Beyond The Black - Lost In Forever

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VÖ: 12.02.2016
Bandinfo: BEYOND THE BLACK
Genre: Symphonic Metal
Label: AIRFORCE1 RECORDS
Lineup  |  Trackliste

Huch? Erschien nicht vor knapp einem Jahr erst das Debüt von BEYOND THE BLACK? Die Aufmerksamen unter uns werden festgestellt haben, dass dem tatsächlich so ist und so verwundert es doch, dass die deutsche Nachwuchshoffnung aus dem Symphonic Metal Bereich nach so kurzer Zeit bereits nachlegen kann... Die Band war sehr gefragt, spielte viele Konzerte und war auch durch diverse andere Termine eingenommen. Wie also bewerkstelligt es eine so dermaßen junge Truppe, ein Jahr nach dem ersten Longplayer nachzulegen? Ganz einfach, indem sie von einem Produzententeam namens Elephant Music unterstützt wird. Wer dahinter steckt? Hauptsächlich Hardy Krech, Mark Nissen und Annett Lorenzen-Krech. Das sind die leitenden Personen hinter Elephant Music, die bereits EINIGE Songs für andere kommerziell erfolgreiche Künstler wie MODERN TALKING, PASSION FRUIT oder auch DJ ÖTZI geschrieben und produziert haben. Ich will ganz ehrlich sein: Zu Zeiten des Debüts von BEYOND THE BLACK war mir diese Info in der Form nicht bekannt, doch wer mal einen Blick ins Booklet der neuen Scheibe "Lost In Forever" wirft, der wird feststellen, dass fast ausnahmslos JEDER Song von diesen Produzenten komponiert und geschrieben wurde. Einzig und allein an drei Songs war Sängerin Jennifer Haben kompositorisch beteiligt, drei weitere Songs wurden in Kooperation mit Sascha Paeth, seines Zeichens u.a. AVANTASIA Produzent/Gitarrist, auf die Beine gestellt. Selbst was die Instrumente betrifft, werden im Booklet ZIG Personen aufgelistet, die z.B. Lead- und Rhythmus-Gitarren eingespielt haben. Stellt sich eine berechtigte Frage: WAS für einen Job übernahm die Band im Zuge dieser Produktion? Wurden die Songs pfannenfertig von der Produktionsfirma im Alleingang aufgenommen, was am Ende quasi nur noch durch Jennifer's Vocals vollendet werden musste? Zu 100% werden wir diese Frage in diesem Review nicht klären können, doch besteht in meinen Augen kein Zweifel daran, dass dies der falsche Weg ist, den diese Band bestreitet...Wer die blutjunge Truppe live bestaunen durfte, der wird festgestellt haben, dass das keine Anfänger sind. Warum also scheinen sie kaum involviert, was den gesamten Songwriting Prozess angeht? Man weiß es nicht...

Nach dieser ausführlichen Einleitung wollen wir uns natürlich am Ende des Tages dennoch der Musik widmen, die uns auf dem Zweitling erwartet. "Lost In Forever" ist rein musikalisch die konsequente Fortsetzung vom Debüt "Songs Of Love And Death", wirkt textlich hier und da manchmal zwar extrem kitschig und aufgesetzt, kann aber rein von der qualitativen Perspektive her dennoch überzeugen. Der Titeltrack prescht sogar mit verhältnismäßig rohem Sound aus den Boxen und weiß im Mittelteil mit netten Growleinlagen sowie Blastbeats zu überzeugen. Sängerin Jennifer Haben ist auch zweifelsohne ein talentiertes junges Mädel, das mit einer wunderbaren Stimme gesegnet wurde. Hochkomplexe Songs sucht man auf der Platte zwar vergebens, doch Songs wie die Powerballade "Beautiful Lies", die ein fulminantes Duett zwischen Jennifer und Rick Altzi (MASTERPLAN) zeigt, machen einfach Spaß und lassen nicht vermuten, dass hier im Endeffekt nur Produktionsfirma XY am Werke ist/war. Besonders gut gefällt mir die Kombination aus "Beyond The Mirror" und "Halo Of The Dark", die sicherlich den stärksten Part der Platte verkörpert. Während "Beyond The Mirror" mit ordentlicher Gewalt nach vorn stampft und mit einer dicken Portion Atmosphäre zu punkten weiß, drückt "Halo Of The Dark" erstmal auf die Tränendrüse, wuchtet aber folglich mit folkloristischen Elementen aus den Boxen und lässt den Hörer alles außer kalt. Etwas nervend wirkt die zähe und ZU aufgesetzt wirkende Ballade "Against The World", die mir schon nach dem ersten Durchlauf als Durchfall wieder unten raus kam... Besser trifft es da der Abschluss mit "Love's A Burden", wo Sascha Paeth seine Songwriting-Künste unter Beweis stellen durfte. Ein sehr ruhiges und doch extrem wirkungsvolles Stück, das mit leichten Mitteln zu überzeugen weiß. Mit "Heaven In Hell" zeigen BEYOND THE BLACK ihre bis dato härteste Seite und verdeutlichen, dass man nicht nur auf poppige Art und Weise zu punkten weiß.

So möchte ich zum Abschluss betonen, dass ich musikalisch sehr angetan bin, was "Lost In Forever" angeht, doch mit den ganzen Hintergrundinfos bleibt ein extrem bitterer Beigeschmack übrig. Gefühlt wurde die Platte von einem großen Produzententeam zusammengeschustert, welches am Ende nur noch die Tonspuren von Sängerin Jennifer hinzuaddieren musste und das war's. In einem uns angebotenen Mailer-Interview habe ich diese ganzen offenen Fragen kritisch hinterfragen wollen, doch erreichte uns bis heute (Über zwei Wochen nach Übermittlung der Fragen) keine Antwort. Das mag man interpretieren wie man möchte, doch fällt es mir durch genau diese Faktoren extrem schwer, die Platte unvoreingenommen zu genießen. Ich denke, dass diese Tatsache dem Ruf der Band noch weiter Schaden zufügen wird, doch der vorprogrammierte Erfolg wird ihnen bzw. insbesondere dem Produzententeam recht geben. Die Frage ist, wann dieses Kartenhaus zusammenbricht, denn wie wir alle wissen, lassen sich Puppen ungern eine Hand in den Arsch schieben...



Ohne Bewertung
Autor: Sonata (18.02.2016)

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