüstem Death Metal zu tun.

Denn eines muss man an dieser Stelle deutlich machen: das Konzept steht hier im Vordergrund. Die einzelnen Songs dienen nur als Mittel zum Zweck. Das Songwriting orientiert sich also an der dahinterliegenden Thematik und sollte eher im Gesamtkontext wahrgenommen werden. Dies bedeutet auch, dass man sich keinen Song rauspicken sollte, um dieses musikalisch schizophren klingende Werk zu beschreiben. Was man sehr wohl beschreiben kann, ist die Art dieser musikalischen Schizophrenie: Denn zwischen “Spoken Word“-Passagen, Death Metal, Rock und akustischen Teilen schwankt man hin und her. Musikalisch kann man dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied Carlo Strappa nichts vorwerfen. Man darf sich allerdings fragen, wer die Zielgruppe dieses Werkes sein soll? Zu bewerten ist dies eigentlich nicht, denn zwischen großer Kunst und einer absoluten Themenverfehlung liegt nur ein schmaler Grat, dessen Übertretung in erster Linie subjektiv empfunden wird und demnach nicht messbar ist.

Festzustellen ist, dass die Chose im strikten Korsett des Konzepts zu jedem Zeitpunkt Sinn macht, für viele Hörer aber ein schwieriges und kaum zu erfassendes Werk darstellen wird. Gestresste Arbeitnehmer, die nach Katharsis suchen (und nicht nur nach Unterhaltung), könnten mit “Nazienda“ einen Glücksgriff landen. Geduld und fehlende musikalische Scheuklappen sind allerdings Grundvoraussetzungen, um Strappas Konzeptalbum genießen zu können.



Ohne Bewertung
Autor: El Greco (05.01.2016)

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