THE VISION BLEAK - The Unknown

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VÖ: 03.06.2016
Bandinfo: THE VISION BLEAK
Genre: Dark Metal
Label: Prophecy Productions
Lineup  |  Trackliste

Als Rezensent hat man es ja auch nicht immer leicht. Nicht selten lauscht man Neuerscheinungen von Bands, die sich selbst so schamlos kopieren, dass man Zweifel an der Kreativität dieser Musiker hegt. Und wie immer hört man dann die üblichen Promotion-Kommentare a la „Dies ist unser bislang bestes Album. Das letzte Album war doch nicht so stark wie damals behauptet wurde, aber mit dem neuen Album wird alles gut.“ Zugegeben, der Wortlaut ist frei erfunden, doch diese Kommentare kennen wir von diversen Bands unterschiedlichster Genres und Subgenres. Wenn nun eine Band ihre neue Veröffentlichung “The Unknown“ nennt, dann fragt man sich natürlich zunächst mal, ob jene Band eine Kurskorrektur ins Unbekannte durchführte, oder ob dieser Titel eine andere Bedeutung haben könnte. 

Bei THE VISION BLEAK, deren Ansatz immer düster und mystisch war, die aber auch dazu neigten, mit einem Augenzwinkern “Horror Metal Hits“ zu schreiben, scheinen beide Theorien nicht ganz unberechtigt zu sein. Eines kann man hier vorweg nehmen: Die Reise geht für Fans der Band tatsächlich ins „Unbekannte“, denn THE VISION BLEAK schlagen ein neues Kapitel ihres Schaffens auf. Die gute Nachricht für die Fans: Die Musiker entwickeln sich weiter, ändern ihren Ansatz, bleiben aber dennoch unverkennbar THE VISION BLEAK.

Bereits “From Wolf To Peacock“ ist überraschend hart und auf eine metallische Art und Weise düster. Ein kleiner Hauch Theatralik bleibt, doch der Song fokussiert sich auf die Atmosphäre und folgt keiner strengen Struktur. Das Fehlen eines „Killerrefrains“ mag manchen Fans wiederum missfallen. Jenen “Killerrefrain“ liefern die Herren mit den Pseudonymen Schwadorf und Konstanz dann bei “Kindred Of The Sunset“ ab. Sehr eingängig, dezent folkig und mit einer kleinen Verbeugung in Richtung Peter Steele, sollte dieser Song unbedingt zum Live-Repertoire kommender Touren zählen. In diese Kerbe schlägt auch “Ancient Heart“, ein Song der zu Beginn einige Zeit zur Entfaltung braucht, da er zunächst wenig spritzig klingt, dann aber zu einem Dark-Metal-Hit inklusive einer verträglichen Portion Melancholie wird. 

Generell gilt, dass THE VISION BLEAK immer öfter ihre Liebe zum Doom zu entdecken scheinen und sehr viel Liebe zum Detail an den Tag legen. Dies kann man z.B. beim starken Titeltrack “The Unknown“, sowie beim harten Rausschmeisser “The Fragrancy Of Soil Unearthed“ mit seinem Wechselspiel aus düsteren, schweren Riffs und gelungenen atmosphärischen Teilen, erkennen.  Auch “How Deep Lies Tartaros?“ wird Metalheads erfreuen, da der Song vor allem zu Beginn recht rasant und ungestüm aus den Boxen tönt. Natürlich verwendet auch dieser Song verschiedene Stilelemente um sich zu entfalten. Dennoch erkennt man an jenen Zeilen deutlich, dass THE VISION BLEAK dem Metal wieder etwas näher stehen, als dies in der Vergangenheit oft der Fall war.

Also alles neu und doch typisch THE VISION BLEAK? Wie soll das gehen? Zugegeben, diese Schlussfolgerung klingt auf den ersten Blick abstrus. Die Frühwerke von THE VISION BLEAK waren sehr ungewöhnlich und originell. Sie reizten die Grenzen des „Erlaubten“ aus, nützten Theatralik und Pomp, bis man scheinbar zu dem Schluss kam, sich selbst zu wiederholen. “The Unknown“ ist nur bedingt ein Stilbruch, sondern eher als eine Umorientierung zu verstehen. Man macht es dem Hörer nicht leicht, sich an diese Kurskorrektur zu gewöhnen. Wenn man “The Unknown“ etwas Zeit gibt, wird man aber davon überzeugt sein, dass THE VISION BLEAK immer noch zu 100% authentisch sind und trotzdem ihren urtypischen Wiedererkennungswert aufweisen. In diesem Sinne: Lasst uns weitere Kapitel des Unbekannten gemeinsam erkunden – es lohnt sich auch für karpatische Wölfe, die in der Vergangenheit die Segel des Todesschiffs gen Mystery gesetzt haben. 

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: El Greco (22.06.2016)

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