GOATPSALM - Downstream

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VÖ: 29.02.2016
Bandinfo: GOATPSALM
Genre: Ambient Black Metal
Label: Aesthetic Death
Lineup  |  Trackliste

Eine Vielzahl an ominösen Expeditionen in russischem Gebiet haben ergeben, dass dort mit der beste Nährboden für authentische Düsterkunst existiert, den man nur vorfinden kann. Irgendwo in der Pampa, in sumpfartiger und wild vegetierender Umgebung konnte ich zuletzt dem Treiben von GOATPSALM lauschen, die ihre Heimat stilecht als "ever-roaring abyss" bezeichnen und mit "Downstream" eine Ausgeburt vertonen, die gleichermaßen eigenartig und einzigartig ihre finsteren Fänge ausbreitet.

Zunächst sind aber nur Naturklänge, also rauschendes Wasser und entfernte Vogelschreie zu vernehmen, die nach und nach mit bedrohlichem Ambient und Flüstern ausgebaut werden und allmählich erahnen lassen, worauf man sich hier eigentlich eingelassen hat. Hat man diesen Teil überwunden, fesselt "Grey Rocks" mit seinem tribalartigen Schlagwerk und seinen beharrlichen Doom-Metal-Riffs, während das Keyboard im Hintergrund weiterhin sein Unwesen treibt und dabei gelegentlich von akustischen Gitarren sowie der Sanshin unterstützt wird. Klingt einerseits obskur, ist andererseits aber auch effektiv, weil die elf Minuten in Windeseile vergehen und man das Gefühl nicht los wird, hier etwas Neuartiges geboten zu bekommen.

Das fördert einen Entdeckungsdrang, dessen Reiz die Kernstärke von "Downstream" ist und mit "Flower Of The Underworld" bereits das nächste zu studierende Exemplar vorfindet, das anfänglich vor allem durch die verwendete Okarina auffällig wird und infolgedessen in abyssische Funeral-Doom-Sphären hinabsteigt. Die dazwischen platzierten, kleineren akustischen Ruhephasen, zu denen sich später noch weiblich-beschwörende Gesänge gesellen, lockern das Geschehen gekonnt auf und zeugen von ausgereiftem Songwriting. Gänzlich unbeschriebene Blätter sind die Herrschaften ja nicht, wo doch Vaarwel beispielsweise schon seit Jahren mit FROZEN OCEAN sehr produktiv und zumeist auch qualitativ hochwertig im Atmo-Black-Metal-Sektor auf sich aufmerksam macht.

An manchen Stellen sieht man allerdings auch noch Verbesserungspotenzial, was hauptsächlich die beiden beschließenden Songs "The Waylayer (A Great Spring Hunger)" und "Downstream" betrifft, die musikalisch zwar weiterhin interessant bleiben, dafür aber etwas langatmig bzw. gestreckt erklingen. Das könnte auch daran liegen, dass man mit dem großartigen Ambient-Interlude "White Sea" und den zwei metallischeren Brocken "Orphan" bzw. "Of Bone And Sinew", die allesamt nicht länger als sechs Minuten andauern, auf den Punkt kommt und mit vereinzelten Chören und den oben beschriebenen Einflüssen das vorhandene Repertoire weitestgehend aufbraucht.

Beeindruckend ist "Downstream" in vielen Momenten nichtsdestotrotz und primär dann, wenn man denkt, man hätte in diesem Genre schon alles gehört. Dem ist nämlich nicht so, wie GOATPSALM zu widerlegen wissen und dass dabei ein Album rausspringt, das nicht nur möglichst schräg und andersartig sein will, sondern gleichwohl auch mit in sich schlüssigen Strukturen und intensiver Atmosphäre zu überzeugen weiß, spricht für sich und das enorme Potenzial, das in den Russen steckt. Ohne jeden Zweifel gilt es, dieses Projekt weiterzuverfolgen, denn hier könnte in Zukunft etwas ganz Großes entstehen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (21.04.2016)

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