MORBID SAINT - Spectrum Of Death (Extended Edition)

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VÖ: 11.03.2016
Bandinfo: MORBID SAINT
Genre: Thrash Metal
Label: Century Media Records
Lineup  |  Trackliste

Vom eröffenden Paukenschlag "Lock Up Your Children" bis zum letzten Ton der Langrille knallte uns das Wisconsin-Outfit anno 1990 mit ihrem (bereits zwei Jahre zuvor eingespielten) Album ein derart brachiales und hyperschnelles Brett vor den Latz, dass es eine Wonne war. Rabiater Thrash Metal in bester Manier der Speerspitze des US- und Teutonen-Thrashs (v.a. DARK ANGEL, KREATOR, POSSESSED, SODOM und SLAYER seien als Referenzbands genannt) regiert und auch wenn MORBID SAINT keinen Innovationspreis gewinnen, so kompensiert der Fünfer die mangelnde Originalität mit Tightness, krachiger Brachialität und kompromißloser Härte. „Spectrum Of Death“ ist eine Wündertüte in Sachen fette Schädelspalter-Riffs (etwa "Crying For Death") Nackenbrecher-Rhythmuswechsel, infernale Gitarrensoli, Doublebass-Gewitter und hemmungslos-wüstem Thrash-Gebolze, dass die restliche Thrash-Riege in Sachen Geschwindigkeit teilweise nur den Auspuff des HiSpeed-Geschoßes MORBID SAINT bestaunen kann, dermaßen entfesselt und ekstatisch geben die Amerikaner Gas.

Herausragende Meisterleistungen werden mit dem Opener, dem Holtidipolter-Kracher "Scars" und dem hysterische Stakkato-Riffer "Damien" intoniert, der sich wie eine Spitzhacke präzise durch die Schädeldecke hämmert. Abseits der genannten Trademarks und dem bissig keifenden, hallig in Szene gesetzten Sänger Pat Lind, der Mille vor dem geistigen Auge die "Flag Of Hate" hissen läßt, lassen aber auch der akustische Titeltrack, die geilen, fast hektischen Rhythmuswechsel ("Assassin") sowie die Mördergrooves in "Beyond The Gates Of Hell" die Ohren spitzen. Die rabiaten Brutalo-Brecher auf diesem Debutdreher des US-Outfits brettern dermaßen gnadenlos und ungezügelt wild nach vorn, dass Herzrasen vorprogrammiert ist und einem schier die Atemluft abgeschnürt wird, so auch in Erinnerung vom Europa-Premieren-Gig der Band am Keep It True-Festival 2013, der nicht nur mich trotz einer eher farblos agierenden Band mit großer Freude erfüllte und warm trainierte Nackenmuskeln für den Headliner POSSESSED hinterließ.

Viel zu schnell findet die Langrille "Reign In Blood"-ähnlich "epischen" Laufzeitformats (32 Minuten) ihr Ende. Doch mit den in diesem kurzen Zeitraum runtergeholzten acht Songs bringt es der Fünfer ohne Pseudo-Ich-beherrsche-mein-Instrument-und-zeige-es-euch-auch-in-jeder-Spielminute-Gefrickel, ausladenden Soloduellen oder gesanglichen Achterbahnfahrten auf den Punkt und knallt uns "Spectrum Of Death" vielmehr kurz, knapp und knackig mitten in die Fresse. Auch wenn viele aktuelle 80er-Re-Releases hochkarätige Qualität vorgaukeln, es sich aber meist um unbeachtete, zweifellos gute, aber wenig stilprägende oder genrewichtige Orchideengewächse handelt, muss man "Spectrum Of Death" zwar nicht in Vergangenheitsverklärung zum Nonplusultra hochstilisieren, aber zweifellos zu den genrewichtigen und besten Alben im Thrash Metal zählen. Wer diesen Dreher nicht kennt, kann kein Thrashaholic sein!

Neben massig Fotos, Flyern & Co. aus dem Archiv des einzig verbliebenen Urmitglieds, Jay Visser, bietet diese Extended Edition auch noch rare "Destruction System"-Demotracks, 4 Songs neueren Datums sowie das 1992 aufgenommene, wuchtige, aber niemals offiziell veröffentlichte "Destruction System"-Album, das mit guten, nach vorne tretenden Perlen im Stile der oben Genannten (und verwandter Brutalo-Mörder wie DEVASTATION) mit Infernal-Gekeife von Pat Lind, im Rough Mix, remastered von Patrick W. Engel, aufwartet. Die Karriere dieser High Class-Combo hätte ruhig etwas glücklicher verlaufen können, verdient hätten es die Underdogs jedenfalls, wie dieser Doppeldecker eindrucksvoll untermauert. Aufgrund des absoluten Klassikerstatus des namensgebenden Albums und dem massig raren wie hochwertigen Bonusmaterial (vor allem mit der starken zweiten CD) eine sehr wertige Angelegenheit.

Klassikeralbum und bombiges Bonusmaterial - Pflichttermin für jeden Thrash-Lunatic!



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (15.03.2016)

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