Lord Vicar - Gates Of Flesh

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VÖ: 27.05.2016
Bandinfo: LORD VICAR
Genre: Doom Metal
Label: The Church Within Records
Lineup  |  Trackliste

“Conscious of his shaggy hide and from childhood untaught to swim, he dares not trust himself to deep waters.” Dieses Zitat des römischen Dichters Publius Papainius Statius über das Wesen der mythologischen Satyre, Dämonen in der Gefolgschaft des Dionisios, zierte 1873 in Paris das Gemälde des französischen Malers William-Adolphe Bouguereau. „Nymphs and Satyr“ des als Meister des „Akademischen Klassizismus“ und des „Klassischen Realismus“ geltenden Pinselschwingers Bouguerau, schmückt nun die dritte Langrille des aus den Brüchen von REVEREND BIZARRE hervorgegangenen Doom-Schwergewichts LORD VICAR – und das mehr als passend, zeugt doch sowohl das Gemälde, als auch „Gates Of Flesh“ von exquisitem Geschmack. Wie der Satyr von den Nymphen zum Wasser gezogen und in Versuchung geführt wird, so zieht uns „Gates Of Flesh“ hinab in eine Welt der bittersüßen Versuchung, an deren Verlockung sich immer die Zweischneidigkeit des Schwertes offenbart – „Birth Of Wine“, oder wie sich Hoffnung und aussichtslose Verzweiflung vermischen, zum puren Leben, dessen Ende unausweichlich scheint. Ein zähflüssiger Brecher, der fesselt und gleichzeitig mit seiner spielerischen Schwere erdrückt, das haben LORD VICAR schon zuletzt bei ihrem Gastspiel im Alten Kino Landeck bewiesen (zur Doom-Messe) und mit „Gates Of Flesh“ liefert man ein Glanzstück ab, an dessen Qualität selbst die größten Kritiker nichts auszusetzen haben dürfen!

Getragen wird man durch die antikosmische Schwere, in einer Welt aus Licht und Schatten – angestoßen und getrieben von den, von Herzblut tropfenden Kompositionen eines Kimi Kärki (Ex-REVEREND BIZARRE) und geführt von der verzweifelten und nach Erlösung lechzenden Stimme, des immer noch, stimmlich über allem stehenden Chritus Linderson„Children Of Doom“, ich verneige mich immer noch in voller Ehrfurcht vor dem alles und jeden zu Tode doomenden Meisterwerk und diesen Vocals! „Gates Of Flesh“ stößt eine neue Ära an, man verabschiedet sich vom Dogma der ewigst langen Doom-Walzen und zeigt sich auch durchaus kompakt, was einem, zum Niederknien geilen, nahezu in Rock-Tempo treibenden und dennoch immer noch Doom-Schwere verbreitenden, „The Green Man“ seine herausragende Stärke verleiht. „Breaking The Circle“ – gleiches Spiel, ein nahezu gleicher Abriss, denn LORD VICAR wissen, wie man fesselt, atmosphärische Spannungsbogen schafft und seine Zuhörer zwingt, niederzuknien und zu huldigen. Mit „Accidents“ darf man sich verneigen und hoffen, nicht von der zähflüssigen Lava verschlungen zu werden und wieder ist es Chritus, der hier mit seinen Vocals, die Jünger vor dem Plattenteller dazu bringt, sich selbst in Misanthropie und Weltschmerz das Herz aus der Brust zu reißen und sich davon das Maul blutig zu beißen, während es noch schlagend tropft. „A Woman Out Of Snow“ - bitter und düster - das perfekte Beiwerk für das große Finale „Leper Leper“ – der drückende Tod, in der Aussichtslosigkeit des Nichts! „Gates Of Flesh“ ist Doom – purer Doom in seiner besten und tief ergreifendsten Form ohne auch nur den Anflug einer Schwäche! Doom with LORD VICAR, or be doomed!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Laichster (27.05.2016)

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