Be'lakor - Vessels

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VÖ: 24.06.2016
Bandinfo: Be'lakor
Genre: Melodic Death Metal
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste

Heutzutage noch originellen Melodic Death Metal zu finden, ist keine einfache Aufgabe. Allzu leicht fallen die meisten Bands entweder in die lockende massenkompatibel-moderne Melocore-Falle oder in die entgegengesetzte wir-sind-oldschool-wir-spielen-das-was-vor-20-Jahren-super-war-weils-noch-immer-super-ist-Verherrlichungs-Falle.

Eine löbliche Ausnahme kommt aus Down Under, heißt BE’LAKOR und spielt seit vielen Jahren und drei Alben (unter anderem die hier besprochenen „Stone’s Reach“ und „Of Breath And Bone“) auch abseits der skandinavisch-deutsch-amerikanischen Death-Hochburgen auf einem absoluten Weltklasse-Niveau. Das wird beim vierten Full-Length-Output „Vessels“ wieder einmal deutlich.

Die Australier schaffen es nämlich, ihren Melodic Death Metal so komplex und abwechslungsreich zu gestalten, dass jedes Album zu einer neuerlichen, lang Spaß machenden Entdeckungsreise wird. Und das, ohne jetzt vom technischen Anspruch in die Frickel-mich-zu-Tode-Ecke zu driften.

BE’LAKOR greifen allgemein auf recht „normale“ MeloDeath-Bausteine zurück, was bei manchen Songparts an die schwedischen Klassiker (DARK TRANQUILLITY, IN FLAMES) erinnert. Von diesen Bausteinen verwenden die Jungs allerdings mehr als das normale Maß – andere Bands würden mit den Riffs, die BE’LAKOR in einem Song verwenden, ein Doppelalbum füllen – und kombinieren sie immer wieder auf spannende und abwechslungsreiche Art.

Stellvertretend für diesen Ansatz kann man „An Ember’s Arc“ hernehmen, das nach dem fragmentarischen „Luma“ das Album so richtig losgehen lässt. Der Anfang ist noch ruhig und beschränkt sich auf Akustikgitarren, Streicher und Schlagzeug, bevor die elektrische Verstärkung einsetzt und mit klassischen Leads punktet. Nachdem man dann herrliche, damals von OPETH patentierte Death-Blues-Licks einstreut und noch ein paar Leads sickern lässt, wird das Tempo und der Härtegrad angezogen. Und so wechseln BE’LAKOR mehrmals Riffs, Tempo und Atmosphäre.

So ähnlich geht es auf allen Höhepunkten auf „Vessels“ zu, sei es bei „Withering Strands“ (mit seinen geilen Riffs einer der besten Songs, die BE’LAKOR jemals gemacht haben), bei „Whelm“ oder beim karg-schwermütigen „Grasping Light“.

Im Vergleich zum direkten Vorgänger „Of Breath And Bone“ haben die Australier ihre Stärken weiter ausgebaut, die Songs sind noch mal ein Stück komplexer, vielfältiger  und spannender geworden, was dazu führt, dass sich die Aha-Erlebnisse in Richtung „Mann, was für ein geiler Song“ erst so beim dritten oder vierten Mal einstellen. Als kleiner Kritikpunkt bleibt die Tatsache, dass man manchmal dann doch zu weit vom Punkt wegdrifted und der eine oder andere einprägsame Refrain etwas fehlt.

Das ist aber im Verhältnis zur insgesamten Klasse von BE’LAKOR Meckern auf hohem Niveau, denn „Vessels“ reiht sich nahtlos in die Reihe ihrer hochklassigen Veröffentlichungen ein.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (20.06.2016)

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