ARTILLERY - Penalty By Perception

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VÖ: 25.03.2016
Bandinfo: ARTILLERY
Genre: Thrash Metal
Label: Metal Blade Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Seine Erfolgsformel hat das dänische Thrash-Outfit auch für den aktuellen Output gefunden. So fräst dem Hörer gleich eingangs ein messerscharfer Thrash-Riff den Schädel entzwei. Das fesselnde, brutale und fette Riffing sollte als wesentliches Asset der Dänen auch der ständige Begleiter in den nächsten 53 Minuten bleiben. Was abgedroschen klingt, muss aber gerade bei ARTILLERY ins Treffen geführt werden, die ja mit dem 2013er "Legions" dank des neuen Sängers Michael Bastholm Dahl einen markanten Schwenk in Richtung Melodie und Power Metal-Sangeskunst vollzogen hatten. Über die gesamte Spieldauer offenbart sich jedoch das Neo-EXODUS-Phänomen, wenn die Dänen, anstatt fette, knappe Thrash-Nackenbrecher zu schreiben, die Songs auf "gefühlte" (die Songlänge beträgt im Durchschnitt knapp fünf Minuten) Überlänge ausdehnen. Wahrscheinlich hat man aufgrund dieser Tatsache auch das Gefühl, dass vieles in die Länge gezogen ist und dass die Band das immer gleiche Gitarrenriff zu bemühen scheint (etwa "Sin Of Innocence"), das man schon zuvor gehört zu haben meint.

Der Einstieg erfolgt mit "In Defiance Of Conformity" amtlich, gleich dahinter brettert mit "Live By The Scythe" ein weiteres Highlight daher. Was für knackige Riffbretter, ein wahres Freudenfest für jeden Genre-Fan. Der sehr starke Titelsong "Penalty By Perception" überzeugt mit geilem Refrain und beschließt das mörderisch starke Eröffnungs-Triple. Ab nun wird es ein wenig austauschbar, auch wenn "Mercy Of Ignorance" von einem geilen, rockigen Riff getragen wird und "Sin Of Innocence" die Rückkehr der Oriental-Einflüsse (a la "Chill My Bones") zelebriert. Das einprägsame "Rites Of War" oder "Cosmic Brain" marschieren amtlich, aber gerade Tracks wie "Deity Machine" und "Path Of The Atheist" offenbaren dann doch, dass sich das Ganze eher zäh klingt und sich ein wenig im Kreise zu drehen scheint. Mangelnde Ideen oder Willen zur Abwechslung darf man den Alt-Thrashern aber trotzdem nicht absprechen, man höre etwa das balladeske "When The Magic Is Gone". Alles zweifellos gelungene Songs, dennoch hat keiner der Titel auf "Penalty By Perception" das dynamische, einprägsame Format von Neo-Fixpunkten wie "10.000 Devils" oder "Chill My Bones".

So bin ich trotz tiefer Verehrung für das Frühwerk und der Verneigung vor den geilen Rhythmuswechseln und dem ultraknackigen Riffwall, der einem auf dem neuen Dreher entgegenschlägt, dennoch in meiner Euphorie gebremst. Unterm Strich bin ich fast ein bißchen sauer auf die Dänen, die statt ein zackiges Thrash-Fest mit einprägsamen Krachern im Stile des Eingangsdoubles abzufackeln, sich doch im Kreis zu drehen scheinen, die immer gleich klingenden Riffs bemühen, ein wenig zu viel herumsolieren und auch dem zweifellos geilen Gesang und Melodien auf Kosten der Prägnanz zu viel Platz einräumen. Ein Verzicht auf das billig-häßliche, an "My Blood" erinnernde Artwork mit dem Sensenmann hätte zudem gut getan. Dennoch darf jeder Thrash-Fan hier zugreifen, es wartet ein amtlicher Thrash-Abriß mit melodiösem Gesang auf ihn, der allerdings meines Erachtens weit knapper, kompromißloser und zackiger erfolgen sollte.

Neben der neuen METAL CHURCH ein Beispiel dafür, dass aus geilem Riffing und tollem Sänger nicht zwangsläufig ein Bombenalbum mit Mördersongs und modernen Song-Klassikern gedeihen muß.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (21.03.2016)

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