HERESY OF DREAMS - Ante la Bestia

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VÖ: 28.03.2016
Bandinfo: HERESY OF DREAMS
Genre: Heavy Metal
Label: Art Gates Records
Lineup  |  Trackliste

Dass Heavy Metal sehr nach Power klingt, eine Nuance Thrash-Anleihe einbringt und trotzdem vollkommen klischeebefreit ganz gut funktioniert, beweisen HERESY OF DREAMS. Die Spanier, deren einziger englischer Bezug in ihren Texten aus ihrem Bandnamen besteht, haben drei Jahre nach ihrem Debutalbum „Nuestra Ley Es Esta“ nun den zweiten Longplayer „Ante la Bestia“ herausgebracht. Und damit einen großen Schritt in Richtung Eingängigkeit, Stimmigkeit und zielgerichteter Härte getan. Das zweite Album lässt sich mit Fug und Recht als gute Weiterentwicklung betrachten. 

In den zehn Tracks halten sich die Spanier nicht mit schönen Verzierungen und übertriebenen Melodien auf, sondern bringen in kraftvoller Weise auf den Punkt, wie Heavy Metal klingen kann, ohne nach Genre-Kollegen zu klingen. Es wird auf große Schnörkel und verschlungene Soli verzichtet, die Bass- und Rhythmussektion hat einen hohen Stellenwert und eine tragende Rolle im Aufbau der Songs. Dazu kommt die markante, drückende Stimme von Chema Fernandez, die sich von jedem klischeehaften klaren Gesang abhebt und dafür mit rauer Kraft und Druck den räudig-dreckigen Sound der Gitarren unterstützt. Zudem halten die Spanier nicht viel von langsamen Tempi und kleinen Verschnaufpausen, wird der langsamste Track auf dem Album allenfalls auf Midtempo runtergebremst. Ansonsten ist Vollgas angesagt. Einziger Wermutstropfen mag sein, dass durch die sehr direkten Kompositionen, die auf manches schmückende Beiwerk verzichten, die Individualität mancher Songs verloren geht. So wird die erste starke Hälfte des Albums von durchaus guten und soliden Songs abgelöst, deren Wiedererkennungswert und Merkbarkeit allerdings etwas nachlassen. Dies soll aber auch nicht glauben machen, dass die Tracks der zweiten Hälfte Langeweile aufkommen lassen würden. Mitnichten. Das Rezept, direkt und geradeheraus zu powern, geht von Anfang bis Ende auf. Kämen wir dann nur noch zu den spanischen Lyrics. Sei es drum, wer des Spanischen nicht mächtig ist, wird trotzdem den Refrain mitgröhlen können und ein „Quiero Heavy Metal“ bekommt auch ein Nicht-Spanier angemessen und mit Inbrunst aus seiner Kehle. Versteht man sich dahingehend immerhin in jeder Sprache. Gute Stimmung und „Mit-Mach-Liedchen“ haben HERESY OF DREAMS also durchaus im Programm. 

Wenn man einen genaueren Blick (oder ein genaueres Ohr?) riskiert, bekommt man Folgendes geboten: Nach einem zwar spannungserzeugenden, aber dennoch eher unspektakulären Intro startet das Album gleich mit dem Namensgeber „Ante la Bestia“. Die Spanier haben gut daran getan, diesen Track auszuwählen. Er stellt die Band mit den rauen Vocals, der kraftvollen Gangart und dem schnellen Tempo vor und lässt mit Sicherheit die ein oder andere Faust ballen. Der Sound treibt und reißt mit. Die dreckig schrammenden Gitarren leiten dann weiter zu „Contra el Fuego“, eine ebenso treibende Nummer wie die Nummer vier, die sich „Bienvenido al Juego“ übertitelt und mit kleinen Sound-Special-Effects ankommt. Erst bei „Divide y Venceras“ wird ein wenig Tempo herausgenommen ohne dabei auf Druck und Härte zu verzichten. Der Track klingt getragener, hymnenhafter und durch den betonten Rhythmus und die sich aufbauende und entwickelnde Melodie zeugt es wohl von zweifelhafter Willenskraft eines Zuhörers, sich nicht bewegungstechnisch irgendwie am Song zu beteiligen. „Immortal“ fegt dann wieder in bekannter Double-Bass-Geschwindigkeit weiter und ist vorerst das letzte markante und eigeständige Stück auf dem Album, ehe die Songs ein wenig zu schwächeln beginnen. Auch wenn „Liberando tu Dios“ mit Keyboard-Einspielungen beginnt und somit heraussticht, klingt der trotz allem starke Song ein wenig nach schon-da-gewesen. Der Track mit dem kleinsten Wiedererkennungswert und ohne markante Eckpunkte ist wohl „Imparable“, gefolgt von „Titan“, obwohl hier zumindest die Melodielinien sehr ins Ohr gehen, dafür aber ein wenig die Spannung verloren geht. Mit „Quiero Heavy Metal“ haben HERESY OF DREAMS aber wieder alles richtig gemacht, vor allem, indem sie einen solchen Track mit markantem Mitgröhl-Refrain und fast schon poetischer Aussage als Rausschmeißer platzieren. Power, dreckiger Ausdruck, Schnelligkeit und ein Refrain, der die Fäuste in die Höhe ballen lässt, treffen aufeinander und bilden den Abschluss eines soliden Albums, das Härte und Kraft zuhauf bedient, Melodie aber zum Mittel für den Zweck sieht und nicht als Ausdruck, sich beweisen zu müssen. „Ante la Bestia“ ist ein solides und gut gelungenes Album, das den Vorgänger qualitativ und musikalisch definitiv abgehängt hat und Heavy Metal fernab von großen Geschnörkel bietet. 





Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (18.04.2016)

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