SLOT - Septima

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VÖ: 08.07.2016
Bandinfo: SLOT
Genre: Modern Metal
Label: M2BA
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Lineup  |  Trackliste

Modern Rock meets Classik Rock. SLOT, in Russland seit Jahren aufgrund ihres vielseitigen und kreativen Musikstils keine Unbekannten, sind mit ihrem Album „Septima“ auf dem Weg eine frische Riege an Fans im Westen zu generieren.

Wie der Name schon anklingen lässt, ist es das siebte Studioalbum dieser Truppe, die bereits viele Gigs absolviert und einige Preise eingeheimst hat. Ihre Songs wurden für Soundtracks verwendet und sind auf unterschiedlichen Compilatons vertreten. Vieles davon ist an uns bisher sang- und klanglos vorbei gegangen.

Ihre abwechslungsreichen, intensiven Songs leben vor allem von Sängerin Nookie, die von Screams über Punkvocals bis zu hervorragendem reinen Gesang alles drauf hat und daher perfekt als Begleiterin zu dieser variablen Musik passt, sowie als Gegenpart zu Cache, dem männlichen Lead-Vocalisten, der es im Vergleich zu Nookie zumeist normaler angeht.

Der erste Song des Albums, „Reincarnation“, wärmt einen mal an und ist eher noch modern-rockig gehalten, während „As He Wants“ bereits eine heavy Pop-Note in den Song bringt, der mit kräftigen Riffs und Beats, sowie Elektro gewürzt wird. Cache tritt jetzt auch stark als Gesangspartner auf, überlässt jedoch den Löwenanteil der Lead-Vocals Nookie.

Nach diesen zwei Songs sollte ich wohl gleich mal drauf hinweisen, dass SLOT als russische Band auch russisch singen. Zumeist versteht man kein Wort, aber irgendwie ist das bei dieser Musik egal, die ist soundtechnisch nämlich sehr international orientiert. Und ehrlich gesagt, es hat schon was, wenn man im Auto oder zuhause mal auf pseudo-russisch mitsingt und somit die Leute verwirrt.

Die russische Seele kommt bei „Russian Soul“ zur Geltung. Hier sind ein paar traditionelle Klänge mit abgemischt. Ein Wort, das man gelegentlich versteht, ist „Ruskij“, Cache intoniert den Anfang dieses Songs und baut ihn mit seinem Sprechgesang auf. Bombastische Klänge mit Symphonic-Ansätzen folgen und anschließend der Einsatz von Nookie, die mit Violinen-Unterstützung die weibliche Note in den Song bringt. Interessante Rhythmenwechsel bestimmen dieses Lied, man glaubt fast, zwei verschiedene Songs zu haben, ist aber nicht so, es handelt sich nur um das Hin und Her der Beiden. Ich verstehe den Text nicht, aber es klingt nach altem und modernen Russland, nach einem Hin und Her der beiden Seiten, egal ob Mann oder Frau, oder ein Musikstil gegen den anderen, oder eben die alte russische Seele gegen die neue. Fast schon progressiv das Ganze, wenn man es im Nachhinein betrachtet. [Anm. d Lekt.: Jetzt bin ich auch verwirrt...]

Irgendwo zwischen Industrial, Electro und Progressive dann „Ctrl+Z“. Einerseits ist ja der Titel alleine schon schräg, ist er doch der Shortcut für „Rückgängig machen“. Man braucht hier nicht die Worte zu verstehen, alleine die Bedeutung von „Ctrl+Z“ spricht für sich. Passt aber zum Song, der erneut von der Anziehungskraft, Fliehkraft und Power der beiden Sänger lebt. [Anm. d. Lekt.:Die Gravitation is a Hund...] Ich muss sagen, von Song zu Song gefällt mir Nookie immer besser. Das ist eine weibliche Powerstimme, die von Emotionen lebt und nichts mit Opernarie zu tun hat. Manchmal kratzt sie stark am Geschrei, überschreitet aber diese feine Grenze mit ihren Screams nie.

