Draugnim - Vulturine

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VÖ: 11.03.2016
Bandinfo: Draugnim
Genre: Pagan Metal
Label: Debemur Morti Productions
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

DRAUGNIM hatten in ihrer 17-jährigen Bandgeschichte schon mit so manchem Umstand zu kämpfen: Viele Besetzungswechsel, die Flutung ihres Proberaums und einige weitere Problemchen führten vor dem bärenstarken Debüt "Northwind's Ire" beinahe dazu, dass es die finnische Pagan Metal Combo gar nicht gegeben hätte. In Anbetracht dessen sind die sechs Jahre Wartezeit bis zu ihrem im diesjährigen März erwachenden Drittling "Vulturine" nicht allzu verwunderlich, wenngleich ich erst kürzlich, beim Durchhören der ersten zwei Werke, schon so ein wenig das mulmige Gefühl hatte, das Trio aus Espoo könnte unlängst Geschichte sein - was sich zum Glück nicht bewahrheitete.

Zum Glück nicht bewahrheitet hat sich auch die vom Artwork abgeleitete Sorge, DRAUGNIM würden anno 2016 auf ihre charakteristische Mixtur aus MOONSORROW, SUMMONING und - mit Abstrichen - BATHORY verzichten und in beliebigere Black-Metal-Niederungen hinabsteigen. Vom Gegenteil überzeugt einen nämlich "That Name Is Hate", das kaum Anlaufzeit benötigt und spätestens mit den typisch-majestätischen Keyboardgebilden bei Bandkennern wohlige Erinnerungen hervorrufen wird. Unter anderem genau das hat seinerzeit nämlich dafür gesorgt, dass sich DRAUGNIM in Pagan-Metal-Kreisen einen achtbaren Grad an Popularität erspielen konnten und schnell mit Szenegrößen in Verbindung gebracht wurden. Dass sie sich genau das verdient hatten, sickert auch wieder auf "Vulturine" desöfteren durch, wobei den Finnen damals wie heute noch die gewisse Extraklasse fehlte bzw. fehlt, um zur Spitze aufschließen zu können.

Das liegt im Detail daran, dass sich neben vielen Lichtmomenten wie in "As In Hunger, So In Demise", in dem auch die melodische Gitarrenarbeit eine tragende Rolle annehmen kann, auch viele biedere Augenblicke platzieren. So gehen dem mit an die "Nattestid ser porten vid"- und "Over Bjoergvin graater himmerik"-Phase von TAAKE erinnernden Gitarrenharmonien dekorierten "A Passage In Fire" wie auch dem noch zäheren "Drums Of Black Death" (beginnt ebenfalls stark) nach kurzer Dauer die Luft aus und somit die Spannung ab. Dafür offenbaren DRAUGNIM mit "Grief Unsung" und dem beschließenden Neunminüter "Serpents Stone" zwei ihrer bisher besten Songs, die sich an ihren tiefschürfenden Melodien, den vereinzelten Chören und dem dadurch stets im Kopf aufkommenden, erhabenen Bilderspiel bereichern können.

Hätten sie dieses Niveau über die volle Distanz durchgezogen, hätten DRAUGNIM das beste Album ihrer bisherigen Karriere in der Hand gehalten und einigen Kapellen richtig Dampf gemacht. So lässt "Vulturine" an einigen Stellen leider zu wünschen übrig und scheitert hier und da auch am etwas trivialen gesanglichen Auftreten von Mikko "Chimedra" Häkkinen, der sich schon in der Vergangenheit nicht immer gleichwertig zu den instrumentalten Kompositionen inszenieren konnte. Klingt härter, als es tatsächlich gemeint ist, denn trotz allem ist "Vulturine"  ein größtenteils hörenswertes Erlebnis für Genre-Fans, das entgegen aller Widrigkeiten noch genügend Eigenart besitzt, um nicht als belanglose Kopie diverser Szenegrößen abgeschmettert zu werden.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (12.03.2016)

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