Myrath - Legacy

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VÖ: 12.02.2016
Bandinfo: MYRATH
Genre: Progressive Metal
Label: Nightmare Records
Lineup  |  Trackliste

Es gibt ja Länder, die nicht dafür bekannt sind, eine hohe metallische Dichte aufzuweisen. Tunesien ist wohl eines davon. Dass sich die Progressive-Formation MYRATH davon keineswegs abschrecken lässt und sich seit Jahren und mit steigendem Erfolg behauptet, zeigen die Alben, mit denen sie sich Mal zu Mal selbst toppen und die Live Appearances, die immer weitere Kreise ziehen. Nach „Hope“, „Desert Call“ und dem starken „Tales Of The Sands“ kann man nun mit „Legacy“ auf das vierte Album stolz sein. Und damit auf ein stimmiges Gesamtkonzept, das sich in sich geschlossener, eingängiger und geradliniger als der aufbrausende Vorgänger „Tales Of The Sands“ anhört, ohne dabei aber an Kraft und Spannung zu verlieren, oder gar langatmig zu erscheinen. Die Balance von Ohrwurm-Lastigkeit, orientalischen Spielereien, musikalischer Virtuosität und der altbekannten Progressivität stimmt mehr denn je. 

Auf dem neuen Album erwarten den Hörer große, hymnenartige Melodien, starke Riffs, schnelle Soli, tragende Keyboard-Linien und ein grandioses Rhythmik-Gewitter von seiten des Drummers Morgan Berthet. Nicht zuletzt zeigt Zaher Zorgati auf unverkennbare Weise, dass seine Stimme mit Höhen und Tiefen gleichermaßen klarkommt wie auch mit den sehr verschnörkelten arabischen Gesängen, die zusammen mit der orientalisch-tonalen Spielart der Keyboards einen guten Teil des Sounds prägen. 

Die Progger, die sich allesamt an musikalischem Talent und Qualität nichts vorschreiben lassen müssen, haben sich die Einflüsse von arabischer/ nordafrikanischer Musik zum Markenzeichen gemacht. Und auch diese Tonalitäten sind bei „Legacy“ dezenter verpackt, in die Songstrukturen eingebettet und dennoch klar und allgegenwärtig. Die Ecken und Kanten, die „Tales Of The Sands“ mit sich gebracht hat, sind weitgehend verschwunden. Das Album klingt dadurch mehr nach „Easy Listening“. Das heißt aber nicht, dass „Legacy“ auch nur eine Sekunde lang das Gefühl von Seichtheit und Langweile aufkommen lässt. Wie so oft steckt die Güte im Detail. Die instrumentalen Kompositionen sind im Einzelnen so gut ineinander verschachtelt und verbastelt, dass der Sound fließend, durchgängig und leicht klingt. Eine große Einheit, die stimmig und in sich geschlossen wirkt, wodurch großartige Musik entsteht. Die Kompositionen MYRATHs bleiben nicht nur im Ohr hängen, sie verstehen es auch, Stimmungen und Bilder zu vermitteln, eine bestimmte Tragik oder Kraft aufzubauen, die auch durch die Texte getragen wird. Abhängigkeit und Befreiungsschläge jeglicher Art werden in den Lyrics thematisiert und passend dazu gibt es eine ordentliche Portion gefühlter und musikalischer Spannung, Dramatik und Power. 

Nach dem orientalisch-symphonischen Einstieg mit „Jasmin“ wird der Rhythmus direkt aufgenommen und zum Haupttrack „Believer“ übergeleitet (Zu diesem Titel wurde ein aufwändig produziertes Video im cineastischen Stil a la „Prince Of Persia“ gedreht.). Das Lied stellt sicher eines der Aushängeschilder des Albums dar und besticht durch große Melodien und ein hymnenartiges Auftreten. Energiegeladen und schwungvoll geht es ab bei „Get Your Freedom Back“. Das Solo in diesem Stück übernimmt hier übrigens nicht die Klampfe, sondern der Bassist mit seinem Sechssaiter. Stücke wie „Nobody´s Lives“ sind dramatisch und orientalisch geprägt. Harte Song-Aufhänger wie bei „The Needle“ oder „Storm Of Lies“ fehlen genauso wenig wie die vorsichtig und tief gestartete Stimme zu Beginn, die sich dann in die Höhe schraubt und Spannung und Energie schafft, wie es bei „Endure The Silence“ der Fall ist. Dass Dramatik und Bildgewalt bei „Legacy“ eine Rolle spielen, zeigt „The Unburnt“, dessen Komposition einem cineastischen Hintergrund entspringt. Niemand Geringerem als dem Game Of Thrones-Charakter Daenaerys Targaryen ist das Stück gewidmet. Kraftvoll im Midtempo-Bereich dröhnt „I Want To Die“, während „Duat“ wohl eines der progressivsten Stücke darstellt und den Hörer in die Mystik Ägyptens entführt. Den würdigen Abschluss bildet „Other Side“, wo noch einmal auf die Platte gelegt wird, was MYRATH ausmacht. 

MYRATH finden von Album zu Album mehr den eigenen musikalischen Weg, der nun mit „Legacy“ im nächsten Höhepunkt mündet (Dabei erhält die Truppe noch immer nicht die Aufmerksamkeit, die sie meiner Meinung eigentlich verdienen würde). Jedenfalls liefern sie mit dem neuen Album ein großartiges Werk ab. Ein Werk, das stark beginnt und stark endet, ohne im Mittelteil zu schwächeln. Durchgehend spannend zu hören, auch zwei Mal, drei Mal oder…ständig. Und auch wenn das Jahr noch jung ist, kann man „Legacy“ von MYRATH sicherlich zu den Top-Alben des Jahres 2016 dieses Genres zählen. (Einmal im Jahr - so habe ich mir vorgenommen - darf ich volle Punktezahl vergeben. Und das tue ich - jetzt!)




Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (08.03.2016)

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