Mit „Waiting Hall“ liefern sie sogar einen sehr melodiösen, ruhigeren Rock-Song, der ziemlich breitentauglich ist. Okay, bei Ö3 wird man ihn trotzdem nie hören. Ein basslastiger Gegensatz dazu dann „4-Steps“, wieder durch Elektronik aufgepeppt und mit abgehackten Riffs in eine düstere, schräge Richtung Elektro-Metal treibend, bei der Nookie mal leidend, mal singend, mal kreischend ihre Lyrics vorträgt, während Cache wieder überwiegend Sprechgesang praktiziert.

Viel freundlicher hingegen „There, Where The Sky…“. Sowohl die runderen Vocals, als auch die angenehmeren Gitarrenklänge fallen auf. Nookie ist das Sahnehäubchen auf Caches Kuchen [Anm. D. Lekt.:Danke, Kopfkino...], ihre Einsätze pushen und wecken auf, geben dem Song genau den richtigen Pep, um ihn tauglich für den Westen und den interessierten Rock-Fan zu machen. Die kreischenden Riffs, perfekt untermalenden Keyboard-Klänge und lässigen Beats reißen einen mit und machen „There, Where The Sky…“ zu einer absoluten TOP-Nummer auf diesem Album.

Piano/Keyboard und wieder harmlosere Gitarren sind die Begleitung von „I know“. Hier singt Nookie wieder mal sehr schön und einfach, fast so wie Christl Stürmer. Auch beim Nachfolgesong „Cirlces On The Water“ dominieren die Vocals. Die akustischen Gitarren halten sich im Hintergrund und geben ihren Vocals vollen Spielraum. Zwischenzeitlich bombastisch eingebaute Instrumentalklänge verstärken die einfachen Teile des Songs und unterstreichen die einfache Schönheit der Akustik/Vocal-Strecken.

Russische Klänge, die in modernen Gitarren-Rock übergehen, intensive Basslines, ein harter Grundrhythmus und zum ersten Mal nicht nur wild-emotionale Vocals von Nookie, sondern auch von Cache (er klingt fast nach Growling) hört man bei „Rose Colored Glasses“. Das Songwriting klingt aufgewühlt und fast psychisch angeknackst. Ein ziemliches Durcheinander-Stück, das Einen ein wenig fragend zurück lässt.

„Fear And Aggression“ mischt Kinderchor, Metal, Rap/Hip-Hop, Rock und was weiß ich noch alles in einen Crossover-Song, der einen ebenfalls ein bisschen fragend zurück lässt. Gegen Ende des Albums verlässt mich der Eindruck nicht, dass sich hier die Crossover-Songs tummeln. „I Believe – I Don’t Believe“ ist zwar nicht ganz so krass wie die vorhergehende Nummer, aber die auf- und abschwellende Melodie sowie Nookies fast schon kreischender Gesang und die Bassparts, erzeugen erneut eine aggressive und emotionsgeladene Atmosphäre.

Bei der letzten Nummer „Fee“ muss ich gestehen, habe ich es nicht geschafft mir das ganze Stück anzuhören. Die in einem Affentempo runtergeleierten Vocals von Cache sind nichts für meine Ohren – dazu alles in Russisch – sorry, pack ich nicht.

Am Ende des Albums angelangt kann ich zusammenfassen, dass SLOT keine einfache Kost sind und von Stück zu Stück komplizierter und unverständlicher werden. Nicht nur, dass sie in ihrer Muttersprache singen, die Vielfältigkeit beim Songwriting ist nicht unbedingt jedermanns Sache und das ganze Durcheinander nimmt gegen Ende des Albums derart zu, dass mir die Lust am Hören vergangen ist. Derart viel Crossover muss man mal mögen bzw. verarbeiten können. Die Gegensätze aus Screams/Sprechgesang, Hip-Hop, Word-Rap, Rock, Metal, Progressive, Industrial, mit hie und da eingestreuten traditionellen Russischen Tönen, sind einfach zu extrem.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (13.07.2016)

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