INFERNÄL MÄJESTY - Nigrescent Years Of Chaos

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VÖ: 25.04.2016
Bandinfo: INFERNÄL MÄJESTY
Genre: Thrash Metal
Label: Vic Records
Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Im Thrash Metal ist es wie in jedem Genre. Es gibt die unumstößlichen, unantastbaren Klassiker-Alben und Heerscharen von Kopien (diesfalls etwa von EXODUS und SLAYER), die prominent besetzte erste Liga, die weniger originelle, aber oft nicht schlechtere zweite Liga (geografisch darf weiters in US- und den Teutonenthrash, Kult aus Südamerika oder Erlesenes aus England etc. unterteilt werden), zudem gibt es wie überall noch die Geheimtipps (Combos, die einfach Karrierepech hatten oder zu originell für ihre Zeit waren) und schließlich noch die Alben, die gerne in der historischen Nachbetrachtung zum Kult erhoben werden und im Echtzeit-Betrieb jener Tage (meist zu Recht) eher Randerscheinungen waren (zu spät erschienen, Kopien oder einfach nicht wirklich gut). Wo INFERNÄL MÄJESTY einzuordnen sind, bleibt jedem selbst überlassen. Für mich als Zeitzeuge ist das heute abgefeierte Debut 50% verkannter Geheimtipp und 50% verklärter Kultisten-Nostalgie-Hype.

Klar ist, dass die geilen Promopics, die wie ein Hybrid aus Hair Metal und Proto-Black Metal wirkten und so aussahen, als hätten TIGERTAILZ und CELTIC FROST gemeinsam eine Band gegründet, Aufmerksamkeit erregten, mit dem geilen "Ä"-Umlaut im Bandnamen (das Pendant zum MOTÖRHEAD-"Ö") sowie einem völlig überzeichneten Image (mit massig Spikes und Nietenarmbändern) das Interesse auf sich zogen und alle dunklen und okkulten Klischees bemühten, sodass die Band anfangs in die "Black" Metal-Ecke (die damals freilich noch eine weitaus andere Bedeutung als Jahre später hatte) gestellt wurde. Den Sound der Kanadier, die auszogen, mit ihren kanadischen Speed-Kumpanen jener Jahre, SACRIFICE, SLAUGHTER oder RAZOR zu beweisen, dass schneller, harter Sound auch aus Ahorn-Country kommen darf, kann man dabei irgendwo zwischen SODOM, VENOM, DARK ANGEL und POSSESSED ansiedeln, wobei man alle möglichen Einflüsse entdecken kann.

Abgefeiert wird die jahrs zuvor als OVERLORD gegründete Band aus Toronto heutzutage vor allem dafür, dass sie 1987 mit "None Shall Defy" einen schwarzen Rohdiamanten schliffen. Auch wenn der Erfolg ausblieb, so zählt das Debut etwa mit seinem Titelsong zum Pflichtfundament eines jeden qualitätsbewußten Thrashers. Die Vorgeschichte sowie die Nachwehen zu diesem Kultalbum dokumentieren Vic Rec. nun auf dieser Compilation. Zu hören gibt es das 1986er Demo, auf dem bereits die Herzstücke des via Roadrunner erschienenen "None Shall Defy" enthalten waren. "Overlord", "Night Of The Living Dead", "S.O.S." und "Skeletons In The Closet" sind hier in ihren Urfassungen zu hören, welche in Tapetraderkreisen die Vorfreude auf das Debut schürten.

Den Bandkennern ist die Historie dieses Brachialkommandos ohnehin vertraut. Der Plattendeal war kurz nach dem Erstling wieder futsch und man machte sich an die Produktion eines 2-Track-Demos, das auch titelinspirierend für diese Veröffentlichung ist. Kein großer Wurf, zudem waren beide Songs für damalige Verhältnisse dem Zeitgeist entsprechender ("Into The Unknown") bzw. progressiver ("Hell On Earth") angehaucht. Alle Bemühungen waren leider nicht zielführend in puncto Plattenvertrag, sodass 1991 mit "Creation Of Chaos" ein weiteres Demo folgte. Von der Ursprungsbesetzung war nur mehr das Gitarrentandem am Start, am Mikro ist ein gewisser Vince (Donald Kuntz) zu hören, der sich auf diesem einen Demo mit der Band verewigte. Für höhere Weihen, sprich einen Labeldeal, reichte es trotz einer Neueinspielung des gelungenen "Into The Unknown", nicht.

Zumindest in Bezug auf das "None Shall Defy"-Debut offenbaren schon die weitaus roheren und soundmäßig schwächeren Demoversionen den Reifegrad des Songmaterials. Für die Fans, welche der Band bis heute teils hündische Verehrung zuteil werden lassen, ist somit alles Material bis zum 1998er-Comeback "Unholier Than Thou" auf - mit geilem Coverartwork und Linernotes versehener und remasterter - CD erschienen, sodaß dem Kult um die Kanadier weiter hemmungslos gefrönt werden kann (ein neues Album ist in der Mache!), auch wenn die Truppe ihren Zenit bereits mit ihrem Debut überschritten hatte.



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (30.04.2016)

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