DEEP PURPLE - Live In Long Beach 1976 (2016 Edition)

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VÖ: 29.04.2016
Bandinfo: DEEP PURPLE
Genre: Hard Rock
Label: earMusic
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Lineup  |  Trackliste

Zu einem Klassiker bzw. einer Rarität darf man das DEEP PURPLE Album „Live In Long Beach 1976“ zählen. Warum? Weil es ein ganz besonderes Line-Up ist, das hinter diesem Album steckt, und weil sich darauf Live-Stücke finden, die man nur selten zu Ohren bekommt, da das dazugehörige Album von ebendiesem Line-Up eingespielt wurde. Zum nun 40-jährigen-Jubiläum wurde der Live-Mitschnitt neu gemastert und als Doppel-CD bzw. als LP-Variante, die drei Stück umfasst, neu aufgelegt.

Wer steckt nun hinter diesem Line-Up, das ich angesprochen habe, und das es nur 1975 und 1976 gab: Natürlich der damalige Sänger David Coverdale, sowie Virtuose Jon Lord am Keyboard und Ian Paice am Schlagzeug. Glenn Hughes zupft nicht nur den Bass sondern singt auch kräftig mit. Die Hauptänderung betrifft jedoch Tommy Bolin, der nur kurz anstelle von Richie Blackmore für das Gitarrenspiel bei DEEP PURPLE verantwortlich war, da er noch im gleichen Jahr verstarb.

Neben Klassikern wie „Burn“, „Stormbringer“ oder „Smoke On The Water“ – letzteres in der seltenen Version, wo „Smoke On The Water“ in eine Interpretation von „Georgia On My Mind“ übergeht – findet man auf „Live In Long Beach“ Songs des gemeinsam eingespielten Albums „Come Taste The Band“, wie zum Beispiel "Love Child“, "This Time Around“ und "Gettin' Tighter“.

Wenn man die 16 Songs des Live-Album durchhört, fallen einem umgehend mehrere Dinge auf:
Da wären einmal die zahlreichen und endlos langen Instrumental-Einsätze. Durch Schlagzeug-Solo, Gitarren-Solo, Keyboard-Solo und Bass-Solo werden Songs in Längen gezogen, die man heute nicht mehr kennt. „Lazy“ bringt es zum Beispiel auf 16 Minuten, „Stormbringer“ mit den unterschiedlichen Wechseln von rockig auf funky und retour, auf gut zehn Minuten. Andere Songs kommen völlig ohne Gesang aus, wie „Homeward Strut“ mit einem der typischen Bolin-Solos, das vom Bass dominierte „Owed To G.“, und natürlich das auch als solches bezeichnete Gitarren-Solo von Bolin.

Seitens Coverdale gibt es viele Abläufe, die er auch heute noch in seine Live-Shows bei WHITESNAKE einbaut: seine Song-Ansagen, seine Ansagen der Band-Kollegen, seine kleinen Stories, sowie die typischen hohen, spitzen Screams und „Auuu-Auuuuuuu“-Schreie. Coverdale ist aber nicht der einzige Sänger auf dieser Tour, auch Glenn Hughes übernimmt Gesangsparts.

Musikalisch bieten DEEP PURPLE auf diesem Live-Album einiges, insofern kann man es als ein Highlight der 70er Rock-Musik bezeichnen. Es kommen die unterschiedlichen Richtungen zur Geltung, die die Basis für den jahrzehntelangen Erfolg der Band sind. „Lady Luck“ ist intensiv bluesig-groovig, „Gettin‘ Tighter“ zeigt jazzige Anleihen und ist gleichzeitig eine funky Nummer, die mit einem mitreißenden, kräftigen Rock’n’Roll-Sound endet. Oder „This Time Around“, ein Song, der Stevie Wonder gewidmet wird, und in seiner Einfachheit mit Vocals und Keyboard voller Soul ist.

Ganz typisch für alle Songs ist die Gleichberechtigung der Instrumente neben den Vocals. Das Keyboard ist nicht nur dazu da, Highlights zu setzen, sondern dominiert lange Strecken, gleiches kann man für Glenns Bass-Spiel sagen. Gitarren-Riffs, Hooks und Soli gibt es bis zum Abwinken, weil jede Nummer damit überquillt. Die Riffs (auch wenn sie nun von Tommy Bolin kommen) und das Schlagzeug verleihen jedem Song den typischen Purple-Sound der 70er, der einen starken Hang zum Psychedelic Rock hat.

Das beginnt bereits bei dem Opener "Burn", der von den ersten Takten an die Menge zum Toben bringt, setzt sich fort über "Love Child" und findet natürlich seinen Höhepunkt bei "Smoke On The Water", dem Allzeit-PURPLE-Klassiker, wo sowohl Band als auch Publikum eine tolle Stimmung rüber bringen, und endet bei der Zugabe "Highway Star", einem Song, der richtig Speed drauf hat und wo jeder mitzuklatschen scheint, der sich im Publikum befindet.

Als besondere Daufgabe gibt es dann noch „Smoke On The Water“, „Going Down“ und „Highway Star“, aufgenommen in Springfield, ebenfalls 1976. Die Qualität ist bei diesen Aufnahmen ein Spürchen besser als bei Variante 1, ansonsten gibts aber keinen Unterschied, weil auch hier "Smoke On The Water" Richtung "Georgia On My Mind" schwenkt und "Highway Star" als Ende des Konzertes dient.

„Braucht man dieses Album?“ werden sich jetzt wohl einige fragen. Tja, da gibt es keine so einfache Antwort - das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Als alter und eingefleischter DEEP PURPLE Fan wird man es wohl benötigen, wenn das alte Werk nicht mehr die beste Qualität hat bzw. wenn man wirklich jede Sonderedition von ihnen haben will.

Für einen jüngeren bzw. neuen Fan wiederum ist es interessant, weil es jetzt schon ein echter Klassiker ist. Außerdem bekommt man das Line-Up Bolin, Coverdale, Hughes, Lord und Paice zu hören, das nicht lange zusammen war.

Auf jeden Fall ist es eine sehr gelungene Zusammenstellung von DEEP PURPLE Klassikern in Live-Aufnahme, die die Stimmung eines Konzertes in den 70ern hervorragend rüberbringt.

Einzig bei der Punktewertung tue ich mir schwer. Einerseits wäre das sicher ein Album, das seine 4 Punkte oder auch mehr wert ist. Da wir es jedoch mit einem Werk zu tun haben, das bereits seit Jahren auf dem Markt ist, und eigentlich viele schon kennen, verzichte ich auf eine Punktebewertung.



Ohne Bewertung
Autor: Lady Cat (22.05.2016)

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