Todtgelichter - Rooms

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VÖ: 26.02.2016
Bandinfo: Todtgelichter
Genre: Black Metal
Label: Supreme Chaos Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Was ist bloß aus den TODTGELICHTERn geworden? War "Angst" noch ein absoluter, zurecht häufig als deutsches Black-Metal-Referenzwerk rezitierter Höhepunkt der Diskografie, scheiden sich bei "Apnoe" auch heute noch die Geister. Wenngleich kein schlechtes Album per se, hat man hierauf immer noch bei zu vielen Passagen das Gefühl, dass die Hamburger Formation um das Pärchen Tentakel Parkinson und Marta einfach viel zu viel auf einmal bzw. ein zu großes Potpourri aus zig verschiedenen Stilen anbieten wollte. Nun steht also "Rooms" an und listet ein vakant verändertes Bandgefüge, das sich auf Album #5 mit Tod, Dämonen sowie Erinnerungen befasst und mit dem im Jahre 2015 beigetretenen Organist/Keyboarder Frieder Loch wiederholt um neue Facetten bemüht ist.

Damit ist für diejenigen, die mit "Apnoe" schon ihre Kämpfe ausgetragen haben, eigentlich auch schon fast alles gesagt, oder? Jein. Im Einstiegsstück "Ghost", das mit seinem dissonanten Gitarrenspiel, den zaghaften Gothic-Momenten und den fast schon wirren Melodiebögen hörbar nach dem Einreißen sämtlichster Genregrenzen strebt, was einerseits zwar durchaus gelingen mag, andererseits aber jedwedes Aufkeimen von Atmosphäre unterbindet, fühlt man sich zunächst noch vehement an den Vorgänger erinnert. Vielschichtigkeit der Vielschichtigkeit wegen eben, worunter der Tiefgang unglücklicherweise etwas leidet. Dafür kriegt man im anschließenden "Schrein" nach proggigem, mit Soli verziertem Intro das ein oder andere Überbleibsel der Black-Metal-Phase der Hamburger vorgesetzt, die mit teils eingängigen, teils mehrstimmigen Klargesängen, kleineren Post-Rock-Extrakten und fast schon simpel strukturierten Riffsplittern zu einem schwarz-glänzendem Edelstein zusammengesetzt werden.

Der größte Pluspunkt von "Rooms" liegt aber woanders verborgen: Schon beim ersten Durchgang vernimmt man enormes Grower-Potenzial, was ich von seinem Vorgänger nicht wirklich behaupten kann. Und das, obwohl die TODTGELICHTER an ihrer Experimentierfreude festgehalten haben, wie man schon an den überaus passend platzierten Interludes "Lost" und "Necromant", die mit düsteren Keyboard- und Orgelklängen nicht nur zu überraschen, sondern auch zu überzeugen wissen, erkennen kann. Abgesehen vom Opener setzen die Damen und Herren ihre Sperenzchen auf dem fünften Album also merklich souveräner um, wovon auch die in ihrer Grundstruktur ruhigeren "Shinigami" und "4JK", die mit kontrollierten Ausbrüchen (man beachte bei letzterem die rockig-rotzige Note) für Aha-Momente sorgen, profitieren.

Trotzdem braucht "Rooms" aufgrund eben dieser Komplexität viel Zeit, da es für den Hörer stets viel zu verarbeiten gilt. So wird man in "Origin" in einem Moment mit psychedelischen Hammond-Orgeln hypnotisiert, um im nächsten Moment von "Pacific" in ein endlos erscheinendes Meer verstoßen zu werden. Gibt man diesem Werk allerdings einige Chancen, lernt man, wie man mit ihm umzugehen hat, was wiederum ähnlich unverhofft wie die Entscheidung kam, Marta zur Hauptfigur des gesanglichen Geschehens zu erheben. Zwar erwies sich die bisher eigentlich im Background agierende Dame mit ihrer unvergleichlichen Stimmlage schon in der Vergangenheit als Geschenk für TODTGELICHTER und den Stil, den sie in ihrer Kunst ausleben wollen, aber auch als Dreh- und Angelpunkt des Gesamtkunstwerks weiß die Dame zu beeindrucken und lässt wie auch der instrumentale Teil der Band (Freder Loch kann sich als Bereicherung dartun) auf "Rooms" eine unterm Strich starke Leistung erkennen, bei der nur der Einstieg und das etwas schwächelnde "Zuflucht" eine noch höhere Bewertung verhindern.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (25.02.2016)

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