INTERMENT - Scent Of The Buried

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VÖ: 01.04.2016
Bandinfo: INTERMENT
Genre: Death Metal
Label: Pulverised Records
Lineup  |  Trackliste

Schweden ist einfach ein leiwandes Fleckchen Erde, um (sich) zu(m) sterben (zu betten) oder fachgerecht töten zu lassen: Das Land der Elche ist nämlich gleichzeitig auch das Land allerfeinster Elchtod-Massaker und schon damals, also zu Demo-Zeiten, wussten NIHILIST um die Effektivität ihrer scharfen Stichsägen Marke Eigenbau und dass nach geglückter Opfersuche additive fachgerechter Zerlegung nur noch Fetzen übrig bleiben würden. Seither floriert diese romantische Tätigkeit so sehr, dass sich GRAVE zuletzt voller Mitleid dachten, gegenüber den Toten nur ein einziges Mal etwas Respekt walten zu lassen und dafür im Nebenstübchen ertragreich drauf los zu fleddern - was soweit eigentlich prima funktionierte. Aber weil die Szene der Hobby-Mörder deshalb allmählich darauf hinsteuert, allzu zahm zu werden, dachte sich die aus Avesta stammende Formation INTERMENT einmal mehr, auf diese Respektschiene zu scheißen und fleißig allerlei untote Überreste aufzulesen, um deren Gerüche anschließend im stillen Kämmerlein liebevoll in zehn Kategorien unterzuordnen. Titel der Feldstudie? "Scent Of The Buried". Für die Öffentlichkeit zugängig ab Anfang April.

Vereinigt haben sich die Spitzbuben übrigens nur ein Jahr nach den legendären Nihilisten, die später als Serienmörder mit dem Namen ENTOMBED Ruhm erlangten und selbigen heutzutage emsig durch jede erdenkliche Drecklache schleifen. Abgesehen von der ein oder anderen Demo hat sich in all den Jahren allerdings kaum Material bei INTERMENT angesammelt, weswegen erst 2010 das Debüt "Into The Crypts Of Blasphemy" und wir deshalb bei der Band heute nicht von einer waschechten Schwedentod-Legende, sondern "lediglich" von einem großartigen Undergroundact sprechen, der mit eben jenem "Scent Of The Buried" nun die zweite Full-Length-Scheibe serviert. Das Erfolgsrezept ist dabei denkbar unkompliziert, denn INTERMENT zählen einen echten Sägenexperten in ihren Reihen: Johan Jansson. Ja genau, das ist der Herr, der DEMONICAL schon seit einigen Jahren fehlt - was sich bei dieser Kapelle ein Weilchen nach dem Abgang übrigens direkt negativ auswirken sollte.

Was soll ich sagen? Der Mann ist einfach eine Macht in diesem Sektor und stellt das, zusammen mit dem gar nicht mehr so neuen Gitarristen Toob Brynedal, in den zehn neuen Symphonien der Abscheulichkeit auch anschaulich unter Beweis. Klar, produktiv wie ein Rogga Johansson ist Jansson nicht, aber dafür leiert sich letzterer alle paar Jahre Hochkaräter aus den Rippen, zu denen Millionensassa Johansson auch in hundert Jahren nicht in der Lage sein wird, sorry. Eines der besten Beispiele dafür findet man direkt am Anfang mit "Death And Decay", das in seinem finsteren Intro zunächst die wahrlich hoffnungsvolle Atmosphäre einer völlig heruntergegammelten Krypta einfängt, um die gut 40-minütige Schlachtorgie im Anschluss munter einzuleiten. Mit von der Partie sind dabei auch die ein oder andere Doublebass-Attacke sowie erbarmungslose Grooves, die Erinnerungen an die allerbesten Zeiten des Genres wecken.

Von genau diesen herrlichen Reminiszenzen vergangener Tage können INTERMENT auch heuer wieder einige auf der Habenseite verbuchen, wobei man hier explizit den extrem geilen Titeltrack-Zerstückler, "Unholy Upheaval" und "Nailed To The Grave" hervorheben muss, deren schierer Uptempo-Riffurgewalt nahezu nichts entgegenzusetzen ist. Da können nicht mal die verbleibenden Songs mitziehen, die qualitativ aber kaum hinterherhinken und stets um einen im Rahmen stattfindenden Abwechslungsreichtum bemüht sind. Da findet man in "Sinister Incantation" beispielsweise einige schnörkellos-peitschende Soli, in "Chalice Of Death" gedrosseltes, mit abyssischen Melodien angereichertes Gemetzel oder in "Skull Crushing Carnage" gar hysterische Ausschreitungen vor, die dem Oldschool-Death-Metal-Fan genau das kredenzen, was er sich von dieser Sparte erwartet.

Bleibt zum Schluss noch hervorzuheben, dass INTERMENT trotz der offensichtlichen Herkunft nie wie eine Kopie klingen und zudem den Bonus auf ihrer Seite haben, nicht ausgelutscht zu klingen - was gerade in diesem Sektor Gold wert ist und die Spreu vom Weizen trennt. "Scent Of The Buried" ist also nichts weniger als eine sehr gut gelungene Elchtod-Verwirklichung, die nicht nur der wieder einigermaßen hörbaren ENTOMBED A.D. locker flockig die Haut von den Knochen reisst, sondern auch den Jungspunden zeigt, dass es noch schwedische Institutionen gibt, auf die man sich auch heute noch verlassen kann und an denen man nicht einfach so mir nichts dir nichts vorbeizieht.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (25.03.2016)

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