DARK QUARTERER - Ithaca

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VÖ: 24.04.2015
Bandinfo: DARK QUARTERER
Genre: Progressive Metal
Label: Metal On Metal Records
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Lineup  |  Trackliste

Gut Ding braucht ja bekanntlich Weile, und so manche CD braucht anscheinend fast ein Jahr, bis sie auf meinem Schreibtisch landet, so geschehen zumindest in diesem Fall. Und sie werden wohl auf ewig die Underdogs bleiben, die sympathischen Italiener von DARK QUARTERER. Während andere Prog-Acts zuhause ihre goldenen Badezimmerarmaturen polieren, dümpeln die Genre-Vorreiter aus der Toskana immer noch irgendwo unter "ferner liefen" herum. Gianni Nepi und Paolo "Nipa" Ninci, die die Band bereits 1978 aus der Taufe hoben, haben sich aber mittlerweile jedoch mit ihrem Status als Underground-Heroes abgefunden und scheinen sogar zufrieden mit dem Umstand zu sein, nicht weltberühmt sein zu müssen (was der fidele Haufen auch in unserem Interview aus dem Herbst 2014 ausdrücklich unter Beweis stellt). Erste größere Aufmerksamkeit in der Metal-Community erregten DARK QUARTERER mit ihrem 1988 erschienenen Zweitlingswerk "The Etruscan Prophecy", das in sämtlichen Genre-Zeitschriften überschwängliche Reviews erhielt. Trotzdem blieb die Band relativ unentdeckt und unbekannt, veröffentlichte aber mit südländischer Trotzigkeit drei weitere, hervorragende Alben, und 2012 wurde das Debut "Dark Quarterer" zum Fünfundzwanziger neu aufpoliert und frisch eingespielt.

Mit ihren Sidekicks Francesco Sozzi und Francesco Longhi - quasi die zweite Generation bei DARK QUARTERER - wollen es die beiden ergrauten Herren jetzt noch mal wissen, und "Ithaca" muss sich auch keineswegs hinter anderen Prog-Alben der Gegenwart verstecken, im Gegenteil. Hat man sich erst einmal an Nepi's eigenwilligen Gesang gewöhnt und seinen liebenswürdigen Italo-Akzent ins Herz geschlossen, eröffnet sich einem eine wahre Wundertüte der anspruchsvollen Musik. Konzeptuell sich selbst treu bleibend (fast immer sang man über historische, mystische Gegebenheiten), stehen die sieben Songs ganz in der Tradition des frühen Italo-Prog, jedoch perfekt ins neue Jahrtausend gehievt: wuchtige Hammond-Burgen, wabernde Basslines, die Krautrock-Querverweise vor allem durch Nepis Kopfstimme und diverse filigrane Ausschmückungen, die treibenden Drums von Nipa Ninci. Und nicht nur ich wundere mich nach diesem Hörerlebnis immer wieder, warum um Himmels Willen diese Band nie die ihr gebührende Aufmerksamkeit bekommen hat.

Ich denke auch nicht, dass sich dieser Umstand mit "Ithaca" großartig ändern wird, obwohl ich es natürlich insgeheim hoffe. Wer solch Rohdiamanten wie das gigantische "The Path Of Life" mit seinem fast schon thrashigen Mittelteil raus lässt, wer solch unprätentiös spektakuläre Gänsehaut-Hymnen wie "Night Song" zu schreiben vermag, wer bei "Mind Torture" sogar Doom-Gegrowle mit BLACK SABBATH-Riffs und CONCEPTION-Melodien verknüpft, der muss doch bitte auch mal irgendwo auf diesem Planeten Gehör finden? Wer solch flotte Hammond-Headbanger wie "Escape" aus dem Ärmel schüttelt, mysteriös-atmosphärisches Liedgut in Form von "Nostalgia" ohne jeglichen aufgesetzten Pathos erschaffen kann, der muss doch irgendwann auch bei der Prog-Hörerschaft des dritten Jahrtausends ankommen! Wer mit "The Rage Of Gods" einen musikalischen Felsen aus dem Erdboden auferstehen lässt, der alles hat, was ein harter progressiver Song braucht und der sogar teilweise an THERION erinnert, wer selbst einen beim ersten Hinhören etwas unspektakulären Song wie "Last Fight" (Inklusive Hidden Track) mit diversen Raffinessen und Rock-Vibes erstrahlen lässt, der muss doch nicht unter "ferner liefen" herumdümpeln?

Daher drängt sich mit zunehmender Spieldauer von "Ithaca" immer mehr die Frage auf: Warum?
Um die Antwort zu finden, sollten wir uns einfach diese Platte zulegen und sie verschlingen, sie aufsaugen, sie erleben. Denn genau das kann man hier, und während DREAM THEATER sich selber momentan mit zweistündigen Rockopern im Weg stehen - das hier wäre eine gute Alternative. Gebt dieser Band bitte eine Chance, sie hat es längstens verdient!
 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (09.02.2016)

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