Gojira - Magma

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VÖ: 17.06.2016
Bandinfo: GOJIRA
Genre: Progressive Death Metal
Label: Roadrunner Records
Lineup  |  Trackliste

Dass die Franzosen eine geile Truppe sind, war seinerzeit schon zu mir durchgedrungen. So richtig vertraut war ich allerdings nicht mit dem Songmaterial, das da im Jahre 2008 mit einem urgewaltigen Druck aus der Anlage des Key Club in Los Angeles wuchtete. Doch wenn man einmal einen Titel wie "Oroborus" in seiner unmittelbar-präsenten Urgewalt erlebt hat, muss einen die Baguette-Truppe einfach packen. "From Mars To Sirius" und eben "The Way Of All Flesh" rock(t)en wie Sau und nahmen in ihrer komplexen Wuchtigkeit alles im Sturm. "L'Enfant Sauvage" von 2012 drückte ebenfalls, nach vier weiteren Jahren (samt Livealbum) kredenzen uns GOJIRA nun das mit dem gewichtigen Titel "Magma" ausgestattete sechste Studiolangeisen.

Beim hypnotischen Opener "The Shooting Star" muss man unweigerlich an VOIVOD denken, das folgende "Silvera" präsentiert die Band dann aber wieder auf gewohntem wie liebgewonnenen Terrain. Das Gitarrenspiel arbeitet sich ebenso wie die Melodien beständig ins Hirn und die famose Schlagzeugarbeit des jüngeren Duplantier-Bruders setzt ohnehin beständig Akzente, während sein älterer Brüder für gesangstechnische Abwechslung sorgt. Weitere Highlights sind etwa der geil-wuchtige Stakkato-Riffer "Stranded" oder "Only Pain". Das Album pendelt zwischen hektischerem Material wie "The Cell" und drückender, stetig niederringender, vordergründig simpel wie groovig tönender, allerdings vielschichtiger Soundgewalt ("Pray"), während das stonermäßige Intermezzo "Yellow Stone" in den ausladenden Titeltrack überleitet, der - ebenso wie "Low Lands" - vor allem wegen der Vocals wieder an Snake und seine kanadische Kulttruppe erinnert und mit dem stimmigen Outro "Liberation" beschlossen wird.

Eines muss man dem Quartett wiederum attestieren: Es hat nicht nur seine Nische gefunden, nein, sein Stil ist überaus markant. Zudem agiert der Franzosen-Vierer in seiner - mit Melodik und Härte gepaarten - Durchschlagskraft recht eigenständig und kann sofort identifiziert werden. In der heutigen Zeit der vielfältigen Plagiate keine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr hochverehrenswert. Noch viel mehr, weil der Vierer nicht nur planlos und kompliziert-anspruchsvoll vor sich hinmusiziert, sondern seiner vielschichtigen Soundmelange in fesselnden Strukturen allzeit Linie und Plan wie auch den nötigen Raum zur Entfaltung von Variabilität und gleichzeitiger Durchschlagskraft gibt.

Gemeinsam mit Bands wie etwa MANTAR treiben GOJIRA moderne Härte nach vorne und bilden Soundoasen inmitten oft platter Copycat-Machenschaften und des Wiederaufwärmens zwar gut schmeckenden, aber altbackenen Soundgulaschs von traditionellem bis hin zum Thrash Metal. Die Franzosen haben wiederum ein tightes und intensives Sounderlebnis auf Tonträger gebannt, das jeden Freund ihrer hypnotisch-durchdringenden Klänge dank seiner immensen akustischen Strahlkraft in den Bann zieht, aber eigentlich jeden Liebhaber zeitgenössischer, anspruchsvoller und harter Klänge fesseln sollte. Zumindest in die beiden Video-Auskoppelungen sollte jeder zumindest reingehört haben, hier finden aufregende Ohrenexperimente statt.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (25.06.2016)

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