Digital Doomzday - Breed ‘Em And Weep

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VÖ: 21.11.2015
Bandinfo: Digital Doomzday
Genre: Crossover
Label: Black Element Productions
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Rap Metal – da war doch etwas Ende der 1990er-Jahre: Die Verbindung von harten Gitarrenriffs mit (meist) schwachen oder geradezu peinlichen Raps (ja, LIMP BIZKIT, CRAZY TOWN und P.O.D., wir meinen euch) war ein Riesenhype mit nur wenig musikalischem Wert. Ausnahmen war eher die Vorreiter des Hypes: Bands, die vom Hip Hop kamen und Metal-Elemente einbanden (wie CYPRESS HILL, die BEASTIE BOYS oder die damals grandiosen BODY COUNT) oder die herrlich politischen RAGE AGAINST THE MACHINE. Seitdem ist es in dem Genre bis auf leider noch immer erfolgreiche Teeniehelden wie LINKIN PARK eher ruhig geworden.

Umso überraschender, wenn Flo Mounier von CRYPTOPSY auf einmal mit einer Rap-Metal-Band auftaucht. Und noch überraschender, wenn sich dieses Seitenprojekt mit dem auch an die 90er erinnernden Bandnamen DIGITAL DOOMZDAY („z“ statt „s“ – ziemlich mutig!) sich als verdammt gut hörbar entpuppt!

Der gute Herr Mounier macht auf „Breed ’Em And Weep“ gemeinsame Sache mit Justin Bender (von den kanadischen Kollegen INTO ETENITY), Troy Bleich und dem Frontmann, dessen Name sich schon reimt: Saint I Ain’t (irgendetwas sagt mir dass das wohl auch ein Künstlername ist…).

Spieltechnisch nimmt sich Überschlagzeuger Mounier etwas zurück, die „Northern Hyperblasts“ (wäre auch ein cooler Bandname!) würden hier eh nicht so gut passen. Stattdessen gibt es eine Extraportion Groove mit dem einen oder anderen Ausreißer Richtung Death/Thrash. Gitarrist Bender sorgt für die knackigen Riffs, die als Unterlage für die geschmeidigen Raps von Saint I Ain’t dienen.

„Underworld Famous“ ist ein perfekter Einstiegstrack, mit viel Groove und der passenden Einleitung („we blast raps that blow stereos apart / we're Suffocation fans that think rap-metal sucks / so we're reinventing the style / turning the past into dust”), bevor „Dark Waters” die besten Zeiten von BODY COUNT beschwört. „It's the Rot That Counts” ist ein düsterer Track, der zum nächsten Groove-Monster mit dem etwas irreführenden Titel „Burt Reynolds” überleitet. „Rule The World” kommt ohne viel Metal aus und klingt mit den Bläsersamples eher wie eine dunklere Version von SLIM THUG. „Blunt Force Drama” und „Laying In Leaves” sind wieder düstere Rap- und Riff-Mischungen, „Satanic Panic” machen die Porno-Samples interessant. Ein Händchen für Wortspielchen haben die Jungs auch, wie man am Titel „Jihad Me At Hello“ merkt, der Track ist dann weniger spielerisch sondern eine nach vorn blastende Kampfansage. Im letzten Track werden „Angel Of Death“ von SLAYER und „She Watch Channel Zero?!“ von PUBLIC ENEMY verwurstet – bietet sich an, weil die Hip-Hop-Legenden das Sample von „Angel Of Death“ auch schon verwendet hatten. Interessanterweise ist gerade diese eigentlich gmahte Wiesn ein bisschen verzichtbar weil ein bisschen die eigene Note fehlt, die die Jungs auf den vorigen Tracks ausgezeichnet hat. Ein anderer kleinerer Kritikpunkt ist der, dass bei manchen Tracks die Gitarrenriffs allzu dominant sind, sodass man die Texte nicht immer gut verstehen kann – bei Hip Hop (aus gutem Grund) eher die Ausnahme.

Textlich bieten DIGITAL DOOMZDAY nicht allzu viel Neues, die „Bitches“ und was man gerne mit ihnen machen würde sind natürlich immer ein Thema, genauso wie politische Ansagen (und manchmal auch eine Kombination: „I’d take a hooker with a rack / over war with Iraq“) und Aliens (ja, hat auch mich überrascht).

Über das gesamte Album kommt „Breed ‘Em And Weep“ am ehesten wie eine Mischung aus den Riffs von CLAWFINGER und BODY COUNT und düster-zynischen Raps von Leuten wie ILL BILL, NECRO oder der verrückten INSANE CLOWN POSSE daher. Keine schlechte Sache! Und so schaffen DIGITAL DOOMZDAY etwas, was man kaum mehr für möglich gehalten hätte: ein gelungenes Album, das Rap und Metal mischt.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Luka (24.01.2016)

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