KAIPA - Solo (1978) / Händer (1980) / Nattdjurstid (1982) - Remastered Editions

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VÖ: 29.01.2016
Bandinfo: KAIPA
Genre: Progressive Rock
Label: SPV / Tempus Fugit
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Lineup  |  Trackliste

Ende der Siebziger war wohl die einzige schwedische Band, die über die Grenzen ihrer Heimat hinaus bekannt war, ABBA. Die wenigsten wissen aber wahrscheinlich, dass sich im Land der Elche und Selbstbaumöbel schon damals eine recht lebhafte und kreative Prog-Szene etabliert hatte, zu deren Haupt-Protagonisten auch die - heute immer noch aktiven - KAIPA zählten. Mit Hans Lundin ist zwar nur noch ein Gründungsmitglied seit 1973 fast durchgehend aktiv, aber die Band fungierte über die Jahre hinweg immer wieder als Sprungbrett für andere Musiker, so hat etwa ein gewisser Roine Stolt (FLOWER KINGS, TRANSATLANTIC) sein Gitarrenhandwerk in der Combo verfeinert, und der Ausnahmebassist Jonas Reingold sowie SCAR SYMMETRY-Gitarrero Per Nilsson zählen seit vielen Jahren zum fixen Team von KAIPA. Aber reisen wir zurück in eine Zeit, als überall in der Welt schon die Punk-Irokesen gen Himmel standen und die Jugend die Schnauze gestrichen voll hatte vom Rockdinosaurier-Bombast.

KAIPA war das alles ziemlich egal, und weil im Ausland sowieso die wenigsten Notiz von der Band nahmen, wurden die Texte bis Anfang der Neunziger auch ausschließlich in Schwedisch verfasst. Nachdem CMM voriges Jahr bereits die remasterten Versionen der ersten beiden Alben "Kaipa" (1975) und "Inget Nytt Under Solen" (1976) in den Fachhandel geschmissen hat, kommen jetzt mit "Solo" (1978), "Händer" (1980) und "Nattdjurstid" (1982) drei nicht ganz unrelevante Alben der Combo zum Zug; die Zeit war immerhin nicht gerade eine einfache für ein paar Hippies mit Visionen. Auf "Solo" wirkt noch die GENESIS-Phase mit Peter Gabriel unbewusst nach, was sich in einigen Kompositionen auch durchaus niederschlägt ("Total Förvirring"), auch YES haben ihre Spuren hinterlassen, vor allem die Huldigung auf "Respektera Min Värld" ist unüberhörbar. Auf "Händer" dann der Stilbruch.

Der kalte Krieg wurde gerade wiederbelebt, THE POLICE gaben einen neuen, stilbefreiten Tonfall in der Popkultur an, die elektronische Musik von ALAN PARSONS und MIKE OLDFIELD etablierte sich endgültig - alles Faktoren, die "Händer" und "Nattdjurstid" zu bemerkenswerten und ziemlich unkonventionellen, wenn auch dem damaligen Zeitgeist angemessenen Alben machen. Weg vom traditionellen Prog, hin zu mehr oder weniger poppigen Strukturen, die aber immer noch progressiv genug waren, ein Wandel, den etwa auch Bands wie TOTO oder RUSH (etwa auf "Grace Under Pressure") durchmachten. Inwieweit KAIPA damals nach Deutschland geschielt haben, lässt sich nicht mehr ganz nachvollziehen. Ich bilde mir aber ein, dass gerade "Nattdjurstid" ziemlich von der Neuen Deutschen Welle beeinflusst klingt.

Was wahrscheinlich auch am übertriebenen Einsatz von Synthesizern und lustigen, ungewöhnlichen Melodien ("Speglarna", "Krig") liegt. Der Umstand, dass die Band auch immer ein wenig im Krautrock zuhause war, schimmert ab und an durch, wird aber spätestens auf "Händer"  von der Synthie/Bass-Überpräsenz förmlich erschlagen. Dennoch: für Genreliebhaber sind diese drei Platten schon alleine wegen ihrer Exotik empfehlenswert, und gerade heute, wo sich ehemalige Prog-Größen wie KING CRIMSON oder VAN DER GRAF GENERATOR noch einmal zu altem Glanz aufschwingen, klingen die KAIPA von damals fast schon wieder modern. Drei echte, liebenswürdige Zuckerl!
 



Ohne Bewertung
Autor: Mike Seidinger (06.02.2016)

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