ASP - VERFALLEN, Teil 2: Fassaden

Artikel-Bild
VÖ: 01.04.2016
Bandinfo: ASP
Genre: Gothic
Label: Trisol
Lineup  |  Trackliste

Knapp ein halbes Jahr ist es erst her, dass das musikalische Multitalent ASP mit dem ersten Teil seines "Verfallen"-Album-Zyklus' namens "Astoria" die Geschichte eines ehrwürdigen Leipziger Hotels wieder aufleben ließ, legt dieses mehr als vielschichtige Musikprojekt nun den zweiten Teil dieser Reihe ab. Dieser hört auf den klingenden Namen "Fassaden" und knüpft thematisch nahtlos an den starken, wenn auch teils verwirrend-pathetischen Vorgänger an. Während in "Astoria" inhaltlich noch vor allem auf die Geschichte, den Mythos, den Verfall des Astoria-Hotels Bezug genommen wurde, taucht die Hauptfigur der Rahmengeschichte nun erneut in das mysteriöse Zwielicht des Hotels ein. ASP arbeiten hier mit einem Konzept hinter dem Konzept, setzen auf doppeldeutige Referenzen, erzählen eine Geschichte in Form von vielen Geschichten, die alle irgendwie miteinander verbunden sind. Fronter und Künstlerkopf Spreng setzt dabei auf die Gegenüberstellung von inneren Gefühlswelten und äußeren Wahrnehmungen. Es geht um den Holocaust und um die in den 40ern umtriebigen Faschisten ebenso wie um die profane, pure Liebe gegenüber vier alten Wänden in Form eines mittlerweile abgefuckten Hotels. "Fassaden" treibt das Storytelling im Gothic Metal-Bereich auf die Spitze, ist dabei aber weit weniger verkopft als sein Vorgänger "Astoria" und damit auch deutlich eingängiger und weniger sperrig.

Und genau das tut einem als Hörer so gut. Dass "Fassaden" auf Anhieb "funktioniert". Ohne zu simpel gestrickt, zu auffällig anbiedernd zu sein - ganz im Gegenteil. Das vorliegende, umfangreiche Album (Spielzeit ca. 78 Minuten) ist im Hintergrund ähnlich komplex aufgebaut worden wie der erste Teil, dürfte sogar quasi im selben Zeitraum entstanden sein, doch das merkt man als aufmerksamer Hörer überhaupt nicht. "Fassaden" klingt ganz eigen, ganz anders, viel unmittelbarer, viel direkter. Und genau deshalb tu ich mir mit diesem Album viel weniger schwer als mit seinen zahlreichen Vorgängern, die immer wieder eine Vielzahl an Durchgängen benötigt haben, um seine gesamte Qualität zu entfalten. Das kann man mögen, manchmal tut es aber auch gut, wenn man in die Klangwelten von ASP noch schneller, noch effizienter eintauchen kann. Das ermöglichen einem die "Fassaden", denn Songs wie "Fortsetzung folgt... 2 (Vorspann)", der beispielsweise direkt an den Closer des letzten Albums anschließt, gehen schon beim ersten Hördurchgang ins Ohr, reißen mit, wissen zu gefallen. Ähnlich geht es mir mit dem hypnotisch-treibenden "Das Kollektiv", mit dem fast schon fröhlichen Rocker "OdeM" oder dem exzessiv-eingängigen "Unwesentreiben". ASP schaffen es, ihren ureigenen Sound auf ein Neues so auf Konserve zu pressen, dass er neu, innovativ und einfach ganz besonders klingt. "Fassaden" ist - man kann es auch bei diesem Album nicht anders sagen - eine fantastische Mischung aus gediegenem Gothic Rock, der auf Metal-Versprengsel, opernhafte Chanson-Elemente und poppig-schlagereske Refrains trifft. Das Ganze versehen mit einer geheimnisvoll-historischen Backgroundstimmung und einem durchgängigen Erzählkonzept und schon ist der quasi perfekte ASP-Output fertig. Und läuft - nach seinem Ausfaden nach fast eineinhalb Stunden - gleich wieder von vorne an. Denn nicht vergessen: "Fortsetzung folgt". Ja, hoffentlich...



Ohne Bewertung
Autor: mat (09.04.2016)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: IMMORTAL - The Seventh Date Of Blashyrkh
ANZEIGE