Megadeth - Dystopia

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VÖ: 29.01.2016
Bandinfo: MEGADETH
Genre: Metal
Label: Universal Music Austria
Lineup  |  Trackliste

Jedes Mal wenn Oberexzentriker Dave Mustaine seine nahezu komplette Mannschaft austauscht, ist der Aufschrei in der meist selbsternannten Expertentruppe der Journaille ein riesengroßer. Nun erwischte es Chris Broderick und Shawn Drover, schon meinen viele der neue Rundling „Dystopia“ sei das Beste was MEGADETH seit langer, langer Zeit veröffentlicht haben und bringen hier sogar den „Rust In Peace“-Meilenstein ins Gespräch. Gut soweit wollen wir uns jetzt nicht aus dem Fenster lehnen, nimmt man aber die einleitenden „The Threat Is Real“, den Titelsong und auch „Fatal Illusion“ als Anschauungsbeispiel, darf man dem oft griesgrämigen Rotschopf eine mehr als tadellose Leistung attestieren.

Lediglich bei der von Dave M. samt Toby Wright verantworteten Produktion und den darauffolgenden Mixing-Duties von Josh Wilbur will beim Rezensenten, vor allem im Schlagzeugbereich, nicht so rechte Freude aufkommen. Die Drum-Spuren sind an klinischer Sterilität kaum zu überbieten und auch die doch in den Vordergrund gemischten Gitarren hätten eine gehörige Portion mehr Wumms vertragen.

Aber wie schon beim OK-gegangenen „Super Collider“ geht den beiden Daves samt ihren Neuzugängen Chris Adler (Schlagzeug; LAMB OF GOD) und Kiko Loureiro (Gitarre; ANGRA) mit zunehmender Album-Spieldauer irgendwie die Luft aus. Das mit eher suboptimalem Refrain geschmückte „Death From Within“ zeigt schon erste Anzeichen in diese Richtung, die kann das akustisch beginnende „Bullet To The Brain” noch wegwischen und der „Symphonies Of Destruction“-Sound Alike „Post American World” gar zertrümmern, aber ab dann wird es eigentlich ein wenig belanglos und auch ideenarm.

Da helfen weder ein erneutes Akustik-Intro im deutlich progressiv ausgerichteten „Poisonous Shadows”, die Klassik-angelehnte Gitarrenspielerei vor „Conquer Or Die”, noch das gar räudige, aber über weite Strecken dahinplätschernde „Lying In State“. Lediglich das abschließende FEAR-Cover zu „Foreing Policy“, welches ob seines Punk-Charmes richtig rotzig daherkommt, weiß gegen Schluss noch mal zu überzeugen.

Einerseits ist Mustaine auf „Dystopia“ einen relativ sicheren Weg gegangen, die Reminiszenzen an die eigene Bandvergangenheit sind zeitweise exorbitant in den Vordergrund gerückt worden, andererseits hat der Kerl aber doch diverse Füller verbraten, die das neue Langeisen von MEGADETH zwar über den direkten Vorgänger „Super Collider“ hieven, aber nüchtern betrachtet um nichts besser sind als die auch guten jüngeren Veröffentlichungen á la „Endgame“ bzw. „TH1RT3EN“.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Reini (20.01.2016)

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