Aborted - Retrogore

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VÖ: 22.04.2016
Bandinfo: ABORTED
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

The doctor is in - again. And he brought some nasty shit along.

Logo, ABORTED waren ja schon immer abartig, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie sich die Belgier von Album zu Album in Sachen perverser Lyrik und mörderischem Songmaterial steigern. Auf "Retrogore" kramen Svencho und seine seit dem nekrotischen Manifest weitestgehend gleichgebliebene Mannschaft (Aufklärung folgt unten) ganz tief in der Mottenkiste der Abnormitäten und liefern damit bereits ihr neuntes Langeisen ab, auf dem man sogar, wenn man dem grandiosen Christopher-Lovell-Cover Glauben schenken darf, den ersten richtigen Verwendungszweck für den Nintendo Power Glove herausbekommen hat. Nach dem starken Appetizer "Termination Redux" folgt nun also die nächste Full-Length-Schlachtung, welche nebst gewohnter Kost auch ein paar Verfeinerungen/Neuerungen in der Rezeptur verzeichnen kann.

Anfangs ist aber noch alles beim Alten, wobei der Doktor heuer nicht alleine durch den Vordereingang spaziert, sondern mit dem Totengräber Francesco Dellamorte aus dem Film "DellaMorte DellaMore" aufschlägt, um mit dem Burschen gemeinsam ein adäquates Ambiente für die anschließende Titeltrack-Blastbeat-Randaliererei zu schaffen. Apropos Atmosphäre: Im darauffolgenden "Cadaverous Banquet" entsteigt Obersicko und Serienmörder Gary Heidnik seinem Grab, der sich u.A. diverse Damen gefangen hielt und einige tote Überreste dieser mit der ein oder anderen Dose Hundefutter im Mixer anreicherte, um das Erzeugnis anschließend an die Überlebenden zu verfüttern. An dieser Stelle bekommt Neu-Klampfer Ian Jekelis (ex-ABIGAIL WILLIAMS) eine tragende Rolle zugespielt, indem er einige finstere Black-Metal-Harmonien in das ansonsten ballernde Melodeath-Korsett flickt und mit dem Outro-Sample der Thematik entsprechend am Boshaftigskeits-Faktor schraubt. Wer darüber hinaus glaubte, dass Herrn de Caluwé die Themen ausgehen würden, hat sich massiv verzettelt. Sollte er doch mal einen Tag der Ratlosigkeit erwischt haben, verarbeitet er in einem Song wie "Forged In Decrepitude" einfach Filmklassiker à la "Der Re-Animator", an dessen Plakat übrigens auch der ein oder andere neue ABORTED-Promoshot angelehnt ist.

Ebenfalls schwarzmetallisch angehaucht sind auch "Whoremageddon" (war im Inventar der Belgier wohl längst überfällig), "Coven Of Ignorance" und "Divine Impediment", das vorab ein mal wieder exzellentes Video spendiert bekommen hat und ein teils richtig krankes Riffing von der Leine lässt. Das verleiht dem ansonsten recht strikten ABORTED-Stil eine neue Richtung, die man bei all der herrlichen Gasgeberei auch nötig hat, um der Gefahr der Selbstkopie zu entgehen. Das darf man an dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen, denn kaum eine Band versteht es so dermaßen gut, Technik, Brutalität und Catchiness ("Termination Redux"; "Bit By Bit") in ein ansprechendes Gesamtpaket zu verpacken - was ihnen mithilfe dieser kleineren Tweaks aber auch auf "Retrogore" wieder prächtig glückt.

Will heißen: ABORTED sind auch im Jahre 2016 verdammt verlässlich. Nachdem sich das Besetzungskarussell längst nicht mehr so vehement dreht, erweckt das Quintett mehr und mehr den Eindruck, dass man es mit einer richtig gut eingespielten Truppe zu tun bekommt, bei der sich jeder Beteiligte einen Wolf abspielt um die größtmögliche Death-Metal-Orgie zu kredenzen, die neben all den geilen Tracks mit "The Mephitic Conundrum" und "From Beyond (The Grave)" auch noch zwei lupenreine Smash-Hits an den Start schickt und die ohnehin schon runde Sache nochmals abrundet - die prominenten Gastsänger von CATTLE DECAPITATION und Co. tun da ihr Übriges.

Was gibt es dazu also noch zu sagen? ABORTED bleiben ABORTED bleiben ABORTED. Hatten Svencho und Gefolge mit "Strychnine.213" eine zumindest für viele Fans kleinere Schwächephase, so sind sie allerspätestens seit "The Necrotic Manifesto" wieder ganz die alten Metzgermeister, die immer ihre treue Fanschar hinter sich hatten und dieser nun auch "Retrogore" schenken. Immer, wenn man also glaubt, dass ABORTED unlängst alles gesagt hätten, kommen die Jungs mit einem neuen Album um die Ecke und überzeugen mit geschickt eingewobenen Mini-Innovationen und ihrem urtypischen Sound vom Gegenteil. Davon werden ich und auch viele andere Herrschaften in den nächsten Jahren immer wieder gerne hören, denn in dieser Verfassung sind die Herren einfach eine Instanz in diesem Sektor.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (18.04.2016)

WERBUNG: Hard
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